Schuhhandel

Dielmann beantragt Schutzschirmverfahren

Dielmann-Filiale in Ansbach. (Foto: Dielmann)
Dielmann-Filiale in Ansbach. (Foto: Dielmann)

Die Dielmann-Gruppe hat am 4. Juni beim zuständigen Amtsgericht in Darmstadt für die Schuhhaus Dielmann GmbH & Co. KG sowie die Sporthaus Robert Hübner GmbH Anträge auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Dr. Thomas Dielmann und Markus Dielmann ziehen sich aus der Geschäftsführung zurück.

Das Gericht hat diesen Anträgen entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung über beide Gesellschaften angeordnet. Im Zuge der bundesweit für mehrere Wochen angeordneten Kontaktbeschränkungen und flächendeckenden Schließungen von Filialgeschäften, sei der Umsatz von Dielmann komplett weggebrochen, teilt das Unternehmen mit. Die in der direkten Folge von der Geschäftsführung implementierten Maßnahmen hätten zwar kurzfristig Wirkung gezeigt. Da jedoch in der vergangenen Woche der Kreditantrag für eine erforderliche Überbrückungsfinanzierung von der KfW abgelehnt worden sei, habe man die Situation neu bewerten müssen. Ziel des Schutzschirmverfahrens sei es jetzt, die gegenwärtige Krisenlage zu bewältigen und die Gesellschaften der Unternehmensgruppe unter Einbezug aller rechtlichen Möglichkeiten so aufzustellen, dass sie dauerhaft am Markt bestehen können.

Dielmann-Brüder ziehen sich zurück

Um der Komplexität und der besonderen Herausforderungen des Schutzschirmverfahrens gerecht zu werden, werden die Schuhhaus Dielmann GmbH & Co. KG und die Sporthaus Robert Hübner GmbH ab sofort von ausgewiesenen Restrukturierungsexperten geführt, heißt es weiter. Im Zuge dessen ziehen sich Dr. Thomas Dielmann und Markus Dielmann aus der jeweiligen Geschäftsführung zurück, werden den Gesellschaften aber weiterhin beratend zur Verfügung stehen. „Die massiven Folgen der Corona-Krise für den innerstädtischen Einzelhandel und damit auf das Dielmann-Geschäft machen es erforderlich, entschlossen zu handeln. Das Schutzschirmverfahren ist nach der Überprüfung aller uns zur Verfügung stehenden Optionen, die beste Möglichkeit, den langfristigen Fortbestand der Unternehmen im Interesse aller wesentlichen Beteiligten sicherzustellen“, erklärt der erfahrene Handelsexperte Michael Specht, der ab sofort mit Rechtsanwalt und Sanierungsexperte Dr. Georg Bernsau von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff in die Geschäftsführung der die Schuhhaus Dielmann GmbH & Co. KG eintritt. Die Geschäftsführung der Sporthaus Robert Hübner GmbH übernehmen ab sofort Rechtsanwalt Steffen Schneider von der Kanzlei BBL Bernsau Brockdorff sowie Dr. Kristian Schneider.

Unternehmen der Dielmann-Gruppe sollen neu aufgestellt werden

Darüber hinaus hat das zuständige Amtsgericht Rechtsanwalt Steffen Rauschenbusch zum vorläufigen Sachwalter der Schuhhaus Dielmann GmbH & Co. KG bestellt. Vorläufiger Sachwalter der Sporthaus Robert Hübner GmbH ist Rechtsanwalt Markus Ernestus. Ihre Aufgabe wird es sein, den gesamten Prozess zu überwachen und die Interessen der Gläubiger der jeweiligen Gesellschaft zu wahren.  „In den kommenden Wochen werden wir jetzt Gespräche mit allen wesentlichen Verfahrensbeteiligten aufnehmen und einen Plan zur Neuaufstellung der Unternehmen erarbeiten“, erläutert Dr. Georg Bernsau, Geschäftsführer/CIO der Schuhhaus Dielmann GmbH & Co. KG, der bereits eine Vielzahl von Unternehmen erfolgreich bei ihrer Sanierung begleitet hat.

Der Geschäftsbetrieb in allen bundesweit 48 Filialen von Dielmann und Sport Hübner wird auch während des Schutzschirmverfahrens unter der Berücksichtigung der jeweils geltenden Corona bedingten Sicherheitsmaßnahmen aufrechterhalten. „Alle unsere Filialen sowie unser Online-Shop Sommerkind.de bleiben geöffnet, alle unsere Kunden werden wir auch weiterhin wie bewährt bedienen“, so Geschäftsführer/CRO Michael Specht. Die insgesamt 890 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren Löhne und Gehälter für drei Monate durch das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert sind, wurden heute über die aktuelle Situation und das weitere Vorgehen informiert.

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Helge Neumann / 04.06.2020 - 16:02 Uhr

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