Trend zum Total Look
Beim Schuhangebot spielt auch eine Rolle, dass Kundinnen und Kunden zunehmend den Total Look kaufen. Bewusst ist die Damenschuhfläche unmittelbar an das DOB-Premiumsegment angegliedert. Vor allem Frauen nutzen laut Weger das Angebot und kaufen zu Kleid oder Blazer gleich den Schuh dazu. Der spürbare Trend hin zum Brown Shoe bzw. klassischer Schuhmode könnte sich hier sehr positiv auswirken. „Die Synergieoption Total Look könnte theoretisch auch auf Herren und Kids bzw. unseren generellen Ansatz, die Schuhflächen in Anbindung zu Bekleidungsbereichen zu zeigen, ausgeweitet werden“, erklärt Weger.
Wichtig ist in diesem Zusammenhang für den Mannheimer Händler die Beratungskompetenz auf den Flächen. Engelhorn habe hervorragendes Stammpersonal, auch im Schuhbereich. Nun gelte es aber, die Kundenansprache noch weiter zu optimieren. „Wir sind immer auf der Suche nach guten Schuhfachverkäuferinnen“, so Weger. Weil die Schuhflächen in den vergangenen Jahren gewachsen sind und in Zukunft auch neue Marken hinzukommen, sei es wichtig, die Mitarbeitenden mit Schulungen zu unterstützen und die Teams zu vergrößern. „Luxus verkaufen ist etwas ganz anderes als eine Kundin zu kommerziellen Fabrikaten zu beraten“, so Weger. „Da brauchen wir Spezialisten.“ Im Kinderschuhbereich sei Engelhorn gut aufgestellt, sagt der Geschäftsführer. Man habe zwei Mitarbeiterinnen auf der Fläche, die das Thema mit Liebe und Leidenschaft behandeln. „Gerade bei Kinderschuhen sieht man: Das Sortiment muss stimmen, aber der Mensch ist ein ebenso unverzichtbares Element – das wird aus meiner Sicht noch häufig unterschätzt.“ Und speziell bei Kinderschuhen brauche es sensibles und kompetentes Personal, dass sich mit allen Aspekten von der Fußvermessung über die Materialien bis hin zur Passform auskenne.
Es geht um Professionalisierung
An die Zusammenarbeit mit dem Platzhirsch aus Mannheim sind allerdings für die Schuhlieferanten Bedingungen geknüpft. Armin Weger hat klare Vorstellungen davon, wie künftige Partnerschaften aussehen müssen: „Wenn sie Früchte tragen soll, ist eine Automatisierung – Stichwort EDI – das mindeste. Hinzu kommen Kooperationsmodelle, die wir als normal empfinden. Es geht um die Frage, wie man Verfügbarkeit, Risikoteilung und gemeinsames Marketing hinbekommt – kurz, es geht um Professionalisierung. Da gibt es einen unglaublichen Aufholbedarf.“ Er vermisse bei einigen Lieferanten funktionierende Prozesse, zeitgemäße Strukturen und Investitionen in Expertise. „Die Produkte der Schuhindustrie sind gut, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität stimmen. Das reicht auf Dauer aber nicht.“ Was fehle, sei die letzte Meile, und dafür brauche es neue Formen der Zusammenarbeit und eine gemeinsame Vision. Im Schuhhandel habe in diesem Bereich nur wenig Entwicklung stattgefunden, glaubt Weger. Das könne zur jetzt schwierigen Situation für viele Händler beigetragen haben – mindestens zehn, wenn nicht fünfzehn Jahre seien aufzuholen. Für die Industrie sei es jetzt unverzichtbar, sich anders aufzustellen und in ihr Backoffice, in Datenqualität und in Automatisierung zu investieren. „Man muss bereit sein, diesen Weg zu gehen. Und man muss verstehen, dass Handel – stationär und online – neu gedacht werden muss“, ist der Engelhorn-Geschäftsführer überzeugt. Darum wünscht er sich Lieferanten, die bereit sind, den neuen Weg von Engelhorn mitzugehen. „Wir im Fashionhandel wollen und werden angreifen. Wir sehen eine Riesenchance. Aber wir brauchen Partner, die das auch leisten können.“