Premiata ist vor rund 30 Jahren aus der traditionsreichen Schuhmanufaktur der Familie hervorgegangen, die Ur-Ur-Großvater Graziano Mazza 1885 in Montegranaro in der mittelitalienischen Region Marken gegründet hatte.
In seiner kleinen Atelierwerkstatt begann Mazza, Schuhe in klassischer Handarbeit zu produzieren. Die hohe Qualität zog schnell eine große Kundschaft an. Obwohl aus der Werkstatt bald ein produzierendes Unternehmen wurde, blieb die Kunst der Schuhmacherei ein wichtiges Prinzip, das bis heute anhält. In den 50er- und 60er-Jahren leitete Vincenzo Mazza, Enkel des Gründers Graziano, das Unternehmen und lancierte unter anderem die Marke „Endless“, die aber bald wieder eingestellt wurde. Ansonsten blieb das Familienunternehmen bei seinen Leisten.
Heute liegt die Marke in den Händen der vierten und fünften Generation und wird wieder von einem Graziano Mazza geführt, dem Urenkel des Unternehmensgründers, der bereits Anfang der 80er-Jahre in den Familienbetrieb einstieg. Graziano Mazza war es auch, der das Familienunternehmen 1991 in Premiata umbenannte, modernisierte und für verschiedene Designkonzepte öffnete. Zusammen mit seinem Sohn Vincenzo, der als Absolvent der Mailänder Modeschule Marangoni seit kurzem für die Entwürfe verantwortlich zeichnet, und Tochter Carlotta, die das Marketing leitet, will er das Label nun zur 360-Grad-Marke ausbauen.
Unter Graziano Mazzas Regie und inspiriert von Strömungen wie den Antwerpen Six launchte die Marke 1996 auch ihre ersten Sneaker, für die sie heute vor allem im deutschsprachigen Raum bekannt ist. Dabei gehören luxuriöse Brogues, Oxfords und Stiefel weiterhin zum Sortiment.
Das Sneakergeschäft hat enorm geholfen, den Weg auf dem deutschen Markt zu ebnen – auch wenn ein Paar der Modelle mit ihren kastigen Silhouetten, Colour-Blocking-Effekten und mystischen Schriftzeichen schon mal 350 Euro und mehr kosten kann. Die Mazzas können in dem Bereich vor allem ihr enormes Trendgespür entfalten. Die Ugly Sneaker wie das Sharky-Modell und die begleitende Kampagne sorgten 2019 für reißenden Absatz.
Die Berliner Fashionszene hat Premiata ebenfalls mit offenen Armen aufgenommen. Dafür haben auch verschiedene Kooperationen mit Influencern und Künstlern wie dem Rapper VVarholla und deren entsprechenden Communities gesorgt. Seit Sommer 2020 betreibt die Marke einen Store in der Mall Bikini Berlin – die bis dato einzige Dependance in Deutschland. Zu den Wholesale-Partnern auf dem deutschen Markt gehören namhafte Schuhhändler und Concept Stores, Zumnorde ebenso wie Horstmann+Sander in Hannover und Lueke in Freiburg.
Im Januar hat Premiata auf der Pitti Uomo in Florenz die erste Apparel-Kollektion der Marke vorgestellt. Die Unisex-Styles stammen vollständig aus der Feder von Vincenzo Mazza – der fünften Mazza-Generation. Zuvor hatte er bereits einige Rucksäcke für das Label entworfen. Premiata soll so zur 360-Grad-Marke weiterentwickelt werden.
„Ich dachte an den Kleiderschrank einer Person, die eine multifunktionale Kleidung braucht, welche den ganzen Tag über funktioniert“, erklärt Vincenzo Mazza sein Konzept. Die Apparel-Linie umfasst wasserabweisende Parkas, Feldjacken und schwere Wintermäntel. Bei den Materialien kommen Nylon, Polyamid und Bio-Baumwolle zum Einsatz. Produziert wird ausschließlich in Italien mit dem Manufakturpartner La Rocca.
2022 wollen die Mazzas mit einem großen Buzz abschließen: Auf der Milan Fashion Week startet eine Tiktok-Kampagne mit dem Münchener Influencer Gunnar Hämmerle und seiner Plattform Styleclicker, die Premiata neben Hannover auch wieder nach Berlin führen wird. „Wir sind sehr glücklich und zufrieden mit den Ergebnissen auf dem deutschen Markt, wo wir ein zweistelliges Wachstum erzielt haben, das dem Gesamtwachstum von Premiata in allen Schlüsselmärkten für dieses Jahr entspricht und dieses widerspiegelt“, ließen die Mazzas im Vorfeld der Mailänder Modewoche wissen. Auf Marketing-Ebene möchte man gerade in Deutschland bereits bestehende Beziehungen zu Influencern wie beispielsweise Gitta Banko ausbauen und so auch in Sachen digitaler Awareness expandieren und neue Plattformen erschließen. Geplant sind auch Guerilla-Marketing-Aktivitäten rund um die einzelnen Boutique-Standorte. Im Fokus steht somit die Balance zwischen Tiktok und Tradition.