Zwischen Wertschätzung und Budgetkürzung
So entwickeln sich Sicherheitsschuhe
- 10.06.2026
- Christopher Mastalerz
- 1 Minute
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So entwickeln sich Sicherheitsschuhe
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Headerfoto: Foto: Haix
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Sicherheitsschuhe waren zuletzt eines der Wachstumsthemen in der Schuhbranche. 2024 wurden in Deutschland 9,6 Mio. Paar Sicherheitsschuhe verkauft – 1,3 % mehr als im Vorjahr. In Deutschland hergestellt wurden 2024 6,9 Mio. Paar Sicherheitsschuhe. Diese Zahlen gab HDS/L-Hauptgeschäftsführer Torben Schütz im November 2025 auf der Messe A+A in Düsseldorf bekannt. Gleichzeitig wurde dort die Frage aufgeworfen, wie sich die gesamtwirtschaftliche Konjunkturschwäche auf das Wachstum im Segment auswirken wird. Wenn Unternehmen in der verarbeitenden Industrie und im Bau schließen oder Mitarbeitende entlassen, würde damit schließlich auch die Nachfrage nach Sicherheitsschuhen sinken.
Foto: Haix
Wie sehen die Hersteller die aktuelle Situation? „Natürlich beobachten auch wir die wirtschaftliche Entwicklung sehr genau. Gerade in einzelnen Industriebereichen wie der Automobilindustrie merken wir, dass Investitionen zurückhaltender getroffen werden und Entscheidungsprozesse länger dauern“, sagt Atlas-CEO Hendrik Schabsky. Jedoch seien Sicherheitsschuhe kein Thema, bei dem die Industrie sparen will, kann oder auch nur darf: „Arbeitsschutz bleibt verpflichtend, unabhängig von der wirtschaftlichen Lage. Deshalb profitieren wir davon, breit aufgestellt zu sein und Kunden aus sehr unterschiedlichen Branchen zu betreuen.“ Das entspricht dem allgemeinen Tenor in der Industrie. Haix-Unternehmenssprecher Manuel Köppl sagt über die Marktsituation: „Wir beobachten die globale politische und wirtschaftliche Entwicklung sehr genau und sehen natürlich auch die Auswirkungen der konjunkturellen Zurückhaltung auf die deutsche Wirtschaft. Insbesondere im privaten Wohnungsbau sowie bei öffentlichen Investitionen sind die Rahmenbedingungen derzeit anspruchsvoll. Das bleibt auch für das Workwear-Segment nicht ohne Folgen.“ Speziell für Haix spricht Köppl von einer differenzierten Situation und einem eher verlangsamten Wachstum als einem tatsächlichen Rückgang. Haix profitiere von der breiten Aufstellung von klassischer Workwear über Einsatzkräfte- und Militärausrüstung bis zur Forstwirtschaft. Dadurch könne das Unternehmen konjunkturelle Schwankungen einzelner Branchen besser abfedern. Auf der kürzlich veranstalteten Messe Interschutz (1. bis 6. Juni 2026) in Stuttgart stellte Haix zum Beispiel eine neue Generation an Feuerwehrstiefeln vor.
„Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ist für uns durchaus spürbar. Viele unserer Kunden stehen unter einem hohen Kostendruck, der sich entlang der gesamten Lieferkette fortsetzt.“
Hendrik van Elten|Elten
„Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ist für uns durchaus spürbar. Viele unserer Kunden stehen unter einem hohen Kostendruck, der sich entlang der gesamten Lieferkette fortsetzt. Gleichzeitig verändern sich Branchenstrukturen und der Arbeitsmarkt, sodass perspektivisch auch die Anzahl der Sicherheitsschuhträger im Kernmarkt eher sinken wird“, sagt Hendrik van Elten. Er ist Teil der fünften Generation der Unternehmerfamilie und wird im Sommer 2027 die Geschäftsführung von Elten übernehmen. Für ihn ist es in der aktuellen Marktlage umso wichtiger, innovativ zu bleiben und herauszustechen: „Das motiviert uns aber auch dazu, noch stärker neue Wege zu gehen, bei denen wir mit unseren Produkten und Services echten Mehrwert leisten können. Am Ende ist es unsere Aufgabe, Marktentwicklungen zu antizipieren, unsere Prozesse zu optimieren und Lösungen anzubieten, die unseren Kunden helfen, ihre eigenen Herausforderungen besser zu bewältigen.“
Foto: U-Power
Auch Julia Sturm, Sales Director DACH bei U-Power, bewertet die Branche als Verdrängungsmarkt: „Der PSA-Markt ist grundsätzlich durch einen hohen Reifegrad geprägt, sodass Wachstum primär durch Verdrängung entsteht. Die aktuell verhaltene Stimmung spiegelt sich im operativen Geschäft wider: Handelspartner rücken Lagerumschlag, Kapitalbindung und eine effiziente Sortimentssteuerung in den Fokus, begleitet von längeren Entscheidungsprozessen.“ Trotzdem konnte U-Power 2026 zu den Vorjahresmonaten bislang wachsen. 2025 setzte das Unternehmen über 300 Mio. Euro um und verkaufte rund 6 Mio. Paar Schuhe. Der Hersteller Baak bewegt sich aktuell im Rahmen der „vorsichtig optimistischen“ Erwartungen, sagt Geschäftsführer Christian Grusa: „Einzelne Segmente zeigen dabei eine dynamischere Entwicklung als andere. Das bestätigt unsere strategische Ausrichtung.“
„Der PSA-Markt ist grundsätzlich durch einen hohen Reifegrad geprägt, sodass Wachstum primär durch Verdrängung entsteht.“
Julia Sturm |U-Power
Vater Ingo Grusa, der mit Christian Grusa die Baak-Geschäftsführung bildet, erläutert, welche Marktsegmente sich aktuell positiv entwickeln: „Wachstum sehen wir insbesondere in Bereichen mit hoher körperlicher Beanspruchung sowie in Branchen und Unternehmen mit zunehmendem Gesundheitsbewusstsein. Rückläufig entwickeln sich aktuell stärker konjunkturabhängige Industrien, wie z. B. die Automobilindustrie bzw. Automotive. Insgesamt beobachten wir eine Verschiebung hin zu qualitativ hochwertigeren und nachhaltigeren Lösungen.“ Ähnlich bewerten die Verantwortlichen von Steitz Secura die Entwicklungen in den Branchen: „Besonders betroffen von der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung sind Branchen wie die Automobilindustrie. Gleichzeitig sehen wir Wachstum in Bereichen wie der Lebensmittelindustrie sowie im pharmazeutischen Umfeld, wo der Bedarf an hochwertiger persönlicher Schutzausrüstung weiterhin steigt.“
„Wachstum sehen wir insbesondere in Bereichen mit hoher körperlicher Beanspruchung sowie in Branchen und Unternehmen mit zunehmendem Gesundheitsbewusstsein.“
Ingo Grusa|Baak
Hendrik Schabsky (Atlas) bestätigt, dass sich die Nachfrage und damit auch die Anforderung an die Schuhe verschiebt: „Wachstum sehen wir vor allem dort, wo trotz konjunktureller Unsicherheit weiter Personal gebraucht wird und Arbeitsschutz im Alltag eine große Rolle spielt: in der Logistik, im Handwerk, in der Lebensmittelproduktion, im Gesundheits- und Pflegeumfeld sowie bei technischen Dienstleistern. In diesen Bereichen sind viele Mitarbeitende den ganzen Tag auf den Beinen – entsprechend stark die Nachfrage nach leichten, komfortablen und ergonomisch durchdachten Sicherheitsschuhen.“ Im produzierenden Gewerbe und in der Industrie seien hingegen viele Arbeitsplätze weggefallen, besonders in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Hendrik van Elten betont: „Wir richten unseren Fokus verstärkt auf Bereiche wie den technischen Dienst oder spezielle Industrien, in denen unsere Produkte einen klaren Mehrwert bieten können. Insgesamt geht die Entwicklung dahin, dass wir uns breiter aufstellen und stärker diversifizieren müssen, um unabhängig von einzelnen Branchen zu bleiben.“ Manuel Köppl (Haix) sieht vor allem preissensitive Bereiche wie Safety-Indoor- oder Safety-Outdoor-Anwendungen unter Druck: „Gleichzeitig sehen wir, dass in hochspezialisierten Segmenten mit hohen Anforderungen an Schutz, Funktionalität und Qualität weiterhin investiert wird.“
Baak sieht Wachstumspotenzial im steigenden Gesundheits- bewusstsein und bedient diese Nachfrage unter anderem mit dem Barfußschuh-Modell Phoenix. (Foto: Baak)
Doch wie preissensitiv ist der Markt insgesamt, in dem alle Schuhe gewisse gesetzliche Anforderungen erfüllen müssen? „Die Preissensibilität hat in vielen Märkten zugenommen. Besonders sichtbar wird dies in stark standardisierten Produktsegmenten“, sagt Köppl. Gleichzeitig seien Kunden bei Produkten mit hoher Schutzfunktion und klar erkennbarem Mehrwert weiterhin bereit, in Qualität zu investieren. Gerade in professionellen Einsatzbereichen stünden Sicherheit, Komfort und Langlebigkeit häufig stärker im Fokus als der reine Anschaffungspreis: „Insgesamt bestätigt sich für uns daher die Beobachtung, dass vor allem das untere und mittlere Preissegment stärker unter Druck gerät, während hochwertige und spezialisierte Lösungen vergleichsweise stabil bleiben.“
Julia Sturm (U-Power) betont, wie uneinheitlich der Markt ist: „Die Preisbereitschaft im PSAMarkt ist heterogen und abhängig vom jeweiligen Kundensegment bzw. Unternehmen. U-Power bietet im Schuhbereich ein breit aufgestelltes Portfolio von über 400 Modellen und kann damit vom soliden Mittel- bis zum absoluten Premiumsegment verschiedenste Anforderungen passgenau beantworten.“ Trotz Kostendruck würden viele Unternehmen bewusst in hochwertige Lösungen investieren: „Sie erkennen die positiven Effekte durch höhere Mitarbeiterakzeptanz, längere Lebensdauer und die direkte Auswirkung auf Produktivität und Mitarbeiterbindung.“ Auch Hendrik Schabsky (Atlas) argumentiert, dass ein teurerer Schuh für die Unternehmen insgesamt günstiger sein kann: „Unternehmen rechnen heute stärker in Gesamtkosten als nur im Einkaufspreis. Wenn ein Schuh länger hält, Beschwerden reduziert und von den Mitarbeitenden akzeptiert wird, relativiert sich ein höherer Preis schnell.“ Bei Elten zeigt sich, dass Produkte besonders dann gefragt sind, wenn sie dazu beitragen, Kosten langfristig zu reduzieren. Etwa durch Langlebigkeit, hohen Tragekomfort oder geringere Ausfallzeiten der Mitarbeitenden. Gleichzeitig spricht Hendrik van Elten davon, dass der Markt aktuell stark von Kostendruck geprägt ist: „Viele Unternehmen sind gezwungen, ihre Ausgaben genau zu hinterfragen und Einsparpotenziale zu identifizieren. Darauf müssen wir reagieren. Für uns bedeutet das, unsere Prozesse konsequent weiterzuoptimieren und Lösungen anzubieten, die nicht nur im Einkauf, sondern über den gesamten Einsatz hinweg wirtschaftlich sinnvoll sind.“
Serie Wellmaxx Fit von Elten (Foto: Elten)
Das gilt bei Elten vor allem für den deutschen Markt. Die Möglichkeit, zu wachsen, sieht das Unternehmen vorwiegend im Ausland, so van Elten weiter: „Wir sind in unserer Erwartung für 2026 davon ausgegangen, dass sich durch Internationalisierung und neue Zielgruppen zusätzliche Wachstumspotenziale ergeben. Diese Annahmen bestätigen sich aktuell. Während sich der deutsche Markt eher verhalten entwickelt, sehen wir in anderen Regionen und Segmenten die erwarteten Impulse. Um die Entwicklung in unserem Heimatmarkt auszugleichen, müssen wir stärker in internationalen Märkten wachsen.“ Gute Entwicklungsmöglichkeiten gebe es zurzeit in Skandinavien und Großbritannien und außereuropäischen Märkten wie Australien und dem asiatisch-pazifischen Raum: „Nicht zuletzt, weil sich dort inzwischen auch ein Preisniveau etabliert hat, das zu unserem Portfolio passt.“ Die wichtigsten Märkte für Haix sind die USA, Frankreich, Großbritannien sowie die Benelux-Staaten. Steitz Secura sieht in den Benelux-Staaten, Skandinavien sowie in Österreich und der Schweiz besonders stabile und wachstumsstarke Märkte, in denen das Unternehmen zuletzt deutliche Zuwächse verzeichnen konnte.
Das Wachstum von Baak ist im internationalen Vertrieb signifikant höher als in Deutschland. „Entsprechend treiben wir unsere Internationalisierung gezielt weiter voran“, sagt Ingo Grusa: „Gerade in einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld trägt Internationalisierung maßgeblich dazu bei, Risiken zu streuen und unabhängiger von einzelnen Märkten zu agieren.“ In Deutschland wachsen will hingegen das italienische Unternehmen U-Power. „In Kernmärkten wie Italien, Frankreich und Spanien nehmen wir führende Positionen ein, während Deutschland ein strategischer Wachstumsschwerpunkt bleibt“, sagt Julia Sturm. Das Unternehmen erschließt zurzeit außerdem den US-Markt und konnte seine Position in Nord- und Osteuropa durch die Integration der Cerva-Gruppe stärken. Bei Atlas entwickeln sich vor allem der Benelux-Markt und Osteuropa positiv, sagt Hendrik Schabsky: „In den Niederlanden sehen wir eine hohe Offenheit für moderne, sportliche Sicherheitsschuhe und innovative Versorgungskonzepte. Themen wie Komfort, Design und Ergonomie haben dort einen hohen Stellenwert – genau die Bereiche, in denen Atlas auch in Deutschland stark positioniert ist.“
In Deutschland ist die individuelle Versorgung im Sinne der Fußgesundheit für Atlas einer der Bereiche, in dem die Nachfrage steigt. Das umfasst anpassbare, individualisierbare oder speziell zugeschnittene Produkte. Das Unternehmen will vor allem mit den Fit-Days, bei denen Atlas-Mitarbeitende mit einem Truck zu den Betrieben fahren und die Belegschaft persönlich beraten und über 3-D-Scan-Technologie individuell vermessen, einen Mehrwert bieten. „Kundinnen und Kunden erwarten heute deutlich mehr als einen Sicherheitsschuh, der nur Normen erfüllt. Sie möchten Lösungen, die sich an den tatsächlichen Arbeitsalltag und die individuellen Anforderungen anpassen“, erklärt Hendrik Schabsky, warum das Unternehmen auf die Themen Komfort und Fußgesundheit setzt. In den letzten Jahren kamen daher vor allem medizinische Weiterentwicklungen wie anpassbare Einlagen. Außerdem setzt Atlas auf mehr individuelle Lösungen für die Berufsfelder. Die Fast-Series wurde für die Anforderungen in Bereichen wie Logistik oder Industrie entworfen, in denen Leichtigkeit, Bewegungsfreiheit und Atmungsaktivität im Fokus stehen. Die Max-Series mit dem neu entwickelten Protrax-Obermaterial ist für den Alltag im Hoch-, Tief- oder Straßenbau geeignet, in dem vor allem Robustheit, Wetterfestigkeit und Stabilität zählen.
Atlas berät Mitarbeitende im Fit-Truck persönlich und versorgt sie mit individuellen Einlagen. (Foto: Atlas)
Auch Baak sieht das Thema Gesundheit aktuell in den Fokus gerückt. Das Unternehmen wirbt mit ergonomischen Schuhen nach dem patentierten Go & Relax-System, das die Kniebelastung reduzieren, den Energieverlust beim Gehen verringern und den Kraftaufwand der Muskulatur beeinflussen können soll. Christian Grusa erklärt, dass bei der Weiterentwicklung der Produkte ein Fokus auf Ergonomie und Tragekomfort gelegt wird: „Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem weiteren Ausbau unserer Barfußschuh-Kollektion. Ergänzend bauen wir unsere Serviceangebote aus, beispielsweise im Bereich Beratung und Wissensvermittlung. Auch die Weiterentwicklung unserer Marke hin zu einer klaren Positionierung als Experte für Fußgesundheit ist ein zentraler Bestandteil.“
Haix investiert in die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Trägerinnen und Träger sowie in Service-Angebote wie Reparatur- und Instandsetzungsmöglichkeiten, sagt Manuel Köppl: „Ein Beispiel hierfür ist unsere XLR8-Technologie mit Reforce-Element. Sie unterstützt eine natürliche Fußbewegung, reduziert Ermüdungserscheinungen und trägt dazu bei, Leistungsfähigkeit und Konzentration über längere Zeiträume aufrechtzuerhalten. Davon profitieren sowohl die Nutzer als auch deren Arbeitgeber.“
Foto: U-Power
U-Power hat dieses Jahr die neue Linie Red Stratos vorgestellt. Das Besondere ist die verbaute Super Critical Technology, die vor allem im Laufschuhbereich genutzt wird. Die Sohlenstruktur ist so konzipiert, dass sie einen Teil der Energie zurückgibt, die beim Gehen erzeugt wird, wodurch ein flüssigerer und energiesparender Gang möglich sein soll. Das mache gerade bei einem Sicherheitsschuh einen Unterschied, wenn an langen Tagen die zurückgelegte Kilometerzahl und die Müdigkeit zunehmen. „Unser Schwerpunkt liegt auf der weiteren Marktdurchdringung. Unterstützt wird dies durch neue Produktgenerationen, die gezielt auf eine hohe Nachfrage ausgelegt sind“, sagt Julia Sturm. Weitere Entwicklungen sind die Red Leve-Serie mit Boa-Verschluss und Mehrweitenkonzepte für den deutschen Markt. Auch Nachhaltigkeit ist ein strategischer Treiber.
Für Steitz Secura spielt umfassender Service eine immer größere Rolle: „Dazu gehören persönliche Beratung direkt beim Kunden, professionelle Fußvermessungen sowie orthopädische Versorgungslösungen.“ Der Hersteller arbeitet eng mit Gore-Tex zusammen, um die Leistungsfähigkeit wasserdichter Sicherheitsschuhe weiter zu verbessern. Zudem will sich Steitz Secura mit seinem Mehrweitensystem, innovativen Dämpfungstechnologien und hohem Klimakomfort hervorheben: „Gleichzeitig investieren wir kontinuierlich in neue Entwicklungen. So haben wir im vergangenen Jahr einen Konzeptschuh vorgestellt, der neue Technologien nutzt, um nachhaltige und recyclebare Sicherheitsschuhe zu ermöglichen – ohne Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen.“
Laut Hendrik van Elten wachsen die Anforderungen der Kundinnen und Kunden vor allem, was Leichtigkeit und Komfort angeht: „Die Anforderungen der Kunden haben sich deutlich verändert. Neben dem reinen Schutz stehen heute vor allem Komfort, Leichtigkeit und Design im Mittelpunkt. Der Sicherheitsschuh wird zunehmend auch als Teil des Alltags wahrgenommen. Gleichzeitig spielen Individualisierung und passgenaue Lösungen eine immer größere Rolle, etwa durch orthopädische Anpassungen oder digitale Vermessungssysteme.“ Dafür hat Elten mit Tavixx XXFE Low ESD S 1 den bislang leichtesten Sicherheitsschuh der Marke mit weniger als 400 g Gewicht entwickelt. Der Otto White Low ESD punktet im klassischen Gumsole-Sneaker-Design mit alltagstauglichem Modegrad. Mit Wellmaxx Fit bietet Elten eine Mehrweitenserie mit der von BASF entwickelten E-TPU Infinergy, die eine innovative Dämpfungstechnologie ermöglicht.
Workwear Schuhe Heavy Duty von Haix (Foto: Haix)
Auch einige Schuhfachhändler haben in den vergangenen Jahren Sicherheitsschuhe aufgenommen. Teilweise konnte es sich zu einem soliden Standbein entwickeln, mit dem Umsatzrückgänge bei modischen Schuhen abgefangen wurden. Viele Händler arbeiten direkt mit mittelständischen Unternehmen und Handwerksbetrieben im Ort zusammen. Dabei bekommen die Mitarbeitenden einen Bezugsschein, mit dem sie den Schuh im Rahmen eines festgelegten Budgets beim Handelspartner kaufen können. Wollen sie einen teureren Schuh haben, zahlen sie die Differenz selbst. Thomas Sans (SABU) erklärt, dass die meisten angeschlossenen Händler drei Marken beziehen und damit den Großteil des Bedarfs abdecken: „Dabei liegt der Fokus bewusst auf einem wirtschaftlich starken Kernsortiment und tendenziell nicht auf hochspezialisierten Nischenprodukten. Welche Marken und Sortimente dabei sinnvoll sind, hängt jedoch stark vom jeweiligen Standort und den potenziellen Kundengruppen ab. Uns ist es wichtig, nicht auf pauschale Empfehlungen zu setzen.“ Bei den meisten SABU-Händlern habe sich das Thema positiv entwickelt. „Natürlich gab es vereinzelt auch Stimmen, die sich noch größere Sprünge erhofft hatten. Dennoch haben wir deutlich gezeigt: Hier entsteht eine echte Chance“, ordnet Sans ein. Zwar sei besonders bei großen Unternehmen ein Rückgang der Nachfrage durch Stellenkürzungen spürbar, „nachdem das Segment in den vergangenen Jahren außergewöhnlich stark performte und eindrucksvolle Wachstumsraten verzeichnet hat“. Doch gerade Endverbraucher sowie KMUs böten noch Wachstumspotenzial und machten ohnehin 80 % des Marktes aus. Kai Stawars (ANWR Schuh) berichtet von Kundengesprächen,dass Unternehmen heute stärker darauf achten, wie lange Mitarbeiter Schuhe tragen können, wie hoch die körperliche Belastung ist und wie sich Ausfallzeiten reduzieren lassen: „Das Segment entwickelt sich damit weg vom reinen Schutzprodukt hin zu einem funktionalen Performance-Produkt.“
„Einen Rückgang an Nachfrage merken wir nicht, aber mehr Preis- sensibilität bei den Unternehmen, die gerade an allen Stellen ihre Budgets prüfen.“
Klaus Rollmann|Rollmann
„Die Kunden brauchen meistens einmal im Jahr neue Schuhe. Selten nehmen sie auch einen Alltagsschuh mit, aber manchmal kommen Arbeitnehmer aus den Nachbarorten über ihre Betriebe zu uns und werden so überhaupt erst auf uns aufmerksam“, berichtet der Schuhhändler Martin Brink (Shoes & More Brink, Hopsten). Vereinzelt würden auch Privatkunden aufmerksam werden, doch der Großteil gehe über die Zusammenarbeit mit den Firmen. Die wirtschaftliche Situation in der Region sei stabil, sodass sich die Rezession bei ihm nicht auswirke. Sicherheitsschuhe machen bei ihm rund 10 % des Geschäfts mit leicht steigenden Umsätzen aus: „Das Thema bringt uns stabile Erträge bei wesentlich geringerem Aufwand als bei modischen Schuhen. Es gibt bei unseren Lieferanten sehr gute Nachorderliefermöglichkeiten und sie nehmen schlecht laufende Modelle auch zurück.“
Auch beim Orthopädieschuhhändler Rollmann, Göppingen, gebe es keinen Nachfragerückgang, „aber mehr Preissensibilität bei den Unternehmen, die gerade an allen Stellen ihre Budgets prüfen“, berichtet Klaus Rollmann: „Sie wollen den Mitarbeitern meistens 80 bis 90 Euro netto für Schuhe bezahlen, auch wenn Sicherheitsschuhe eher teurer werden. Den Kurs müssen wir mitgehen, um die Kunden halten zu können.“ Immerhin rund ein Drittel der Kunden zahle privat drauf, weil sie einen Schuh haben möchten, der den Betrag übersteigt. Eine Herausforderung sei der Direktvertrieb der Industrie: „Wenn Firmen zu groß werden, wechseln sie schnell in den Direktvertrieb. Da müssen wir schauen, welche Mehrwerte wir bieten können, um in dem Wettbewerb zu bestehen. Das schaffen wir vor allem mit unserer orthopädischen Versorgung und Beratung, die notwendig ist, weil nicht jeder Schuh für Einlagen zertifiziert ist und nur bestimmte Einlagen zugelassen sind.“ Von seinen Industriepartnern wünscht sich Rollmann vor allem mehr Kanäle zum offenen Austausch. Auch Christian Konle (Laufgut Konle, Höchstädt) setzt als Orthopädie-Experte auf Sicherheitsschuhe und bietet DIN-genormte Einlagen und Fußanalyse als Mehrwerte. Bei ihm macht das Segment rund ein Drittel des Geschäftes aus. Zur aktuellen Marktlage sagt er: „Wir merken, dass die Auftragslage zwar konstant ist, aber die Betriebe in der aktuellen Lage eher Step-by-Step nach Bedarf bestellen und weniger große Bestellungen abgeben.“ Es sei ein ganz anderer Arbeitsalltag als mit modischen Schuhen, „aber es macht sehr viel Spaß. Immer wieder schließen wir mit Betrieben über persönlichen Kontakt oder Vermittlungen durch die lokale Politik neue Partnerschaften und können unser Netzwerk erweitern.“
„Ich sehe Parallelen zur Entwicklung im Outdoor-Segment. Was früher rein zweckorientiert war, ist im Straßenbild angekommen. Das beginnt sich auch bei Workwear zu entfalten.“
Kai Stawars|ANWR Schuh
Sicherheitsschuhe werden zunehmend auch als Teil des Alltags wahrgenommen. (Foto: Elten)
Seine Kunden legen vor allem Wert auf eine leichte und möglichst flexible Sohle mit Dämpfung, damit der Schuh trotz aller Schutzfunktionen bequem ist. Bei Rollmann legen die Kunden vor allem Wert auf Boa-Verschlüsse, leichtere Modelle und sportliche Optik, wenn möglich mit Mesh-Upper. Auch Martin Brink stellt das Interesse an Boa-Verschlüssen heraus: „Zunächst gab es Bedenken, ob sie wirklich stabil genug für die Anforderungen sind, aber sie haben sich bewährt und werden für den bequemen Sitz wertgeschätzt.“
Thomas Sans beobachtete auf der letzten A+A, dass sich die Hersteller zunehmend an der Optik und dem Tragegefühl klassischer Sportschuhe orientieren. Auch Kai Stawars sieht im Sicherheitsschuhbereich eine „Sneakerisierung“: „Ich sehe hier sehr klare Parallelen zur Entwicklung im Outdoor-Segment. Was früher rein zweckorientiert war, ist heute im Straßenbild angekommen und hat neue Zielgruppen erschlossen. Genau dieser Effekt beginnt sich jetzt auch im Workwear-Bereich zu entfalten.“ Die Erwartungen der Endkunden orientierten sich zunehmend am Komfortniveau von Sportschuhen. Das umfasst – wo es möglich ist – leichtere Materialien wie Composite statt Stahl, ergonomische Passformen und verbesserte Dämpfung sowie Energierückgabe.