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Patrick Röseler: „Am meisten ärgert mich die Willkür“

Patrick Röseler, CEO Ara Shoes AG (Foto: Ara Shoes AG)
Patrick Röseler, CEO Ara Shoes AG (Foto: Ara Shoes AG)

Die jüngsten Entscheidungen von Bund und Ländern zum Lockdown haben in der Schuhbranche Entsetzen ausgelöst. Patrick Röseler, CEO der Ara Shoes AG, richtet einen eindringlichen Appell an die Verantwortlichen in Berlin.

„Man würde mit dem Wissen heute, das kann ich Ihnen sagen, keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren.“ – Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister am 2. September 2020. Worte, gesprochen inmitten der Orderrunde für die Frühjahr/Sommer-Saison 2021. Dass wir uns in einigen Monaten viel zu verzeihen haben werden, ist ein Zitat, mit dem er dann wohl richtiger gelegen haben dürfte.
Aktuell sieht es eher so aus, als würde man mit dem Wissen von heute den Einzelhandel nicht wieder öffnen wollen. In Anbetracht der deutlich zu geringen und viel zu späten Hilfen wohl nie wieder. Zumindest dürfen die Friseure bald wieder aufsperren, so sehen wir wenigstens ordentlich aus, wenn wir dann mit Wumms gegen die Wand gefahren werden. Am Steuer Peter Altmaier und Bazooka Scholz, an Bord zigtausende Unternehmer und hundertausende Arbeitnehmer, zum Zuschauen verurteilt.
Wirtschaftliche Empathie: Fehlanzeige. Es sterben schließlich Menschen. Da wird man schnell in die zynische Ecke geschoben, wenn man alternative Szenarien fordert oder kritisch hinterfragt, warum zum Gemeinwohl der Bevölkerung immer die gleichen Wirtschaftszweige den Kopf hinhalten müssen, selbst wenn diese erwiesenermaßen gar nicht verantwortlich für die Verbreitung des Virus sind.

Des einen Leid ist übrigens auch in Pandemiezeiten des anderen Freud. Während der Textil- und Schuheinzelhandel mit einem Berufsverbot überzogen wurde, verkaufen Discounter und Großmärkte munter weiter: Schuhe, Textilien, Fernseher und was sonst noch alles nicht verzehrbar ist. Offensichtlich konnte man ihnen nicht zumuten, auf ihre Randsortimente zu verzichten. Bei Blumenläden (in manchen Bundesländern geöffnet) ging das leichter von der Hand. Hier darf nur Kernsortiment verkauft werden. Kerzen und Deko kann man ja schließlich bei der Metro oder bei Real kaufen. (Platzhalter für den Affen, der die Hände vor dem Kopf zusammenschlägt).
Am meisten ärgert mich die schiere Willkür, mit der hier vorgegangen wird, die Willkür der Sanktionen und die Willkür der Hilfskonzepte obendrein. Aus „too big to fail“ scheint „too big to help“ geworden zu sein. Jenseits der 750 Mio. Umsatz gibt es eigentlich gar keine Überbrückungshilfen mehr. Es sei denn, man zählt zu den üblichen Verdächtigen. Für alle darunter (die meisten) gibt es deutlich zu wenig, und das viel zu spät! Für viele nicht mehr als ein Pflaster aufs Holzbein. Die Spur der Verwüstung, die sich durch die betroffenen Branchen ziehen wird, wird von Olaf Scholz als pandemischer Kollateralschaden abgetan. Dabei sind es in Wahrheit die Kollateralschäden dilettantischer Hilfskonzepte. 1,6 Mio. Arbeitnehmer alleine im stationären Non-Food-Handel, Herr Scholz, sind kein Kollateralschaden – das macht Sie zum Zyniker und nicht die der Verzweiflung nahen Händler, Gastronomen und körpernahen Dienstleister.

Sie sollten sich was schämen! Mit sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik hat das nichts mehr gemein. Schämen sollte sich auch Peter Altmaier, jener Peter Altmaier, der noch vor zwei Jahren im Rahmen der Hundertjahrfeier der ANWR von der Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit des stationären Einzelhandels für deutsche Innenstädte sprach und sich heutzutage in Bildwelten bewegt, in denen es um „Leine lassen und auch wieder anziehen können“ geht! Ist die Würde der Menschen im deutschen Einzelhandel ein Konjunktiv? Er sollte sich selber einen Maulkorb verpassen oder dringend an seiner Bildsprache arbeiten. Eine valide Hilfe für all diejenigen Branchen, die zum Wohle aller mit Berufsverboten überzogen wurden und in Folge dessen wirtschaftlich in ihrer Existenz gefährdet sind, ist unabdingbar. Dies kann meines Erachtens nur über einen Verlustausgleich erfolgen oder über eine volle Übernahme der Fixkosten für die Schließungsmonate. Wir sprechen hier mittlerweile von vier der letzten 12 Monate. Beim Textil- und Schuhhandel muss sicherlich noch die Warenbestandsproblematik gesondert behandelt werden! Außerdem: eine Wiedereröffnung spätestens zum 1. März 2021. Öffnungsperspektiven ab einer Inzidenz von unter 35 sind, mit Verlaub, keine Öffnungsperspektiven, das sind Schließungsperspektiven bis in den Frühsommer. Irgendwann wird es dann unverzeihlich, verehrte Bundesregierung! Bleiben sie gesund!

„Man würde mit dem Wissen heute, das kann ich Ihnen sagen, keine Friseure mehr schließen und keinen Einzelhandel mehr schließen. Das wird nicht noch mal passieren.“ – Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister am 2. September 2020. Worte, gesprochen inmitten der Orderrunde für die Frühjahr/Sommer-Saison 2021. Dass wir uns in einigen Monaten viel zu verzeihen haben werden, ist ein Zitat, mit dem er dann wohl richtiger gelegen haben dürfte.
Aktuell sieht es eher so aus, als würde man mit dem Wissen von heute den Einzelhandel nicht wieder öffnen wollen. In Anbetracht der deutlich zu geringen und viel zu späten Hilfen wohl nie wieder. Zumindest dürfen die Friseure bald wieder aufsperren, so sehen wir wenigstens ordentlich aus, wenn wir dann mit Wumms gegen die Wand gefahren werden. Am Steuer Peter Altmaier und Bazooka Scholz, an Bord zigtausende Unternehmer und hundertausende Arbeitnehmer, zum Zuschauen verurteilt.
Wirtschaftliche Empathie: Fehlanzeige. Es sterben schließlich Menschen. Da wird man schnell in die zynische Ecke geschoben, wenn man alternative Szenarien fordert oder kritisch hinterfragt, warum zum Gemeinwohl der Bevölkerung immer die gleichen Wirtschaftszweige den Kopf hinhalten müssen, selbst wenn diese erwiesenermaßen gar nicht verantwortlich für die Verbreitung des Virus sind.

Des einen Leid ist übrigens auch in Pandemiezeiten des anderen Freud. Während der Textil- und Schuheinzelhandel mit einem Berufsverbot überzogen wurde, verkaufen Discounter und Großmärkte munter weiter: Schuhe, Textilien, Fernseher und was sonst noch alles nicht verzehrbar ist. Offensichtlich konnte man ihnen nicht zumuten, auf ihre Randsortimente zu verzichten. Bei Blumenläden (in manchen Bundesländern geöffnet) ging das leichter von der Hand. Hier darf nur Kernsortiment verkauft werden. Kerzen und Deko kann man ja schließlich bei der Metro oder bei Real kaufen. (Platzhalter für den Affen, der die Hände vor dem Kopf zusammenschlägt).
Am meisten ärgert mich die schiere Willkür, mit der hier vorgegangen wird, die Willkür der Sanktionen und die Willkür der Hilfskonzepte obendrein. Aus „too big to fail“ scheint „too big to help“ geworden zu sein. Jenseits der 750 Mio. Umsatz gibt es eigentlich gar keine Überbrückungshilfen mehr. Es sei denn, man zählt zu den üblichen Verdächtigen. Für alle darunter (die meisten) gibt es deutlich zu wenig, und das viel zu spät! Für viele nicht mehr als ein Pflaster aufs Holzbein. Die Spur der Verwüstung, die sich durch die betroffenen Branchen ziehen wird, wird von Olaf Scholz als pandemischer Kollateralschaden abgetan. Dabei sind es in Wahrheit die Kollateralschäden dilettantischer Hilfskonzepte. 1,6 Mio. Arbeitnehmer alleine im stationären Non-Food-Handel, Herr Scholz, sind kein Kollateralschaden – das macht Sie zum Zyniker und nicht die der Verzweiflung nahen Händler, Gastronomen und körpernahen Dienstleister.

Sie sollten sich was schämen! Mit sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik hat das nichts mehr gemein. Schämen sollte sich auch Peter Altmaier, jener Peter Altmaier, der noch vor zwei Jahren im Rahmen der Hundertjahrfeier der ANWR von der Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit des stationären Einzelhandels für deutsche Innenstädte sprach und sich heutzutage in Bildwelten bewegt, in denen es um „Leine lassen und auch wieder anziehen können“ geht! Ist die Würde der Menschen im deutschen Einzelhandel ein Konjunktiv? Er sollte sich selber einen Maulkorb verpassen oder dringend an seiner Bildsprache arbeiten. Eine valide Hilfe für all diejenigen Branchen, die zum Wohle aller mit Berufsverboten überzogen wurden und in Folge dessen wirtschaftlich in ihrer Existenz gefährdet sind, ist unabdingbar. Dies kann meines Erachtens nur über einen Verlustausgleich erfolgen oder über eine volle Übernahme der Fixkosten für die Schließungsmonate. Wir sprechen hier mittlerweile von vier der letzten 12 Monate. Beim Textil- und Schuhhandel muss sicherlich noch die Warenbestandsproblematik gesondert behandelt werden! Außerdem: eine Wiedereröffnung spätestens zum 1. März 2021. Öffnungsperspektiven ab einer Inzidenz von unter 35 sind, mit Verlaub, keine Öffnungsperspektiven, das sind Schließungsperspektiven bis in den Frühsommer. Irgendwann wird es dann unverzeihlich, verehrte Bundesregierung! Bleiben sie gesund!

Petra Steinke / 15.02.2021 - 09:45 Uhr

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