Welche könnten das sein?
Wegen des wegbrechenden Fachhandels sind wir geradezu gezwungen, unsere eigene Markenpräsenz in Form von Gabor-Shops weiter auszubauen. Das Umfeld, insbesondere die Mieten, sind wieder attraktiver geworden. Wir halten an der Strategie fest, Gabor-Shops bevorzugt mit Handelspartnern zu betreiben. An Standorten, wo sich keine Handelspartner finden, werden wir jedoch auch selbst wieder stärker aktiv werden. Daneben bauen wir das D2C-Geschäft über unseren Online-Marktplatz weiter aus und wollen damit auch strategisch wichtige Handelspartner stärken: So sind viele stationäre Gabor-Shops an unseren Marktplatz angebunden, und die Verkäufe aus dem stationären Geschäft plus die Online-Umsätze machen Gabor-Shops häufig sehr profitabel.
Ist der Modehandel für Gabor ein Wachstumsmarkt?
Auch der Modehandel hat sich in den letzten Jahren als Wachstumsmarkt gezeigt und wir sehen hier noch Chancen. Das Potenzial halten wir aber für begrenzt, zumal wir auch weiterhin jeden Standort analysieren und im Sinne des Schuhfachhandels auch mal Nein sagen müssen.
Worin unterscheiden sich Mode- und Schuhhandel?
Das kommt sehr auf das Format an – aber im Modehandel sehen wir zum Teil einen höheren Modegrad und höhere Durchschnittspreise. Gleichzeitig schafft es der Schuhhandel in der Regel, größere Volumina abzusetzen.
Wie haben sich die Segmente Gabor, Gabor Comfort und Pius Gabor in den ersten drei Quartalen 2023 entwickelt?
Alle drei Sparten haben sich in den ersten drei Quartalen positiv entwickelt. Wir hatten überall stabile Absatzmengen oder leichte Mengenzuwächse bei gestiegenen Durchschnittspreisen.
In der Schuhbranche wird derzeit über viele grundlegende Themen diskutiert. Dazu gehört die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel, für die sich speziell Händler mehr Gleichgewicht zwischen den Akteuren wünschen. Wie beurteilen Sie diese Problematik?
In einer Zeit, in der vieles im Umbruch ist, sollte es keine Tabus in der Diskussion geben. Daher sind Initiativen wie #schuhhandelhatzukunft wichtig und richtig und wir arbeiten auch konstruktiv an einigen Projekten mit, beispielsweise an einer erleichterten Nachorder oder am Image-Projekt Schuhe.
Vor Kurzem wurde mit Elvis ein Projekt gestartet, das die Nachorder vereinfachen und beschleunigen soll. Gabor hat an diesem Projekt zusammen mit dem ECC gearbeitet. Das Thema wird in der Branche sehr positiv aufgenommen. Zugleich fragt man sich als Beobachter, warum es so ein Verfahren nicht schon längst gibt. Was glauben Sie – warum?
Technisch gesehen erscheint mir Elvis nicht extrem komplex. Die Herausforderung besteht eher darin, verschiedene Akteure zusammenzubringen. Damit Elvis sein volles Potenzial für den Handel entfalten kann, müssen möglichst viele Hersteller und auch verschiedene Betreiber von Warenwirtschaftssystemen an einem Strang ziehen.
Auch die Messelandschaft wird diskutiert. Es gibt seitens vieler Unternehmen den Wunsch nach einer frühen Leitmesse, die den Auftakt einer Orderrunde darstellen und auch modische Impulse zeigen könnte. Was wünschen Sie sich für Gabor?
Auch wir wünschen uns eine frühe Leitmesse in Deutschland.
Der Messekalender ist prall gefüllt – von SOC-Terminen bis hin zu internationalen Veranstaltungen. Glauben Sie, dass die Branche weniger Messen braucht?
Es gibt aktuell viele verschiedene und mehrere hochwertige Messen. Für die meisten Händler ist es nicht möglich, überall hinzugehen. Daher, ja. Weniger wäre in diesem Falle mehr.
Was erwarten Sie für den Jahresverlauf 2024?
Die Saison F/S 24 steht bei uns ja schon in den Auftragsbüchern, für H/W 24 wird noch viel davon abhängen, wie der weitere Saisonverlauf im Handel sein wird. Der September und auch die erste Oktober-Hälfte waren wetterbedingt für den Handel sehr schwach, danach konnte jedoch einiges aufgeholt werden. Insgesamt planen wir für 2024 mit einem moderaten Mengen-Wachstum. Unsere Preise versuchen wir so weit wie möglich zu halten.