Kommentar zur ZR-Beendigung durch Birkenstock

Kommentar: Birkenstopp

Petra Steinke (Foto: Redaktion)
Petra Steinke (Foto: Redaktion)

Birkenstock braucht die Verbundgruppen nicht. Viele Händler brauchen die Marke durchaus. 

Die Woche startete mit einem Paukenschlag. Gleich am Montagvormittag klingelte bei mehreren Verbundgruppen-Chefs das Telefon: Birkenstock am Apparat. Man wolle die seit fünf Jahren bestehenden Zentralregulierungsverträge kündigen. Das sorgte in Mainhausen, Köln und Heilbronn für Sprachlosigkeit. Und nicht nur die Entscheidung als solche, auch die Begründung irritierte die Führungsetagen der Einkaufsgenossenschaften: Man tue nicht genug gegen Kopisten und habe trotz wiederholter Beanstandungen und Hinweise auf Rechtsverletzungen diese nicht entschieden genug bekämpft. In der Konsequenz fühle sich Birkenstock bei den Verbundgruppen nicht mehr gut aufgehoben und sehe für sich bei einem Großteil dieser Organisationen „keine Zukunft mehr.“

Neben ANWR, SABU und GMS wurden am Montag auch Key Accounts über den Schritt von Birkenstock telefonisch informiert. Es folgte eine Pressemeldung und später ein Schreiben an einen Großteil der Händler, die Birkenstock führen. Am Montagnachmittag dann war Michael Schmitz, General Manager Europe bei dem Anbieter von Korkfußbettsandalen, zu Gast bei schuhkurier.

Im Gespräch mit uns erklärte Schmitz, dass die Marke durch Kopien beschädigt würde und dass Verbundgruppen diesen Kopien immer wieder eine Bühne gäben. Gerade von Erfolgsmodellen würden Plagiate auf den Markt gebracht. „Das stört uns“, so Schmitz.
Ob man das Verhalten von Birkenstock möglicherweise als arrogant empfinden könnte, fragten wir Schmitz. Es gebe andere Unternehmen, auf die die Bezeichnung „arrogant“ sicherlich eher zutreffen würde als auf Birkenstock, lautete seine Antwort. Man sei nahe bei seinen Kunden. Aber man sei niemand, der mitschwimmt. Man zeige eben auch „klare Kante.“

Fest steht: Birkenstock hat seit Jahren einen Lauf. Die Nachfrage nach Arizona, Gizeh und Co. ist international ungebrochen. Trotz Corona.
Fest steht auch: Kopien der typischen Birkenstock-Styles gibt es wie Sand am Meer. Und nicht selten findet man sie als preiswerte Variante im Schaufenster oder Schuhregal gleich neben dem Original. Inwieweit Verbundgruppen hier zur Verantwortung gezogen werden können, ist sicherlich fraglich. Dass der Schuhhersteller auf Plagiate empfindlich reagiert, ist allerdings kein Geheimnis. Seit Jahren geht das Unternehmen gegen Kopisten vor und kündigte schon 2017 die Zusammenarbeit mit Amazon auf. Begründung: Der Onlineriese tue nicht genug gegen das Abkupfern von Designs.

Schlussendlich braucht Birkenstock die Verbundgruppen nicht. Wozu dann Delkredere-Provision zahlen und Konditionsnachteile in Kauf nehmen? Viele Händler brauchen die Marke durchaus und werden individuelle Vereinbarungen mit dem Hersteller treffen. Dieser geht einen Weg ähnlich wie Nike, Adidas, Puma oder im Lederwarenmarkt Rimowa. Den eigenen.

 

Für den schnellen Überbiick: Alle Meldungen zur Birkenstock-Entscheidung lesen Sie auf der schuhkurier-Themenseite in chronologischer Reihenfolge. 

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Petra Steinke / 01.10.2020 - 08:18 Uhr

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