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Premium in Frankfurt: Das sagt die Branche

Messe Frankfurt (Foto: Marc Jacquemin)
Messe Frankfurt (Foto: Marc Jacquemin)

Adieu Berlin. Die Premium findet ab 2021 in Frankfurt statt. Wie bewertet die Schuhbranche den Umzug der Modemesse aus der Hauptstadt in die Bankenmetropole? schuhkurier fragte nach. 

Im Sommer 2021 feiert die Frankfurt Fashion Week Premiere. Das Herzstück sollen die drei Messeformate Premium, Seek und Neonyt bilden, die gemeinsam mit den Konferenzformaten Fashion Sustain und Fashion Tech von Berlin an den Main ziehen. „Damit wird die Wirtschaftsmetropole Frankfurt zum neuen Hotspot der Fashion- und Lifestyleszene und zur neuen internationalen Fashionmetropole“, so Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main. Was sagt die Schuhbranche zum Umzug?

Pepijn van Bommel, Floris van Bommel:

„Die Premium war für uns als Plattform wichtig, um deutsche Kunden zu treffen und mit dem deutschen Markt zusätzlich in Kontakt zu sein. Wir sind davon überzeugt, dass dies auch in Frankfurt absolut möglich sein wird. Es ist eine großartige Gelegenheit für alle Beteiligten, sich neu zu erfinden. Das ist, worum es in der Mode und im Unternehmertum geht.

Frankfurt ist eine großartige Stadt in einem zentral gelegenen, sehr dynamischen Teil Deutschlands. Berlin hat zwar mehr internationale Anziehungskraft, aber nach dem Zusammenbruch der Bread and Butter wurde aus der Berlin Fashion Week eine ’deutsche‘ Fashion Week. Solange die Qualität der neuen Veranstaltungen gewährleistet ist, wird die Branche kommen und die neue Veranstaltung ein Erfolg sein.“

 

Karim Choukair, Melvin & Hamilton:

„Die Wahl nach Frankfurt zu ziehen, war für mich nicht wirklich eine große Überraschung. Berlin hat nach allen Querelen um den Flughafen und diversen Standortproblematiken einen Großteil seines Charmes eingebüßt. Ein neuer Impuls war da dringend notwendig, vor allem um das abhanden gekommene internationale Publikum wieder anzuziehen. Hierfür ist Frankfurt genau die richtige Entscheidung, es liegt in der Mitte Deutschlands, ist sowohl national als auch international perfekt angebunden. Die Stadt ist modern und bietet weit mehr als nur Banken und Börse. Kulturell war Frankfurt schon immer eine Metropole, in welche sich die Mode perfekt integrieren lässt. Ich bin mir sicher, dass die Macher aus Frankfurt die Gunst der Stunde am Schopfe packen werden und aus der Fashion Week ein über alle Grenzen hinaus interessantes und spannendes Event veranstalten werden. Ich erwarte einen ’Big Bang’.“

 

Stephan Krug, SABU:

„Durch den Wegfall der Panorama hat sich das gesamte Konzept der Berliner Modemessen fundamental verändert. Auf Grund der veränderten Rahmenbedingungen war ein Neustart dringend notwendig. Wir persönlich haben uns in Berlin sehr wohl gefühlt und speziell das Ambiente der Premium am Gleisdreieck sehr geschätzt und bedauern den Umzug. Hier muss Frankfurt beweisen, dass es ein entsprechender Ersatz sein kann. Aus unserer Sicht ist der Neustart in Frankfurt die logische Konsequenz der Veränderungen.

Egal, an welcher Stelle: Wir brauchen einen gemeinsamen Standort, um das Thema Mode komplett und kompetent abzubilden, zu inszenieren und bespielen zu können. Und wir brauchen eine starke Messe für den wichtigen deutschen Markt – für unsere starken deutschen Marken und für interessante internationale Lieferanten und Marken.“

 

Uta Riechers-Wuttke & Martin Wuttke, Designagentur NextguruNow und Modeurop: 

„Der Umzug der Premium ist für ganz Berlin ein harter Schlag. Der Umzug belegt leider, dass sich Berlin einmal mehr die ’Butter vom Brot‘ nehmen lässt. Berlin hat es nicht geschafft, die verschiedenen Formate zu bündeln. Die Chancen waren da, die Unterstützung der Stadt Berlin nicht immer. Alle Messebetreiber haben für sich einen tollen Job gemacht. Schade, dass die Zerstückelung der Veranstaltungen nicht gelöst wurde.

Mode sollte immer nach vorne schauen, aber aus Erfolgen der Vergangenheit zu lernen ist wichtig. Die Messe Frankfurt spricht von ’think big’: Das ist sehr zu begrüßen. Die Branche braucht eine visionäre Plattform. Zu den Hochzeiten der Bread & Butter wurden die Einkäufer und Besucher so fantastisch emotional aufgeladen, dass die Messe noch Monate nachstrahlte. Wir drücken die Daumen, dass die Branche wieder eine Messe mit internationaler Zugkraft bekommt.

Die Diskussionen, ob Düsseldorf oder München die richtige Wahl gewesen wären, sind unnötig.  Jetzt geht es um ein stimmiges Gesamtkonzept. Man sollte zwischen dem Messestandort Frankfurt und der „Modemetropole“ unterscheiden. Frankfurt nun zum neuen Fashion-Hotspot zu küren, erzeugte in unserem Netzwerk kaum mehr als ein Lachen. Das kreative Potenzial von Berlin, die Energie, die Designerdichte, die Anzahl der Modeschulen, ist in Deutschland einzigartig. Es geht um Strahlkraft, um eine Orderplattform, die mehr denn je mit Paris, Mailand oder Kopenhagen mithalten muss.

In diesem Sinne wünschen wir der Fashion Week Frankfurt einen Start mit einem Wow-Effekt. Wir freuen uns. Forward ever, backward never!“

 

Andreas Schaller, Lloyd:

„Die Entscheidung, die Premium nach Frankfurt zu verlegen, hat mich sehr überrascht. Ich hoffe sehr, dass es gelingen wird, die Besucher – und nur um die geht es – in Frankfurt und nicht zuletzt in der anderen Atmosphäre so zu begeistern, wie dieses in Berlin gelungen ist. Das wird eine große Herausforderung werden, weil Modemessen in einem Messeumfeld in den letzten Jahren bekannterweise nicht mehr funktioniert haben. Davon hatte auch die Premium nicht unerheblich im Vergleich zur Panorama in Berlin profitiert. Was letztliche zu Ende der Panorama geführt hat.

Berlin ist mit Leipzig die Stadt in Deutschland und auch in Europa, die für Erneuerung und Aufbruch steht (wenn auch manchmal – was Berlin betrifft – auf etwas chaotische Weise). Etwas, was insbesondere heute Mode beinhalten sollte. Frankfurt steht für Finanzen und Geld – nicht wirklich das, was im Moment positiv besetzt ist und erst recht nicht das, was mit Mode in Verbindung gebracht wird. Ich denke, sowohl für die Messemacher als auch die Messegesellschaft gibt es viel zu tun, hier einen Weg zu finden das ’Berlin-Feeling’ zu übertragen und damit die Messe zum erhofften Erfolg zu führen. Hier geht es um nichts anderes, als um die letzte große Modemesse in Deutschland, deshalb hoffe ich, dass das Vorhaben gelingt.“

Peter Iff, Görtz:

„Wir sind gerne nach Berlin gefahren, um neue Trends zu sehen, neue Kollektionen zu Sichten und uns mit unseren Lieferanten auszutauschen. Zudem hat uns natürlich auch Berlin als Stadt an sich inspiriert. Primär sind jedoch die Inhalte des neuen Messekonzeptes wichtig. Durch Covid-19 hat sich vieles verändert. Die Branche hat sich neuen Herausforderungen gestellt und neue Antworten gefunden. Diese Herausforderungen werden uns noch weiterhin über viele Monate beschäftigen. Welchen Einfluß hat dies auf die Messelandschaft, Saisonrhythmen und das Verbraucherverhalten? Zum Start der neuen Messe in Frankfurt müssen die Antworten hierzu konzeptionell mit einfließen. Wenn der neue Ansatz vom „Verbraucher gedacht“ entwickelt wurde, wurde vieles richtig gemacht.
 
Grundsätzlich ist es wichtig, dass die Messen sich übergreifend, konzeptionell abstimmen und nicht autonom Konzepte entwickeln. Zudem wäre es wünschenswert, alle Messen an einem Standort zu bündeln um nicht verschiedene Standorte zu gleicher Zeit besuchen zu müssen, um eine gute Gesamtübersicht zu bekommen. Persönliches Zusammentreffen und digitale Komponenten werden unsere Branche mit Sicherheit schneller machen und voranbringen. Ob eine räumliche Veränderung nötig war, kann ich nicht beantworten. Hier gab es mit Sicherheit viele vernünftige Gründe dies so zu entscheiden. Neue Impulse und konzeptionelle Veränderungen sind mit einer räumlichen Veränderung oft schneller umzusetzen.
 
Wir freuen uns auf das neue Messe-Konzept und auf die neuen Eindrücke in Frankfurt. Zudem ist der Besuch in unserem neuen Flagship und Room-Konzept immer einen Besuch wert.“

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Helge Neumann / 16.06.2020 - 09:56 Uhr

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