Corona-Krise

Kreditversicherer erwartet ein Viertel mehr Insolvenzen

Der Kreditversicherer Coface erwartet im Zuge der weltweiten Corona-Krise eine Zunahme der Unternehmensinsolvenzen um 25%. Die Modebranche sei besonders betroffen. 

Coface prognostiziert, dass die Weltwirtschaft 2020 die erste Rezession seit 2009 mit einer Wachstumsrate von -1,3% (nach +2,5% im Jahr 2019) erleben wird. Coface erwartet außerdem Rezessionen in 68 Ländern (gegenüber nur 11 im letzten Jahr), einen Rückgang des Welthandels um 4,3% in diesem Jahr (nach einem Rückgang von -0,4% im Jahr 2019) und eine weltweite Zunahme der Unternehmensinsolvenzen um 25% (im Vergleich zu unserer letzten Januarprognose von +2%).

Insolvenzen in Deutschland: +11%

Das Kreditrisiko der Unternehmen werde selbst in einem „Best-Case“-Szenario, bei dem die Wirtschaftstätigkeit im dritten Quartal des Jahres allmählich wieder aufgenommen wird und es in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 keine zweite Welle der Coronavirus-Epidemie gibt, sehr hoch sein, teilt Coface mit.  Diese Entwicklung der Insolvenzen würde die Vereinigten Staaten (+39%) und alle wichtigen westeuropäischen Volkswirtschaften (+18%) betreffen: Deutschland (+11%), Frankreich (+15%), Vereinigtes Königreich (+33%), Italien (+18%) und Spanien (+22%). In den Schwellenländern könnte der Schock noch heftiger ausfallen: Neben der Bewältigung der Pandemie, die für sie schwieriger sein werde, seein sie auch mit dem Rückgang der Ölpreise sowie mit Kapitalabflüssen konfrontiert, die sich nach Angaben des Kreditversicherers gegenüber dem Stand von 2008 vervierfacht haben.

Verändert sich die Struktur des Welthandels?

Die Risiken, die auf der Prognose eines Rückgangs des Welthandelsvolumens um 4,3% im Jahr 2020 lasten, könnten sich noch erhöhen, da die zahlreichen Grenzschließungsankündigungen im Prognosemodell von Coface nicht berücksichtigt wurden. Längerfristig könnte die Covid-19-Krise auch Auswirkungen auf die Struktur der globalen Wertschöpfungsketten haben, heißt es in der Studie. Die Hauptursache für die Verwundbarkeit der Unternehmen im gegenwärtigen Kontext sei ihre starke Abhängigkeit von einer geringeren Anzahl von Lieferanten, die in wenigen oder sogar nur einem einzigen Land ansässig seien. Daher werde die Erhöhung dieser Zahlen, um mögliche Unterbrechungen in der Lieferkette zu antizipieren, für die Unternehmen jetzt eine Priorität sein.

Modebranche besonders betroffen

Für die Unternehmen hatten die plötzlichen Maßnahmen, die von den Regierungen in mehr als 40 Ländern ergriffen wurden, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, unmittelbare Folgen. Diese Maßnahmen haben zu einem Angebotsschock geführt, wie er bei früheren großen Krisen nicht beobachtet wurde, so Coface. Der anfängliche Schock sei nicht auf eine Finanzkrise zurückzuführen gewesen, sondern bezog sich auf die Realwirtschaft: Menschen können nicht arbeiten, und die Unternehmen erleben Unterbrechungen bei der Versorgung mit Zwischengütern. Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe, Freizeit und Verkehr seien stark betroffen, ebenso wie fast alle spezialisierten Vertriebssegmente und die meisten Sektoren des verarbeitenden Gewerbes (mit Ausnahme der Agrar- und Nahrungsmittelindustrie).
Mit diesem Angebotsschock gehe ein ebenso brutaler Nachfrageschock einher. Viele Verbraucher streichen oder verschieben ihre Ausgaben für Waren und Dienstleistungen. Darüber hinaus werde das Vertrauen der Haushalte durch die Auswirkungen der Einschränkung geschwächt. Langlebige Verbrauchsgüter wie Fahrzeuge würden wahrscheinlich zu den am stärksten von diesem Schock betroffenen Waren zählen. Auch andere Ausgaben, wie für Textilien und Kleidung sowie Elektronik, werden wahrscheinlich auf fast null reduziert werden, schreiben die Experten von Coface. Am anderen Ende des Spektrums könnte der Verbrauch von Agrarnahrungsmitteln und pharmazeutischen Produkten von dieser Ausnahmesituation sogar profitieren

Helge Neumann / 08.04.2020 - 10:58 Uhr

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