Am Anfang stand eine Frage: Wie muss ein stationäres Geschäft heute aussehen, damit es auch in 20 Jahren noch am Puls der Zeit ist? Um hierauf Antworten zu finden, nahmen die Geschäftsführer des westfälischen Traditionsunternehmens Zumnorde an mehreren Info-Reisen mit den Händler-Kollegen des GEB nach London, Tokio, Bangkok und New York teil. Von dort habe man viele Inspirationen mit nach Hause gebracht, berichtet Thomas Zumnorde. Vieles davon sei auch in der Heimatstadt umsetzbar gewesen. Und so habe man im Stammhaus im Herzen von Münster „kosmopolitische Eleganz gepaart mit interaktiven Touch-Screens, digitalen Gadgets und einem perfekten Zusammenspiel von off- und online“ realisiert.
Das Credo für den Umbau des Mutterhauses wird laut Thomas Zumnorde perfekt in einem Zitat von Gioseppe di Lampedusa wiedergegeben: „Wenn wir wollen, dass alles bleibt, wie es ist, ist es nötig, dass sich alles ändert.“ Daher habe man dieses Zitat für jeden sichtbar am großzügigen Treppenaufgang in die erste Etage verewigt: die Künstler Antonio und Emanuele Baccilieri schufen hier ein Wandbild, das den ’Wind der Veränderung‘ zeigt.
Viel Raum für die Inszenierung von Ware
Mit einem Investment in Höhe von 3,5 Mio. Euro war es den Zumnorde-Verantwortlichen wichtig, am Stammsitz ein Zeichen zu setzen. Über eine Länge von sechs Stadthäusern erstreckt sich die Verkaufsfläche des neu gestalteten Geschäfts und umfasst mehrere Ebenen. 75 qm Verkaufsfläche kamen im Zuge des Umbaus hinzu.
Im Untergeschoss befindet sich die Kinderschuhabteilung; ebenerdig wartet ein umfangreiches Angebot an Damenschuhen auf die Kundinnen; im ersten Obergeschoss ist die Herrenschuhabteilung untergebracht. Die Flächen wurden insgesamt geöffnet und damit Laufachsen von bis zu 60 ermöglicht.
In jeder Abteilung wurden verschiedene Bereiche nach den Bedürfnissen der Kunden gestaltet. Es gibt viel Raum für die Inszenierung von Ware, großzügige Sitzgelegenheiten und überall die Möglichkeit, im Verkaufsgespräch ’auf Augenhöhe‘ zu interagieren. Dafür wurden Sitzmöbel kreiert, in denen die für Zumnorde typischen ‘Böckchen‘ für das Verkaufspersonal verschwinden und bei Bedarf herausgezogen werden können.
Granit, Messing und Rendenbach-Leder
Bei den eingesetzten Materialien war den Verantwortlichen von Zumnorde wichtig, Spannung zu erzeugen und immer wieder zu überraschen. Zugleich nehme man bewusst in Kauf, dass der Lederboden ebenso wie die mit vegetabil gegerbtem Leder versehenen Regalflächen in der Herrenlounge einem natürlichen Alterungsprozess unterliegen, Patina entwickeln und sich verändern. Granit aus Italien, Messingflächen, Jab-Stoffe, Wandfließen und feinste Teppichböden machen aus jeder Abteilung eine ganz eigene Welt.
Die Verknüpfung von Tradition und Digitalisierung wurde unter anderem durch ’sprechende Screens‘ umgesetzt, die sich in verschiedenen Bereichen des Hauses finden. So können Verkaufsmitarbeiter bei Bedarf den Kunden kurze Filme präsentieren, in denen beispielsweise Santoni-Schuhe gefinisht oder Zwiegenähte Herrenschuhe gefertigt werden.
Auch außen im Schaufensterbereich befindet sich ein Screen, über den interessierte Kunden sich auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten über das Sortiment informieren können. Bei Bedarf kann über einen QR-Code mit dem Handy der Onlineshop von Zumnorde aufgerufen und ein Kauf dort finalisiert werden.
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Weitere Details zum umgebauten Store der Zukunft von Zumnorde sowie ein Interview mit Geschäftsführer Thomas Zumnorde lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier.