“Wenn der Preis stimmt, ist Menschenleben egal”, so kritisieren Branchenakteure auf der Lineapelle in Bologna die grausamen Bilder, die in der ZDF-Reportage gezeigt wurden. Dietmar Jost vom Lederwarenanbieter Leonhard Heyden zeigt sich geschockt: “Wer das gesehen hat, kann nicht mehr ruhig schlafen.”
Bangladesch exportiert demnach Leder und Lederwaren im Wert 660 Mio. Dollar jährlich. 150 Gerbereien gibt es im Stadtteil Hazaribagh der Hauptstadt Dhaka, deren giftige Abwässer ungeklärt entsorgt werden. Kinder wachsen zwischen Müllbergen, Gerbereiabfällen und Seen mit giftiger Brühe auf. Ein Mitarbeiter in einer Gerberei – der seine Tätigkeit ohne jede Schutzkleidung verrichtet – verdient nach Angaben der Autoren der Sendung 9 Cent pro Stunde.
„Diese schockierenden Reportagen überraschen mich nicht. Jeder in der Branche weiß, dass die Zustände in den Gerbereien außerhalb von Europa katastrophal sind, ob in Bangladesch, Pakistan oder Ägypten. Keiner kümmert sich um die Sicherheit oder Gesundheit der Arbeiter. Ganz sicher auch die europäischen Einkäufer nicht. Es geht nur um den Preis”, sagt Mirco Lopardo, Gerber aus Italien, am Rande des Modeurop-Meetings in Bologna.
Thematisiert werden in der „37 Grad“-Sendung unter anderem illegale und qualvolle Rindertransporte von Indien nach Bangladesch, wo die Tiere für die Gewinnung preiswerten Leders geschlachtet werden. Gezeigt werden auch Fälle, bei denen Tiere bei lebendigem Leib gehäutet wurden.
„Wer hinschaut, der sieht Schreckliches. Es müssten viel mehr Unternehmen klare Regeln aufstellen und diese auch umsetzen. Sonst ändert sich nichts”, ist Elisabeth Krautinger, Designerin von Superfit, überzeugt.
Holger Lang, Sioux, plädiert für politischen Druck: „Eine Abschaffung solcher Verhältnisse kann letztlich nur durch die Regierungen vor Ort erfolgen. Sie müssen für die Einhaltung der Gesetze sorgen. Vielleicht wäre Druck aus Europa hilfreich, zum Beispiel über die Androhung von Strafzöllen.”
Weiterhin werden in der Reportage die katastrophalen Lebensbedingungen von Pelztieren in chinesischen Farmen dargestellt, deren Fell überwiegend als Besatz für Kapuzen von Winterjacken verwendet wird.
Die Sendung befasst sich weiterhin mit Schadstoffen im Gerbprozess, der Bildung von Chrom VI und dem Einsatz von Dimethylfumarat. Zum Thema befragt werden unter anderem Lederanbieter auf der ILM in Offenbach und der Lineapelle in Bologna sowie Verbraucher beim Schuhkauf.
Unterdessen wird in der Branche auch Kritik an der Art der Berichterstattung des ZDF geäußert. So sollen Interviewpartner nicht über das konkrete Thema des Films informiert worden sein. Auch lege der Bericht den Eindruck nahe, dass Lederproduktion in Asien grundsätzlich unter den gezeigten Bedingungen stattfinde.
Details zur Sendung und weitere Stimmen dazu aus der Branche lesen Sie in der kommenden Ausgabe schuhkurier, die am 18. Oktober erscheint.
Den Filmbeitrag finden Sie in der Mediathek des ZDF!