Welche Rückmeldungen bekommen Sie aus Ihren Gesprächen über das neue Konzept?
Bislang ist das Feedback überwiegend positiv. Gerade von Lieferanten bekommen wir zurückgespielt, dass unsere Vorgehensweise hilfreich ist, um Reiseaufwand und Kosten zu verringern.
Sie waren im März als Kooperationspartner der Goodiez in Düsseldorf mit einer Lounge präsent. Wird diese Zusammenarbeit fortgesetzt?
Ja. Denn es ist uns wichtig, das Signal in die Branche zu geben: Zu Gunsten der Messelandschaft unterstützen wir andere Formate nach der Micam. Diese sind als Angebot für Händler da. Um Konzentration bei Veranstaltungen zu verursachen, setzen wir mit unserem Wirken ein Zeichen.
Es gab 2023/24 Pläne von ANWR und SABU, gemeinsame Messen an den Standorten Heilbronn und Mainhausen zu organisieren. Ziel war auch damals, mehr Effizienz zu erreichen. Schlussendlich wurde der Plan verworfen. Ist ein solcher Vorstoß wieder denkbar?
Mein klares Signal an alle Teilnehmer in der Messelandschaft ist immer: Wir müssen uns austauschen. Bevor wir unsere Entscheidung zur Messe Order 2 getroffen haben, habe ich mit mehreren Veranstaltern gesprochen. Wir teilen solche Informationen im Voraus und setzen auf Kommunikation und Zusammenarbeit. Was neue Konzepte und das Zusammenfassen von Veranstaltungen angeht, bin ich immer Befürworterin gewesen – mit einer Voraussetzung: Man muss die Teilnehmer in den Fokus rücken und sich am Bedarf orientieren. Nur dann kann es funktionieren. Daher richte ich gern einen Appell an alle Veranstalter: Die Branche braucht Fokus. Das müssen und können wir aktiv gestalten.
Es gibt immer wieder den Ruf, eine Messe wie die GDS möge als große deutsche Orderplattform mit internationaler Strahlkraft zurückkehren. Halten Sie das für realistisch oder ist dieser Zug abgefahren?
Grundsätzlich lässt sich in der Schuhbranche – nicht nur in Bezug auf Messen – ein Phänomen beobachten: Zu Beginn verfolgen wir häufig den Anspruch, eine „Gesamtlösung“ zu entwickeln, die möglichst viele Interessen berücksichtigt und möglichst viele Herausforderungen gleichzeitig löst. Sehr schnell wächst dann jedoch die Zahl der Ideen und Anforderungen. Das hemmt den Fortschritt und führt dazu, dass eine Lösung irgendwann nicht mehr realistisch ist. Denn je komplexer die Lösung, desto eher entscheidet sich der Einzelne am Ende doch dagegen, weil sein individuelles Bedürfnis nicht ausreichend berücksichtigt wird. Wir müssen weg von Branchen-Lösungen und hin zu kleineren Ansätzen. Lassen wir diese zunächst erfolgreich aufbauen – und dann schrittweise weiterentwickeln. Wenn man in einem so volatilen Markt ein sehr großes Thema aufmacht, steht man sich schnell selbst im Weg; das haben viele Themen und Projekte gezeigt.
Ich kann mir gut vorstellen, das Messethema größer zu denken. Aber in der aktuellen Situation ist es wichtig, agil und flexibel zu bleiben und sensibel auf die Lage der Branchenteilnehmer zu reagieren. Ich verbessere lieber jedes Jahr in kleinen Schritten, als ein Großprojekt aufzusetzen, das am Ende nicht funktioniert. Darum glaube ich an kontinuierliches Wachstum, Schritt für Schritt. Wenn das Ergebnis dann ist, dass wir irgendwann eine GDS wiederbeleben können, dann wird es so kommen. Aber man muss erkennen, wann ein Schritt zu groß ist. Für uns steht im Mittelpunkt, unser Angebot zu schärfen und in Richtung Internationalisierung zu denken. Ich möchte viel enger mit internationalen Partnern zusammenarbeiten und Themen umsetzen, die realistisch sind. Das ist eine niedrigschwellige Chance. Das sind greifbare Themen, die sich gut umsetzen lassen. Und wir müssen dringend in die Umsetzung kommen.
Für Messeveranstalter ist die Organisation von Orderevents das Geschäftsmodell. Auch zum Teil für die ANWR. Verzichten Sie durch die Streichung der Messe Order 2 auf Umsatz?
Das ist eine Frage der Perspektive. Kurzfristig vielleicht. Es ist ein Umsatz, den wir erst einmal nicht generieren. Aber wenn man auf die gesamte Branche schaut, muss man sich fragen: Würde dieser Umsatz im nächsten oder übernächsten Jahr überhaupt noch realistisch sein? Man kann natürlich abwarten, wie sich die Dinge entwickeln und pokern, dass die eigenen Veranstaltungen im Markt bleiben. Oder man setzt sich in den Driver’s Seat und gestaltet die Entwicklung aktiv mit. Am Ende geht es immer um die Frage: Sind Veranstaltungen ein Mehrwert oder nicht? Wir müssen diesen Wert in den Fokus rücken – und nicht den Veranstalter. Unser Ziel ist es, die ANWR-Messe Schritt für Schritt zu einem Ort weiterzuentwickeln, an dem neben der Order vor allem der inhaltliche Austausch und die Präsenz entscheidungsrelevanter Ansprechpartner im Mittelpunkt stehen – und dafür bleiben wir kontinuierlich mit allen Beteiligten im Dialog.