Leitbild für Zalando ist die Plattform-Strategie, die im Frühjahr 2016 vorgestellt wurde. Ein wesentlicher Bestandteil ist ’Integrated Commerce‘, d.h. die Verknüpfung von Online und Offline. „Die Kunden kaufen zunehmend online ein. Zugleich liegt der Großteil der gesamten Warenbestände im stationären Handel“, erläutert Sandra Burghardt von Zalando. Gemeinsam mit Gaxsys wolle das Unternehmen aus Berlin diesen Warenbestand mit der Reichweite von Zalando verbinden. Die Kunden sollen so die Möglichkeit haben, zentral auf die Ware zuzugreifen, egal wo diese liegt – im Zalando-Logistikzentrum oder im Lager des Händlers. Im Juni startete bereits ein Projekt mit Adidas, bei dem der Warenbestand von zwei Stores des Sportartikelherstellers in Berlin digitalisiert und an Zalando angeschlossen wurden. Nun, so Zalando-Sprecherin Burghardt, starte Phase zwei. Im Fokus stehen dabei insbesondere kleinere Handelsunternehmen, denen ein weiterer Verkaufskanal geboten werden soll. Es handle sich dabei um ein Einstiegsmodell in den Onlinehandel für jene Unternehmen, die keinen eigenen Webshop betreiben bzw. nicht über ausreichend Reichweite verfügen. „Wir distribuieren Zalando-Bestellungen an lokale Händler“, erklärt Philipp Kannenberg von Gaxsys den Ansatz. Das Unternehmen aus Karlsruhe wurde 2008 gegründet. In den vergangenen Jahren hat Gaxsys umfangreiche Erfahrungen bei der Verbindung von Onlineshops von Herstellern mit dem stationären Handel gesammelt. In der Schuhbranche arbeitet Gaxsys u.a. mit Ricosta, Peter Kaiser und Finn Comfort zusammen.
Gaxsys: Anforderungen an Händler gering
Aus Sicht von Zalando soll die Zahl der teilnehmenden Händler steigen. Die Anforderungen an den interessierten Handel seien gering, so Philipp Kannenberg. „Ein Computer mit Internetanschluss, Verpackungsmaterial von Zalando und ein Drucker sind bereits ausreichend. Mit nur wenigen Klicks können die Händler einen Auftrag übernehmen und ausführen.“ Im Rahmen kurzer Webinare sei das System einfach zu erlernen. Während die Retourenabwicklung über den Händler läuft, übernimmt Zalando die Rechnungsstellung. Pro Modell wird eine Provision berechnet. Zur Höhe wollte Zalando keine Angaben machen, diese seien „marktüblich“. „Der finanzielle Aufwand und das Risiko, einen eigenen Webshop zu betreiben, sind deutlich höher als die Beteiligung von Zalando“, sagt Philipp Kannenberg. Übergeordnete Ziele von Integrated Commerce seien unter anderem Personalisierung und Regionalisierung, so Sandra Burghardt. Durch die Verbindung von lokalen Kunden und lokalem Handel könne die Geschwindigkeit der Belieferung zukünftig deutlich gesteigert werden. Zwar betreibe Zalando weiterhin den klassischen Ein- und Verkauf, Ziel sei aber der Ausbau der Plattform, über die auch unterschiedliche dritte Parteien verkaufen können. Oder, wie Zalando-Gründer und -Vorstand David Schneider kürzlich sagte. „Wir verbinden Menschen und Mode.“