„Wir müssen Unsicherheit und Unplanbarkeit annehmen, mit Freude, Herz und Haltung.“ So lautete das Fazit von Dr. Daniel Terberger, Vorstandsvorsitzender der Katag, auf der diesjährigen Cheftagung, die unter dem Motto „Next Level“ stattfand. Am Anfang stand eine Frage: „Segeln wir mit Vollgas in den perfekten Sturm?“ Darauf folgte schnell die Antwort: Man wisse es noch nicht. Jedoch biete die Krise für den Handel auch Chancen.
So etwa biete sich die Möglichkeit, die Preise der Produkte endlich nach oben hin anzupassen, um ein gesundes Margenpolster anlegen zu können. Ob Krieg in der Ukraine, Rohstoffknappheit, veränderter Arbeitsmarkt oder Cyber Wars gegen große Unternehmen: Die Liste der Herausforderungen für die Textilbranche ist laut Katag-Chef lang. „Das Metaverse ist noch Zukunftsmusik, aber wir behalten es aufmerksam im Auge“, lautete das Fazit zu neuen digitalen Technologien. Als Katag werde man keine voreiligen Schritte und Investitionen tätigen. Vielmehr würden die Kunden, so die Prophezeiung Terbergers, in den kommenden Jahren kontaktloses Bezahlen als Standard ansehen. Händler seien bestens beraten, sich mit diesen Technologien auseinanderzusetzen. Auch in der Wertschöpfungskette müsse sich in den kommenden Jahren einiges ändern. Aus dem „Just in Time“ werde zukünftig ein „Just in Case“. Die Katag habe, so Terberger, im Zuge der Krise zum ersten Mal „auf die Schiene gesetzt“ und Waren auf dem Zugweg von Asien über Vorderasien nach Europa transportiert. Dies sei Teil der Strategie, die Warenbeschaffung im wahrsten Sinne des Wortes „mehrgleisig“ zu gestalten.
Den Besuch des Wirtschaftsministers Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen) in Bielefeld wertete der Katag-Chef als Bekenntnis der Politik zum textilen Mittelstand. Man wolle sich der Politik gegenüber als fairen Gesprächspartner positionieren, jedoch müsse den Verantwortlichen bewusst sein, dass die Wirtschaft nur ein begrenztes Volumen an Sonderzahlungen stemmen könne. Als Wunsch an den Wirtschaftsminister formulierte Daniel Terberger direkt, dass die Überbrückungshilfe-Anträge bis Juni 2023 rechtlich abgesichert werden müssten. Denn nur so könnten die Unternehmer ihrer gesellschaftlichen Verantwortung begegnen und diese erfüllen. Den Mittelständlern gab er auf den Weg: „Wir müssen in kleinen Schritten gehen und verzeihen können. Notfalls auch uns selbst.“