Schreier: Wir bieten den Parteien eine Plattform, an der sie alle in den Austausch kommen können. Natürlich mag es dem Eigentümer egal sein, wenn an einer Straße das dritte Wettgeschäft oder der vierte Burgerladen öffnet – der Kommune ist das jedoch ganz sicher nicht egal. Da treten wir dann an die Kommunen heran und kommen in den Austausch, um die Situation mit allen Parteien an einem runden Tisch besprechen zu können.
Und auf der anderen Seite kann es beispielsweise für Makler sehr vorteilhaft sein, die Plattform zu nutzen. Denn sollte der Makler eine Fläche bespielen wollen, kann dieser zwar meist auf Kontakte zurückgreifen, aber selbst diese sind begrenzt – sei es in ihrem Spektrum oder in ihrer Anzahl. Der Makler erkennt deshalb nicht, ob es nicht doch auch ein Unternehmen in einer anderen Stadt gibt, das für den angebotenen Platz geeignet wäre. Mit den Leerstandslotsen kann sich der Makler deshalb einen besseren Marktüberblick verschaffen. Das Leerstandsproblem in Innenstädten wurde erkannt, doch oftmals fehlt es noch etwas, damit der Stein ins Rollen kommt…
Ellrich: Da sind wir natürlich der richtige Ansprechpartner. Wir bekommen definitiv mit, wie das Thema an Fahrt aufnimmt – und nicht nur in den Innenstädten. Wir waren in diesem Jahr auf vielen Messen und werden auch noch auf weiteren sein. Allein durch unseren Namen entstehen dabei schnell Gespräche. Und dann kommen Überlegungen, die Flächen interimsmäßig zu füllen, beispielsweise mit Pop-Up-Stores. Und selbst wenn das Unternehmen danach nicht langfristig gebunden werden kann, wurde in der Zeit immerhin ein Mehrwert für die City geschaffen.
Manchen deutschen Innenstädten geht es auch schon länger nicht gerade gut. Warum sollten wir dennoch an dem Konzept festhalten?
Ellrich: Allein Deutschland hat mit seinen sehr historischen Innenstädten Orte geschaffen, die man nicht einfach mir nichts, dir nichts, aufgeben kann. Natürlich gibt es Städte, deren Kern vielleicht auch verkleinert werden müsste. Dafür wird dieser gleichzeitig attraktiver gestaltet und häufiger besucht. Und natürlich ist die Arbeit an der Innenstadt eine Sisyphus-Arbeit; der Aufschrei ist aber größer, wenn es niemand mehr macht. Und für unsere Partner versuchen wir deshalb, das richtige Tool auf den Markt zu bringen.
Schreier: Man muss auch von dem Gedanken wegkommen, dass die Innenstadt nur zum Einkaufen da ist. Wir glauben, dass Mixed-Use eine sehr große Rolle spielen wird. Auf der einen Seite wegen der hohen Mietkosten. Denn selbst wenn der Mietdeckel eines Tages kommen sollte: Viele Händlerinnen und Händler können die Preise nicht mehr allein stemmen. Deshalb plant jetzt auch beispielsweise der neue Görtz-Investor Bolko Kissling, das Ladenkonzept zu überdenken. Und ob es nun kleine Bistros oder andere Angebote werden; dabei soll ein Platz zum Verweilen innerhalb der eigentlichen Geschäftsfläche entstehen. Und genau das muss auch eine Innenstadt schaffen: einen Platz zum Verweilen!
Welche Rolle spielt der Schuhhandel in der Innenstadt von morgen?
Ellrich: Natürlich ist auch der Schuhhandel immens wichtig für die Innenstadt. Und wir brauchen alle an Bord, um die Innenstädte attraktiv zu gestalten.
Schreier: Es sei auch nochmal hervorgehoben, dass das Angebot für den Flächensuchenden komplett kostenfrei ist – auch für den Schuhhändler. Wie von Philipp Ellrich im Laufe des Gesprächs schon angesprochen: Auch der Schuhhandel ist ein wichtiger Bestandteil der Innenstadt und wird es unserer Meinung nach auch in der Zukunft bleiben.