Sabu-Geschäftsführer Stephan Krug spricht mit schuhkurier über Erfolgsfaktoren für den stationären Handel, den Nutzen der Digitalisierung, die Zukunft der Innenstädte und Ladenöffnungszeiten.
19.01.2017
Petra Salewski
3 Minuten
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Das vollständige Interview mit Stephan Krug können Sie hier im Shop von Verlag Sternefeld downloaden.
Herr Krug, die Angst vor der Dominanz der großen Onlinehändler geht um in Deutschland. Ist sie Ihrer Meinung nach berechtigt?
Die Betrachtung aktueller Zahlen belegt, dass der reine Fachhandel immer noch einen Marktanteil in Deutschland von über 60% hat. Das heißt: Zwei Drittel aller Schuhe werden hierzulande im Schuhfachhandel verkauft. Wir sprechen über eine Umsatzgröße von etwa 7 Mrd. Euro. Der Online-Anteil ist natürlich sehr stark gewachsen. Er bewegt sich, je nachdem, welche Statistik man zu Grunde legt, bei 15 bis 20%. Nichtsdestotrotz ist der Fachhandel immer noch die dominierende Kraft im Schuhverkauf.
Wie wird es in fünf oder zehn Jahren sein?
Meiner Meinung nach wird der Schuhfachhandel auch in Zukunft diese dominierende Kraft bleiben. Ich ziehe hier gern Vergleiche zum englischen Markt, da dort der Versandhandel ähnlich wie in Deutschland eine lange Tradition hat. In England wurde schon relativ früh auf Digitalisierung gesetzt. Alle großen Versandhäuser in England sind professionell im Internet präsent, zum Teil auch sehr erfolgreich; speziell im Lebensmitteleinzelhandel. Der Quervergleich zeigt, dass in diesem Segment die Online-Anteiligkeit derzeit jedoch stagniert. Der Marktanteil ist mittlerweile sogar leicht rückläufig. Die Erfahrungswerte belegen, dass bei 20 bis 30% eine Saturation eintritt. Dann ist dieses Geschäftsmodell im Grunde erschöpft. Ich wage zu behaupten, dass sich der Online-Anteil im deutschen Schuhhandel auf einem ähnlichen Niveau einpendeln wird. Ein Viertel bis maximal ein Drittel aller Schuhe werden also in Zukunft über diesen Vertriebskanal verkauft.
Blicken wir auf dieses Viertel oder Drittel Online-Anteiligkeit: Partizipiert hier auch der stationäre Schuhfachhandel?
Wenn Sie mit den Online-Experten sprechen, sagen diese voraus, dass sich der Markt künftig auf drei bis vier Pure Player beschränken wird, die einen Großteil abdecken werden. Hier wird es in absehbarer Zeit zu einem reinen Verdrängungs-wettbewerb kommen, einfach weil der Markt nicht weiter wächst. Daneben wird es aber auch einen gewissen Anteil von Omnichannel-Anbietern geben – also auch stationäre Schuhhändler mit einem entsprechenden Angebot. Und schließlich kommen die Spezialisten zum Zuge, die sich auf ein enges Segment konzentrieren, etwa Schmalgrößen, Übergrößen, nur Sneakers oder ähnliches. Der stationäre Schuhfachhandel muss aber Strategien entwickeln, um sich für diese Entwicklung zu wappnen.
Digitalisierung ist in aller Munde. Wo steht der Schuhhandel Ihrer Meinung nach derzeit und was sollte er tun?
Zunächst ist mir wichtig zu betonen, dass Digitalisierung nicht mit E-Commerce verwechselt werden darf. Wir sprechen über die Verknüpfung von zwei Welten, der analogen und der digitalen. Den erfolgreichen Unternehmen wird es perfekt gelingen, diese beiden Welten zu vereinen und eng zu verzahnen. Die Vorteile des analogen Geschäfts liegen dabei auf der Hand: Da geht es natürlich um Inszenierung und Emotionalisierung, aber auch um Beratung und nicht zuletzt um Passgenauigkeit und Bequemlichkeit. Aber das ist mir noch zu undifferenziert. Es gibt schließlich mehrere Geschäftstypen und unterschiedliche Ansätze, vom Fachmarkt bis zum Lifestyle-Store. Alle haben ihre Berechtigung. Die Frage ist: Was erwartet der Konsument? Und welche finanziellen Mittel hat er zur Verfügung?
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