Michael Jondral war einmal ein klassischer Herrenausstatter. Heute ist er „ein Online-Händler mit einem Showroom für Stammkunden“. So beschreibt er sein Geschäftsmodell. Physisch ist es in Hannover zu verorten, seinen Weg in die Welt findet es virtuell. Im Grunde ist Jondral aber auch ein Erfinder, denn ein vergleichbares Einzelhandelsformat gab es in seiner Branche und seinem Genre zuvor nicht. Dabei hat der 62-Jährige eine klassische Einzelhandelskarriere hinter sich: Ausbildung, Angestelltenverhältnis bei einem führenden Hannoveraner Herrenausstatter, Mitglied der Geschäftsführung und schließlich Mitgesellschafter eben dort. Doch da die Dinge sich, auch wenn man sich lange kennt, mitunter anders entwickeln als gedacht, kam 2006 der Wunsch nach Selbstständigkeit auf. Schon kurz darauf wurde er auf 80qm in die Tat umgesetzt. Der eigene Laden „funktionierte vom ersten Tag an“, so Jondral, denn seine Kunden, Männer, die „Wert legen auf meinen Stil“, folgten ihm auf seinem Weg, in seinen Kosmos, wie man fast sagen muss. Denn ein herkömmliches Herrenmodegeschäft war „Michael Jondral“ schon am Anfang nicht. „Ich hatte vom ersten Moment an eine starke Fokussierung auf Made-to-order“, sagt Jondral. Der neapolitanische Schneider Attolini stand für die Konfektion, St. Crispin’s für den Schuh dazu. Ihre Aura, ihre Exzellenz sind bis heute das Herz des Sortiments, flankiert von anspruchsvoller Ready-to-wear.
2010 konnte man sich vergrößern und 2013 wiederum in neue Räumlichkeiten wechseln. Die wirklich wegweisende Entscheidung aber fiel ein Jahr später mit der Gründung des eigenen Onlineshops. „Wir haben 2014 im kleinen Rahmen angefangen“, erzählt Michael Jondral, zunächst mit Unterstützung zweier entsprechender Fachleute, schließlich mit einem Trio, das auch heute noch den Kern des Web-Teams bildet. „Gerade mal 60 Minuten waren wir online, als die erste Bestellung einging: eine Krawatte von Attolini“, erinnert sich Jondral. Ein Jahr später „haben wir mit dem Webshop bereits einen guten sechsstelligen Umsatz gemacht“. 2016 zog das Online-Business umsatzmäßig mit dem stationären Store gleich; und es ging weiterhin stetig bergauf, „auch während der Pandemie“. 2022 beträgt der Online-Anteil bereits 70% vom Gesamtvolumen. Die virtuelle Sparte ist nun zeitlich so fordernd, dass Jondral beschließt, den stationären Store nur noch von Mittwoch bis Samstag zu öffnen; die ersten beiden Tage der Woche sind dem Online-Shop und Appointments vorbehalten.
2023 dann die nächste Weichenstellung: Jondral bezieht die erste Etage einer kunsthistorisch geprägten Hannoveraner Villa. „Erst in diesen Räumen konnten wir die Clubatmosphäre umsetzen, die ich mir von Anfang an gewünscht hatte.“ In Lauflage ist er hier nicht, Michael Jondral ist nun selbst eine Destination. Der klassische Store ist Vergangenheit, sein 150qm großes Geschäft nennt er Showroom. Hier ist er Gastgeber, hier führt er eine Art Salon, wo er freitags und samstags, an anderen Tagen auf Termin, seine Gäste empfängt, darunter viele Rechtsanwälte, mittelständische Unternehmer, Mediziner. Für sie hat er ein inspirierendes Umfeld, eine spezielle Aura kreiert: einen Rahmen für Konversation und Begegnung, für Offenheit, Neugier, Entdeckung. „Authentisches, gemacht von Menschenhand“, ist hier zu finden, Spezialitäten, mit denen er bewusst nicht den Bedarfskonsumenten adressiert, sondern „einen Kunden aus Passion und Freude“