Noch vor wenigen Jahren war das Barfußschuh-Segment eine kleine Nische mit Wohlfühl-Charakter. Es gab eine gute Handvoll Marken und eine überschaubare Zahl an Händlern. Sie alle bedienten eine Community, für die Schuhe mit breiter Zehenbox und Nullboden nicht nur Fußbekleidung, sondern Ausdruck einer Lebenseinstellung waren.
Zwischenzeitlich hat sich der Markt erheblich verändert. Neue Barfußschuhanbieter entstanden fast im Monatsrhythmus, spezialisierte Händler expandierten, klassische Schuhhändler nahmen das Segment in ihre Sortimente auf und selbst große Schuh- und Lifestylemarken entdeckten den Trend zur natürlichen Leistenform für sich. Mit der Barefoot European Shoe Fair hat das Segment heute eine eigene Messe mit internationalem Anspruch. Die Pioniere der Branche beobachten diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Ein Ende des Booms scheint noch nicht in Sicht. Wohl aber gibt es einen stärkeren Wettbewerb. Und auch die Konsumzurückhaltung wirkt sich auf die Branche aus. „Die steile Wachstumskurve bei uns ist vorbei“, fasst Stefanie Steinert, die 2015 den Onlinehändler Freizehn gründete, die Lage zusammen. Die Unternehmerin gehört zu den frühen Barfußschuhhändlern und beobachtet die Entwicklung seit vielen Jahren. Von einer Krise will sie zwar nicht sprechen, wohl aber von einer neuen Realität: „Das hat natürlich auch mit der allgemeinen wirtschaftlichen Situation zu tun. Die Wirtschaft keucht, und das schlägt sich bei uns ebenfalls nieder.“