Herr Revermann, welche Zwischenbilanz können Sie nach neun Monaten für Görtz ziehen?
Bis Ende August haben wir uns gut behaupten können und lagen über dem Branchendurchschnitt. Allerdings hat uns der September wie viele andere Unternehmen auch hart getroffen. Wir konnten uns der allgemeinen Situation nicht mehr entziehen. Die Kälte im März, der fehlende Übergang und nun der nicht enden wollende Sommer – die Auswirkungen des Wetters auf den Schuhhandel sind gewaltig. Der Frequenzrückgang im stationären Handel ist deutlich spürbar. Und auch das Onlinegeschäft leidet unter der Witterung.
Das Wetter hat dem Handel 2018 große Probleme bereitet – welche weiteren Gründe für die aktuell herausfordernde Lage der Branche sehen Sie?
Ein weiteres wichtiges Thema ist die Casualisierung der Mode. Die ehemalige Trennung von Freizeit- und Businesslooks ist weitgehend verschwunden. Alles ist sportlicher, lässiger geworden. Das trifft natürlich auch die Schuhanbieter, weil sich so der Bedarf reduziert hat. Ein Schuh kann heute zu einer Vielzahl von Gelegenheiten getragen werden, das war in der Vergangenheit noch anders.
Bereits zu Saisonbeginn haben zahlreiche Händler mit Rabatten geworben – darunter auch Görtz mit einer 15% Aktion. Geht es nicht mehr ohne Rabatte?
Rabatte sind ein fester Bestandteil der Handelslandschaft. Sie ermöglichen es uns, das Geschäft zu steuern. Persönlich bedauere ich diese Entwicklung, aber unser Unternehmen kann es sich angesichts des Wettbewerbsumfelds nicht leisten, auf Reduzierungen zu verzichten. Preis-Aktionen werden von den Kunden mittlerweile einfach erwartet, schließlich wurden sie von der gesamten Handelslandschaft in Deutschland – und eben nicht allein von der vergleichsweise kleinen Schuhbranche – in den vergangenen Jahren in diese Richtung erzogen. Für eine grundsätzliche Umkehr ist es daher zu spät, das zeigen auch die Erfolge der verschiedenen Discount-Formate am Markt.
Befürchten Sie keine Entwertung des Produkts?
Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Rabatte animieren die Kunden, schneller eine Einkaufsentscheidung zu treffen. Eine fachkundige Beratung und schöne Geschäfte reichen dazu bedauerlicherweise eben nicht immer aus. Wir benötigen den Preis als Impuls.