Peter Bangelmeier ist ein Kind der Schuhbranche. Seine Großmutter war einst Gründungsmitglied der Nordwest-Ring in Österreich. Mit 14 Jahren hatte er im elterlichen Schuhhaus an der Kasse ausgeholfen, mit 18 war er zusammen mit seiner Mutter und seinen Cousinen, der zweiten und dritten Unternehmergeneration, zur GDS gefahren. Nach Stationen bei Högl, Stuart Weitzman, Peter Kaiser und Heschung zog es den Sohn der Schuhhändlerfamilie im Jahr 2020 zurück nach Hause, nach Linz an der Donau. Er reiste in seine Heimatstadt, um das Familienschuhhaus „Maria Eiler GmbH“, abzuwickeln. Zuletzt hatten seine Cousinen das Unternehmen geführt. „Ich habe alles gekündigt, was zu kündigen war, hatte es aber teilweise mit langen Kündigungsfristen zu tun“, berichtet der Unternehmer. „Ich musste also warten und habe mir alle Strukturen in Ruhe angeschaut – und dann entschieden: Das ist doch noch nicht das Ende. Es ist ein neuer Anfang.“ Dabei hatte der Branchenfachmann auch einen ganz eigenen motivierenden Gedanken im Kopf: „Ich habe viel Erfahrung im Vertrieb gesammelt und hatte daher oft mit dem Handel zu tun. Mir kamen die Händlerinnen und Händler manchmal sehr wenig motiviert vor. Das war für mich Ansporn, es auch mal selbst zu versuchen, um zu schauen, ob ich das besser kann.“ Dass es das Unternehmen seiner Familie war, war die emotionale Komponente, die mindestens ebenso wichtig war. „Meine Mutter hat sich mit großer Leidenschaft im Unternehmen eingebracht. Das hat mich sehr geprägt.“
Bangelmeier gründete ein neues Unternehmen am alten Standort. Seit dem 1. April 2021 präsentiert „Der Eiler“ sein Sortiment auf 750 qm. Mit Marken der Mitte wie Paul Green und Gabor, aber auch mit dem gehobenen Genre wie Kennel & Schmenger und Truman’s – und als Kirsche auf der Torte Modelle von Tod’s, Hogan und Santoni. Garniert wird das Angebot von ausgesuchten Textilien, damit die Kundinnen und Kunden inspiriert werden. „Für mich war immer klar: Bei uns muss es die schönsten und aufregendsten Schuhe geben“, stellt der Händler klar. Neben dem Schuhhaus gehören auch zwei Tamaris-Stores zum Unternehmen.
Personalplanung mit KI
Sein Team, bestehend aus 40 Personen, ist Peter Bangelmeier wichtig, und dem verleiht der Händler Ausdruck: „Sie müssen Großartiges leisten, darum zahlen wir auch ein überdurchschnittliches Gehalt.“ Auch einige erfahrene Kräfte, die schon in Rente sind, helfen an Samstagen und anderen Tagen mit starker Frequenz weiterhin mit. Um das große Team flexibel einzusetzen und auch mit immer wieder vorkommenden Krankmeldungen umzugehen, arbeitet Bangelmeier mit einem digitalen Tool für den Personaleinsatz. „Die Idee dazu entstand aus einem Treffen mit mehreren ANWR-Mitgliedern“, berichtet der Unternehmer. „Der Gedanke war, Dinge auch mal anders anzugehen.“ Die Lösung, mit der das Team bei Der Eiler arbeitet, ist KI-basiert; Telefonate oder Mails entfallen und das Team organisiert sich weitgehend selbst. „Es hat mich sehr erleichtert, dass das so gut funktioniert“, sagt Bangelmeier. Für die ANWR Garant Austria, der Bangelmeier mit seinem Unternehmen angehört, ist es ein zentrales Thema, die angeschlossenen Händlerinnen und Händler vollumfänglich – 360° – zu beraten, gerade auch im Hinblick auf technische Tools, die Prozesse vereinfachen. „Wir organisieren regelmäßig Workshops, in denen zusammen mit dem Handel verschiedene Themen entwickelt werden. Was bei einem Händler funktioniert, kann auch anderen zur Verfügung gestellt werden. Uns geht es darum, den Handel für die Zukunft fit zu machen“, sagt Andreas Mayer, Geschäftsführer der Verbundgruppe. Gerade diese „gut organisierten, kleinen Teams“ in den Workshops sind aus Sicht von Peter Bangelmeier sinnvoll, um schnell voranzukommen.
Eine Lanze für den stationären Handel
Bangelmeier sagt von sich, er sei ein Verfechter des stationären Handels. „Beratung und Services und schöne Produkte, das ist doch die beste Erfahrung, die ein Kunde machen kann.“ Dafür aber müsse man die Kundinnen und Kunden kennen. Man müsse permanent am Sortiment arbeiten und bereit sein, maximalen Service zu bieten. Das sieht auch Andreas Mayer als den einzig richtigen Weg an – auch für die anderen Mitglieder der Verbundgruppe: Das seien vorrangig kleine, inhabergeführte Strukturen, „und sie punkten vor allem mit Service. Das ist anstrengend, es kostet Kraft, aber wenn die Kundinnen und Kunden zufrieden sind, ist das die beste Werbung, denn das wird weitererzählt.“ Das gelte auch, wenn es Reklamationen gebe. „Die Art, wie diese abgewickelt werden, ob es Verständnis vom Personal und das Signal ’Wir kümmern uns‘ gibt, das ist entscheidend, um Kunden langfristig zu binden.“ Preisaktionen erteilt Peter Bangelmeier eine klare Absage: „Damit machen wir uns kaputt“. Darum gibt es in seinem Schuhhaus keine Rabatte, aber schöne Give-Aways wie eigens gebrandete Marmelade zum Schuh dazu. Dem stimmt auch Andreas Mayer unumwunden zu: „Ich rate unseren Händlern bis zu einer gewissen Größe, genau abzuwägen, ob das Betreiben eines eigenen Onlineshops in ihr Geschäftsmodell passt und langfristig rentabel zu betreiben ist. Die ANWR bietet hier kostengünstigere und individuelle Lösungen. Lieber sollten sie mit einem individuellen Angebot und Services ihre Zielgruppe ansprechen.“ Bangelmeier hat Erfolg mit seinem Konzept. Gerade hat er ein weiteres Geschäft eröffnet: ein Store mit 90 qm Fläche und einem Unisex-Angebot, das nicht in Damen- und Herrenabteilung separiert ist. Das Ambiente ist, untypisch für ein Schuhhaus, sehr puristisch und clean gehalten, mit Alu, Beton und weißen Wänden. Mit diesem Konzept will Bangelmeier auch jüngere Kundinnen und Kunden ansprechen.