Corona-Pandemie

Wie sich Schuhhändler Robers gegen die Krise stemmt

Hans-Jürgen Robers (Foto: Redaktion)
Hans-Jürgen Robers (Foto: Redaktion)

Corona verändert alles. Auch Schuhhändler Hans-Jürgen Robers aus Stadtlohn muss mit neuen Herausforderungen kämpfen. Wie macht er das? schuhkurier sprach mit dem Unternehmer.

schuhkurier: Herr Robers, wie geht es Ihnen zurzeit?

Hans-Jürgen Robers: Gesundheitlich gut. Aber wir haben eine herausfordernde Situation, mit der wir zurechtkommen müssen. In den Tagen vor der Schließung der Geschäfte haben wir noch erfreuliche Umsätze generiert, sogar noch am Vortag. Nun müssen wir andere Wege zum Kunden finden. Wir werden unsere Online-Aktivitäten verstärken, wobei der Umsatzanteil dieses Segments bei etwa 7 bis 8% liegt. Das reicht also nicht, um unsere stationären Umsatzrückgänge annähernd aufzufangen. Wir haben zum Ankurbeln noch Radiowerbung geschaltet nach dem Motto „Ihr regionaler Schuhhändler ist weiter für Sie da…“

 

Die aktuelle Situation ist ein Ausnahmezustand in jeder Hinsicht. Wie bewältigen Sie das?

Klar hat man schon mal den Fall eines Brandes durchgespielt oder wenn in zwei Geschäften gleichzeitig eingebrochen wird, aber alle Geschäfte zu – eine solche Situation, wie wir sie jetzt haben, gab es noch nie. Daher ist Besonnenheit gefragt. Ich bin einerseits froh, dass wir trotz Corona viele Messen besucht haben, drei Tage Micam, auf der First, Second und im Emax-Kreis sowie auf der Gallery Shoes waren und gut überlegt selektieren konnten. Zugleich habe ich auch Sorge, eventuell für diese Situation zu viel Ware bestellt zu haben. Am Vortag der Schließung war ich noch in Breitscheid zum Ordern. Allerdings habe ich nur dort Modelle ausgesucht, wo ich in drei Wochen noch einteilen kann.

 

Wie haben Sie sich intern organisiert?

Ich habe zunächst ein langes Schreiben an unsere Mitarbeiter verfasst mit dem Tenor, dass sich niemand Sorgen um den Arbeitsplatz machen muss, denn wir sind ein stabiles Unternehmen, das immer solide gewirtschaftet hat. Das war mir das wichtigste. Dann haben wir uns mit den Möglichkeiten beschäftigt, Unterstützung zu erhalten und vieles beantragt. Wir werden alles durchforsten, was eventuell storniert werden kann. Dabei hilft uns der persönliche Draht zu vielen Lieferanten. Schwierig finde ich die Kontaktaufnahme mit Unternehmen, die nach amerikanischem System organisiert sind. Dort läuft nur ein Band, niemand ist erreichbar, man kommt nicht durch. Auch mit unseren Vermietern werde ich sprechen müssen. Mit vielen bestehen langjährige Geschäftsbeziehungen. Insofern bin ich guter Hoffnung, dass wir gemeinsame Wege finden werden.

 

Haben Sie Angst?

Nein, Angst habe ich nicht. Wir sind zum Glück kein großes Unternehmen, aber auch nicht ganz klein und haben noch den persönlichen Draht zu unseren Mitarbeitern und Geschäftspartnern. Ich glaube, diese Größenordnung sollte die resistenteste sein. Sorge bereitet mir, dass ja fast die ganze Frühjahrsware noch da ist – wir haben also, wenn neue Ware kommt und sich die Situation nicht schnell ändert, kaum Platz. Und mich beunruhigt, dass es im Zuge der Krise zu erheblichen Preisnachlässen kommen wird. Das wird die Lage für uns Händler zusätzlich verschärfen.

 

Was hoffen Sie?

Dass wir schnell eine Verbesserung erleben und die Pandemie sich abschwächt. Wenn es in vier Wochen weitestgehend geschafft ist – ok. Acht Wochen die Läden schließen – dann sieht die Situation schon deutlich anders aus. Leider werden wir in zwei bis drei Wochen nicht wirklich viel schlauer sein.

 
Petra Steinke / 20.03.2020 - 09:38 Uhr

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