Zwischen Luxus und Leerstand
Unterwegs im Großraum Rhein-Neckar
- 21.11.2025
- Lisa Dartmann
- 1 Minute
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Unterwegs im Großraum Rhein-Neckar
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Headerfoto: Altstadtpanorama Heidelberg (Foto: Tobias Schwerdt)
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Der erste Eindruck ist nicht gerade positiv. Der Himmel ist grau in grau und es nieselt immer wieder. Das Parkhaus in der Walzmühle ist verwaist. In dem leerstehenden Einkaufszentrum funktionieren die Aufzüge nicht. Ludwigshafen ist keine schöne Stadt und hoch verschuldet. Ihr Charme erwacht erst, wenn man sie und die Menschen, die sich hier für den Einzelhandel engagieren, näher kennenlernt.
Rhein-Galerie in Ludwigshafen (Foto: Redaktion)
Erster Lichtblick ist die Rhein-Galerie, das neue Zentrum direkt am Rhein, mit 30.000 qm Verkaufsfläche. Das 2010 eröffnete Einkaufszentrum mit dem langen silberglänzenden Tonnendach passt architektonisch in die Hafenlandschaft. Früher wurden hier Container gestapelt. Der Weg in die Einkaufsmeile Ludwigstraße führt vorbei an den beiden großen Verkehrsinfrastrukturprojekten: Die Arbeiten für die neue Brücke an der Hochstraße Süd und die Modernisierung der Hochstraße laufen auf Hochtouren. Das ehemalige 28.000 qm große Rathaus-Center wird abgerissen. Mit dem Bau der Rhein-Galerie wurde es geschlossen. „Die Rhein-Galerie wurde in der Euphorie der 2010er-Jahre gebaut“, erzählt Yann Fürst, Citymanager Stadtmarketing Ludwigshafen. „Viele Mieter aus dem Rathaus-Center sind gleich in die Rhein-Galerie gezogen. Mir liegt Ludwigshafen am Herzen, hier gibt es auch schöne Ecken“, betont Fürst, der beim Bummel über die 1,5 km lange Ludwigstraße stolz die Vorzüge der Stadt präsentiert.
Snipes-Store in der Rhein-Galerie in Ludwigshafen (Foto: Redaktion)
Yann Fürst erklärt den Wandel seiner Heimatstadt: „Im Krieg wurde viel zerstört, das Stadtbild ist geprägt von zahlreichen Nachkriegsbauten.“ Dennoch verfüge die Stadt mit 170.000 Einwohnern dank Traditionshäusern wie dem Schuhhaus Keller, Schad Mode, Handwerk & Accessoires, Schmitt Mode für Männer oder Kürzel Moden über ein stabiles Fundament inhabergeführter Geschäfte. „Die Wettbewerbssituation ist jedoch nicht einfach“, schränkt Fürst ein. Mannheim dominiert als starke Einkaufsstadt in unmittelbarer Nähe und zieht große Teile der Kaufkraft ab. Hinzu kommen Mittelzentren wie Speyer und Frankenthal, die über gut funktionierende Innenstädte verfügen und damit ebenfalls eine Konkurrenz darstellen. Für Ludwigshafen bedeutet dies, dass die Stadt sich noch deutlicher über besondere Alleinstellungsmerkmale und ein klares Profil positionieren muss.
„Im Einzelhandel fehlt es oft an Nachfolgern“, klagt Fürst. Die Leerstandsquote ist ein großes Thema. Ziel sei es, neue Einzelhändler und Gastronomiebetriebe in die Innenstadt zu holen, Zwischennutzungen wie Pop-up-Stores zu fördern und die Flächen durch eine stärkere Mischnutzung von Wohnen, Arbeiten und Einkaufen wieder attraktiver zu machen. „Ohne die Rhein-Galerie mit ihren 120 Geschäften hätten wir noch größere Frequenzprobleme in der Innenstadt“, erklärt Yann Fürst. Vor allem Filialisten würden keine Geschäftslokale in der Innenstadt anmieten. Aber auch in der Rhein-Galerie gibt es Leerstand.
Marcus Keller-Leist, Schuhhaus Keller (Foto: Redaktion)
Das Schuhhaus Keller ist das letzte inhabergeführte Schuhhaus in Ludwigshafen. Sieben Schuhgeschäfte wurden in den zurückliegenden Jahren geschlossen. Das Schuhhaus Keller liegt am Eingang der Ludwigstraße und wird seit 2002 in dritter Generation von Marcus Keller-Leist geführt. Der geschäftsführende Gesellschafter engagiert sich bei der IHK Pfalz und ist stellvertretender Vorsitzender im Marketingverein Ludwigshafen. Die Stadt und der Einzelhandel liegen ihm am Herzen. Unter der Regie von Marcus Keller-Leist erfolgte die Spezialisierung auf hochwertige Outdoor- und Expeditionsschuhe inklusive kompetenter Beratung. Die Weichen für den Sortimentsumbau setzte Seniorchef Edmund Keller bereits Mitte der 80er-Jahre. „Das war ein mutiger Schritt, aber aufgrund unserer Kompetenz kommen die Kunden und Kundinnen aus Heidelberg, der Pfalz, Karlsruhe und Darmstadt“, sagt Marcus Keller-Leist. Das Schuhhaus bietet einen Reparaturservice und arbeitet mit einem Orthopädie-Schuhmachermeister zusammen. „Wir bieten Schuhe für Extremsportler an, die müssen passen.“
Das Schuhhaus Keller führt neben Outdoor auch rahmengenähte Herrenschuhe. (Foto: Redaktion)
Keller profitiert auch von der Spezialisierung auf Komfortschuhe für Menschen mit Fußproblemen. Sehr profitabel sei für ihn das Online-Geschäft, mit dem er sich seit 1999 befasst. Die klare Ausrichtung hilft ihm. Deshalb führt er auch keine Kinderschuhe. „Ludwigshafen ist nicht der Standort für hochwertige Kinderschuhe“, sagt Keller. 15 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind im Verkauf tätig. Und Seniorchef Edmund Keller, 95, kommt noch jeden Tag ins Geschäft. Marcus Keller-Leist ist zufrieden, aber „wir haben keine einfachen Zeiten. Die Kosten sind hoch, der Mindestlohn ist ein Thema und wir alle leiden unter Frequenzmangel.“ Das Stadtmarketing will durch mehr Grünflächen, Verkehrsberuhigung, Förderung von Einzelhandel, Kultur und Freizeit die Innenstadt als Erlebnisraum attraktiver machen, betonen Marcus Keller-Leist und Yann Fürst. Ein klarer Vorteil des Standorts Ludwigshafen sei die Vielfalt an Veranstaltungen wie der Weihnachtsmarkt, der weihnachtliche Lichterzauber oder das Rheinuferfest. „Hier leben alle miteinander und setzen sich für Ludwigshafen ein“, so das Fazit von Marcus Keller-Leist.
Schloss Mannheim (Foto: Stadtmarketing Mannheim GmbH, Fotograf: Achim Mende)
Von Ludwigshafen nach Mannheim sind es nur wenige Minuten über die Rheinbrücke. Schon tut sich eine neue Welt auf. Das Oberzentrum Mannheim mit rund 329.000 Einwohnern hat den Beinamen „Quadratestadt“. Die Innenstadt mit ihrer Schachbrettstruktur ist in Häuserblocks statt in Straßenzügen angelegt. Deshalb kann man sich in den 144 Quadraten auch nicht verlaufen – in Mannheim gibt es statt der üblichen Straßennamen nur Buchstaben und Zahlen. Laut Stadtmarketing verfügt die Mannheimer Innenstadt über fünf Kilometer Schaufensterfront und eine Verkaufsfläche von 220.000 qm mit 2.000 Einzelhandelsgeschäften. Mannheims Wahrzeichen ist der Wasserturm am Friedrichsplatz. Zunächst geht es ins Quartier Q6 Q7, einem modernen Einkaufszentrum am Anfang der Fressgasse, die parallel zu den Planken verläuft. Auf der 800 Meter langen 1-A-Meile Planken flaniert es sich wie auf einem breiten Boulevard, wenn da nicht die Straßenbahn wäre. Vorbei an Tommy Hilfiger, Gabor und Snipes führt der Weg direkt zu den repräsentativen Geschäftshäusern im Herzstück der Planken. Trotz des schlechten Wetters herrscht in den Läden reger Betrieb.
Großzügige Schaufensterfront: Dielmann (Foto: Redaktion)
Im Schuhgeschäft Dielmann direkt gegenüber von Engelhorn an der Haltestelle Strohmarkt ist das ganze Verkaufsteam im Einsatz. Dabei war gestern erst verkaufsoffener Sonntag und auch am Samstag sei bereits viel zu tun gewesen, erzählt eine Verkäuferin. Den Kundinnen scheint das Angebot zu gefallen, denn sie probieren eifrig die neuen Styles an. Das Sortiment ist liebevoll mit Schuhen und mit einem kleinen farblich passenden Angebot aus Mützen, Schals und Strick gestaltet. Die vielen hellen Farbtöne mit Plüsch- und Felltaschen sowie Grüntöne machen Lust auf den Winter.
Raphael Pellegrini, Pellegrini, Mannheim (Foto: Pellegrini)
Das Schuhhaus Pellegrini ist seit 2002 in Mannheim am Standort Q5 1. „Seit Corona hat sich in der Stadt einiges verändert, viele Schuhläden mussten schließen und individuelle Geschäfte gibt es kaum noch“, erzählt Inhaber Raphael Pellegrini. Früher sei Mannheim die Schuhstadt gewesen. „Mit unserer exklusiven italienischen Schuhmode heben wir uns ab, aber das Geschäft ist mühseliger geworden“, so Pellegrini. Das Niveau der Planken sei gesunken. „Viele Menschen fühlen sich hier nicht mehr wohl“, sagt Pellegrini, der das Schuhhaus sowie ein weiteres Geschäft in Weinheim zusammen mit seinem Vater Bruno Pellegrini betreibt.
Kein Weg führt an Engelhorn im Planquadrat O 4/5 vorbei. Mit über 40.000 qm Fläche ist das Haus seit 135 Jahren fest in der Stadt verankert und spielt eine zentrale Rolle. Das Jubiläum zieht sich wie ein roter Faden durch die einzelnen Häuser und Etagen. „Unsere Kundschaft kommt aus Frankfurt, Karlsruhe, Heidelberg, Speyer, der Pfalz und Nordbaden“, erklärt André Montag, Head of Marketing & E-Com. Engelhorn setzt auf das Einkaufserlebnis, um die Innenstadt stärken und neue Zielgruppen anzusprechen, so Montag. Jedoch sei Mannheim noch im Aufholprozess. „Baustellen und Verkehrsversuche haben die Anfahrt in den letzten Jahren zeitweise erschwert.“ Er sieht Verbesserungsbedarf. Entscheidend seien Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit und Sauberkeit. Themen wie Verkehrsanbindung, Parken und Sicherheit müssten verbessert werden. „Wir sehen das Jubiläum auch als Chance, diese Themen aktiv zu kommunizieren und die Innenstadt gemeinsam mit der Stadt weiterzuentwickeln.“
Engelhorn baut das hochwertige Schuhangebot weiter aus. (Foto: Engelhorn)
Wie in vielen anderen Städten gibt es massive Veränderungen im Markt. In Mannheim haben in den letzten Jahren viele Schuhgeschäfte geschlossen. Auch auf den Planken sei das Angebot ausgedünnt, schildern einige Gesprächspartner. Das ehemalige Görtz-Geschäftshaus steht leer. Nur noch der Namenszug erinnert an die große Ära des Hamburger Filialisten. Wesentlich kleiner ist die Görtz Lifestyle-Filiale, die vor etwa einem Jahr auf den Planken P 6 eröffnet wurde. Weiter unten in der Einkaufsstraße findet man die üblichen Verdächtigen: P&C, Deichmann, Galeria Kaufhof, H&M und C&A, als Schlusspunkt der 1-A-Lage. Die Fressgass scheint etwas heruntergekommen zu sein, erst ab Q 6 wird das Angebot wieder hochwertiger. Auf dem Marktplatz im Quadrat G 1 wird es bunter und internationaler, aber auch hier gibt es viel Leerstand.
Das Schuhhaus Theurer liegt zentral zwischen Mannheim und Heidelberg. (Foto: Redaktion)
Auf dem Weg nach Heidelberg gibt es einen Zwischenstopp in Seckenheim, einem Stadtteil am Rande von Mannheim. Seit genau 100 Jahren befindet sich hier das Schuhhaus Theurer. Regina Abach führt das 170 qm große Haus seit 2001 zusammen mit ihrem Ehemann Oliver in vierter Generation. In Lampertheim betreibt sie eine weitere Filiale. Außer Theurer gibt es hier kein Schuhhaus. „Unsere Kunden und Kundinnen kommen aus Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Heidelberg und der Pfalz. Es gibt kaum noch Kinderschuhfachgeschäfte. Auch im Komfortbereich haben wir eine Vorreiterrolle in der Region“, betont Regina Abach. Viele Kunden und Kundinnen kommen gezielt zu ihr ins Geschäft. Hier können sie kostenlos vor der Türe parken. Der Ortsteil liegt zentral zwischen Mannheim und Heidelberg.
Heidelberg Hauptstraße (Foto: Redaktion
Heidelberg ist zauberhaft. Die schöne Stadt am Neckar inspirierte bereits die Dichter und Maler der Romantik. Sie fasziniert auch heute die Besucher und Besucherinnen aus aller Welt. Die 160.000 Einwohner große Stadt hat aber mehr als nur Romantik zu bieten. Die autofreie 1-A-Lage Hauptstraße und die vielen kleinen malerischen Gassen bieten vielfältige Einkaufsmöglichkeiten. Das besondere Flair ist selbst an diesem eher trüben Oktobertag spürbar. Gegen Mittag füllt sich die Hauptstraße. Das Wintersemester hat begonnen. Die Studierenden sind zurückgekehrt. Außerdem sind heute zahlreiche Touristen unterwegs. „Heidelberg lebt aber auch von seiner kaufkräftigen Bürgerschaft und ist zudem Oberzentrum mit Versorgungsfunktion für das Umland“, so Nikolina Visevic, Geschäftsstellenleitung Citymarketingvereins Pro Heidelberg e. V. Die Einheimischen seien das tägliche Geschäft und unverzichtbar für die langfristige Stabilität des Einzelhandels. „Trotz der internationalen Strahlkraft muss auch Heidelberg aktiv Werbung machen, um als Shopping- und Erlebnisstadt sichtbar zu bleiben.“
Der Leguano-Barfußstore in Heidelberg (Foto: Redaktion)
2022 habe die Stadt Heidelberg ein Einzelhandelskonzept beschlossen, das die Vielfalt und Kleinteiligkeit erhalten soll. Das Programm „Mittendrinnenstadt“ bündelt Maßnahmen wie Zwischenvermietung leerer Ladenlokale, Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Sanierung öffentlicher Räume, ergänzt Nikolina Visevic.
Aber nicht alles ist hier hübsch und die Frequenz kommt auch nicht von allein. „Heidelberg hat mit Mannheim und den Einkaufszentren außerhalb der Stadt starke Mitbewerber in der Region. Auch Karlsruhe hat als Konkurrent eine starke Position. Und es gibt vereinzelt Leerstände“, erklärt Nikolina Visevic weiter. Ein Schandfleck ist das verwaiste Geschäftshaus am Bismarckplatz, in dem sich bis Anfang 2024 eine Galeria-Filiale befand.
Auch das Geschäftshaus von Gero Mure in der Hauptstraße steht seit Ende Juli 2024 leer. Die 1,6 km lange Hauptstraße ist die Haupteinkaufsstraße. Sie verläuft parallel zum Neckar vom Bismarckplatz zum Karlstor. Von hier aus verlaufen zahlreiche Seitengassen mit kleinen individuellen bunten Läden und ausgefallener Gastronomie. Laut Stadtmarketing gibt es in der Hauptstraße rund 230 Geschäfte. Davon seien etwa 95 inhabergeführte Läden. Vor allem in den Seitenstraßen gebe es viele individuelle Konzepte.
Typisch für Heidelberg sind die bunten Krimskrams-Läden. (Foto: Redaktion)
Das Bekleidungshaus Bofinger gegenüber vom Bismarckplatz ist eine der Topadressen. Entlang der Hauptstraße finden sich die üblichen Filialisten: H&M, Calzedonia, Deichmann, New Yorker etc. Erst im weiteren Verlauf wird es individueller mit Marc O’Polo, Birkenstock, Olymp, Gabor, Ecco, Brax, Footlocker, Mango, Betty Barclay, Max & Co., Falconeri, Jack Wolfskin und einem Levi’s Store. Salamander by Hollenbach in der Hauptstraße 73 bietet ein umfangreiches Sortiment für die ganze Familie. Das großzügig gestaltete Geschäftslokal wurde vor zwei Jahren neu eröffnet. In Richtung Altstadt findet man fast nur noch individuelle kleine Stores: Taschenläden, ein Antiquariat, kleine Modeboutiquen, ein Geschäft nur mit Gummibärchen und nette kleine Cafés.
Michael Schweyher, Freudenhaus, Heidelberg (Foto: Redaktion)
Nur wenige Meter parallel zur Hauptstraße und zur Friedrich-Ebert-Anlage verläuft die Plöck: In den Erdgeschossen der dicht gereihten Häuser finden sich kleine Fachgeschäfte, in denen man oft vom Geschäftsinhaber selbst beraten wird. Wie Michael Schweyher, Inhaber von Freudenhaus, der das 1995 gegründete Geschäft seit 2002 führt. „Die Plöck ist das Herz von Heidelberg“, sagt er stolz. Das 100 qm große Geschäft ist ein typischer Jeansstore, in dem Jeans der Marken Nudie, Armedangels, King of Indigo oder Cross in allen Größen bis unter die Decke in den Regalen liegen. Daneben gibt es Shirts, Hoodies, Rucksäcke, Socken. Das Angebot wird ergänzt um Sneaker der Marken Flamingos Life, Genesis, Clae, Toms und Ten Points. Michael Schweyher hat sich bereits vor 15 Jahren auf nachhaltige und zeitlose Mode und Marken spezialisiert, ohne die „Biorichtung“ an die große Glocke zu hängen. Seine Stammkunden wissen, dass sie hier faire Mode finden. „Heidelberg ist dafür ein super Standort, das ganze Jahr über kommen Touristen und durch die vielen Studenten ist die Stadt lebendig und jung“, freut sich Schweyher stellvertretend für viele andere kleine Händler. Schließlich sei Heidelberg die jüngste Stadt in Deutschland. Überhaupt sei die Plöck mit ihren Krimskrams-Läden zum Stöbern das echte Heidelberg.
Foto: Gusti Leder
Am Ende der Hauptstraße, fast schon in der Altstadt, befindet sich Gusti Leder. Christina Feier ist Filialleiterin in dem kleinen 70-qm-Laden. Das handwerkliche Flair sei für die zahlreichen Touristen ein Magnet. Es riecht nach Leder und hinten im Geschäft werden kleine Reparaturarbeiten ausgeführt. „Wir sind Täschner“, erklärt die Filialleiterin. „Wir fertigen Schuhe, Taschen und Geldbeutel und neuerdings auch Lederjacken. Die Kunden und Kundinnen mögen vor allem die Artikel aus Büffelleder und die moderaten Preislagen.“ Überhaupt gibt es in Heidelberg sehr viele Taschen- und Reisegepäckläden.
Kaiserstraße in Karlsruhe (Foto: Redaktion)
Am Schluss gibt es noch einen kleinen Abstecher ins nordbadische Karlsruhe. Die ca. 65 km entfernt gelegene wohlhabende Stadt mit Schwerpunkt auf Technologie und Verwaltung zählt sich nicht mehr zum Rhein-Neckar-Raum. Die ca. 310.000 Einwohner zählende Stadt hat seit Dezember 2021 einen 2,4 km langen Stadtbahntunnel, der unter der 1-A-Meile Kaiserstraße mit einer Abzweigung zum Bahnhof führt. Laut Medienberichten dauerten die Bauarbeiten für das 1,5-Milliarden-Großprojekt 12 Jahre. Doch wie hat der neue Stadtbahntunnel das Einkaufsverhalten verändert? Im Prinzip läuft es hier gut mit hoher Frequenz. Es gibt einige Schuhläden wie Salamander, Deichmann, Footlocker, Snipes und Linea Italiana.
Elegante italienische Schuhmode gibt es bei Linea Italiana in Karlsruhe. (Foto: Redaktion)
Leider wurde in der Kaiserstraße die alte Pflasterung mit den Straßenbahngleisen noch nicht entfernt. Dadurch mangelt es unter anderem an schönen Straßencafés. Die konzentrieren sich allerdings am Ludwigsplatz. Der Marktplatz wurde hingegen sehr schön neu gestaltet. Dort fand an dem Wochenende Anfang Oktober auch ein gut besuchtes Stadtfest statt. Die beiden Städte Mannheim und Karlsruhe sind sich sehr ähnlich von der Planung. Der Unterschied: In Mannheim fährt die Straßenbahn durch die Planken. Beim Stadtbummel müssen Besucher ständig auf der Hut sein, um nicht überfahren zu werden. Das war in Karlsruhe entspannter. Es ist enttäuschend, dass – bis auf den Marktplatz – bisher so wenig daraus gemacht wurde.