Schuhhaus Meineke in Bremen

Eine Unternehmerfamilie

Karin, Klaus und Martina Petry während der Jubiläumsfeier des Schuhhaus Meineke im Jahr 2016 (Foto: Redaktion)
Karin, Klaus und Martina Petry während der Jubiläumsfeier des Schuhhaus Meineke im Jahr 2016 (Foto: Redaktion)

Ende Oktober ist für das Bremer Traditionsunternehmen Schuhhaus Meineke Schluss. Das bedeutet auch den Abschied von einer Schuhhändlerfamilie, die in der Branche höchste Anerkennung genoss. 

Ein strahlender Spätsommertag 2016. Bei schönstem Sonnenschein kommen an die 80 Branchenvertreter zusammen. Sie treffen sich auf dem Schulschiff Deutschland in Bremen-Vegesack. Der Stadtteil ist die Heimat des Schuhhandelsunternehmens Meineke, das hier 1891 gegründet wurde. An diesem Tag im Sommer 2016 will man zusammen 125 Jahre Firmenjubiläum feiern.

Geschäftsführer Klaus Petry spricht von den ersten bewegten Jahrzehnten der Firmengeschichte und von „Verwerfungen, die wir uns nicht vorstellen können.“ Zwei Kriege und eine Weltwirtschaftskrise wurden überwunden und das Unternehmen auf Kurs gehalten; Klaus und seine Frau Karin Petry sowie ihre Tochter Martina bilden die vierte und fünfte Generation der Schuhhändlerfamilie.

Von der Schuhmacherei zum Schuhhandelsunternehmen mit Selbstbedienungskonzept. Schuhhaus Meineke nimmt eine für unsere Branche typische Entwicklung.


Die Petrys: sympathisch, bescheiden und nahbar
 

An unternehmerischen Tugenden fehlt es allen Generationen, die das Ruder fest in den Händen hielten, nie. Auch den Petrys nicht: Tradition, Handwerk, die Liebe zum Produkt Schuh und Mut zur Veränderung – in emotionalen Reden werden während der Jubiläumsfeier die Qualitäten der Firmeninhaber hervorgehoben.

Gut vernetzt sind die Petrys und wohlgelitten, sympathisch, bescheiden und nahbar. Sie haben viele Freunde in der Branche. Die Petrys, das sind Menschen, mit denen man auf Augenhöhe sprechen kann, die ihr Unternehmen nach bestem Wissen und mit viel Einsatz führen. Und die Wert legen auf ehrliche Geschäftspartnerschaften. 

In den Jahren nach den Jubiläumsfeierlichkeiten wird es schwieriger für die Unternehmerfamilie. Sie sind nicht allein damit, auf veränderte Marktbedingungen reagieren zu müssen. Der Strukturwandel erfasst die Schuhbranche. Digitalisierung, ein modisches Sortiment, schnell reagieren und immer maximalen Service anbieten – viele Aufgaben, die zu lösen sind. Bremen gehört zu den Standorten mit besonderen Herausforderungen, vor allem auch die Innenstadt, in der das Schuhhaus Meineke sein Haupthaus betreibt. Petrys entwickeln einen Plan für die kommenden Jahre, in denen sie sich vor allem die beiden Geschäfte im Bremer Stadtteil Vegesack konzentrieren wollen.


Corona zwingt zu schmerzhaften Entscheidungen
 

Dann kommt Corona. Und bringt ebenfalls Verwerfungen mit sich, die man sich nicht hätte vorstellen können. Ein Virus als Brennglas, unter dem strukturelle Probleme offenkundig werden. Das macht auch vor dem Schuhhaus Meineke nicht Halt. Der Lockdown und seine Folgen schließlich zwingen Familie Petry, eine Entscheidung zu treffen: Am 12. Mai stellen sie einen Antrag auf Sanierung in Eigenverwaltung. Es folgt ein anstrengender und aufwändiger Prozess, so schildert es Klaus Petry im Gespräch mit unserer Redaktion. Ein Prozess, begleitet von der Hoffnung, Lösungen zu finden für das Unternehmen und seine Beschäftigten. Petrys versuchen in Zusammenarbeit mit dem vom Gericht bestellten Sachwalter alles. Aber nicht alle ziehen mit. Dem Vernehmen nach gestalten sich Gespräche mit einem Vermieter schwierig. Potenzielle Investoren tun sich schwer, vor allem mit dem Standort in Bremens Innenstadt. Kein leichtes Pflaster. Schmerzhaft dann die Erkenntnis, dass dieses Geschäft keine Chance mehr hat. Das Schuhhaus Meineke in der Sögestraße muss geschlossen werden. Die beiden anderen Standorte in Bremen-Vegesack jedoch sollen erhalten bleiben. Dort, wo das Unternehmen 1891 gegründet wurde – aber in neuen Händen.

Für die Petrys steht nun eine Neuorientierung an. Nach Jahrzehnten als Unternehmer gilt es, neue Perspektiven zu entwickeln. Man habe sich das anders vorgestellt, sagt Klaus Petry. Und viele hätten es ihm und seiner Familie auch anders gewünscht.

 
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Petra Steinke / 28.10.2020 - 13:56 Uhr

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