Herr Padberg, in welchen Bereichen werden Sie in Ihrer neuen Rolle Schwerpunkte setzen?
Mir geht es vor allem um die Vermittlung von Potenzial und um die Entwicklung einer neuen Haltung in der Branche. Der Schuhhandel befindet sich in einer Motivationsdelle, die nicht enden will. Ich möchte dabei unterstützen, das Glas nicht als halb leer, sondern als halb voll zu betrachten. Es wird darum gehen, neue Ansätze und Bewährtes zu kombinieren.
Mit welcher Entwicklung rechnen Sie im Schuhhandel für 2026?
Es wird eine weitere Marktbereinigung geben, das steht außer Zweifel. Das werden wir nicht verhindern können. Die Zündschnur bei den Banken ist denkbar kurz. Und zugleich sehen Händler keine Perspektive und entschieden sich für den selbstbestimmten Ausstieg. Nach wie vor gilt aber: 83 Mio. Deutsche wollen beschuht werden. Und daraus ergeben sich immer wieder neue Möglichkeiten. Viele Händlerinnen und Händler sind in Schockstarre. In dieser Situation ist man nicht open minded und nicht in der Lage, etwas Neues anzufangen. Man fokussiert sich allein auf die Vergangenheit und hält an Traditionen fest. Dabei liegen durchaus Optionen auf dem Tisch.
Was sollte ein Händler tun, um die Schockstarre zu überwinden?
Es geht damit los, sich von dem zu lösen, was bisher galt. Frequenzen ändern sich. Langjährige Stammkunden verhalten sich anders. Frau Dr. aus Krefeld geht nicht mehr ins Schuhgeschäft in der Innenstadt – sie fährt nach Düsseldorf. Es bringt nichts, alten Zeiten nachzutrauern. Darum muss sich jeder Händler und jede Händlerin überlegen, welche Kundenmilieus künftig angesprochen werden sollen. Ist das immer noch die Dame, die viele Jahre lang Pumps gekauft hat – oder ist das jemand anderes? In diesen Überlegungen sind die Textiliten offener als der Schuhhandel.
Welche Möglichkeiten hat ein Händler konkret, um neue Wege zu gehen?
Da gibt es vielfältige Ansätze: Es kann der Schritt in die Nische sein, verbunden mit einem Trading-up. Es kann auch der Ausbau günstiger Preislagen sein. Vielleicht ist es die Positionierung als Kinderschuh-Spezialist, weil andere Geschäfte im Umkreis das Segment eingestellt haben? Möglicherweise ist es auch der Ausbau von Accessoires und Textilien oder der Fokus auf das Komfortschuh-Segment. Ein Händler sollte sich offen mit den möglichen Zielgruppen befassen und willens sein, sein Konzept zu verändern. Die bereits beschriebene Schockstarre ist da eher ein Korsett. Und klar ist: Auf 150 qm ein Komplettsortiment bis hin zum Gummistiefel anzubieten, das ist nicht mehr zeitgemäß. Zugleich warne ich aber auch davor, einfach ein paar Textilien zu erwerben und zum Sortiment zu ergänzen. Damit ist es nicht getan. Vielmehr muss man sich intensiv mit seinem Profil beschäftigen.
Welche Rolle sehen Sie für die Industrie?
Auch die Lieferanten müssen sich bewegen. Für mich ist die LUG immer noch der prägnante Hebel, und sie ist immer noch deutlich zu niedrig. Sie muss bei deutlich über 2 liegen, damit Schuhhandel profitabel funktionieren kann. Bei einem Durchschnittspreis von 80 bis 90 Euro und einer LUG unter 2 hat man keine Chance. Dann ist viel zu viel Kapital gebunden. Es muss also zu massiven Veränderungen kommen, vor allem zu neuen Orderrhythmen. Auch die Hersteller befinden sich aber angesichts der Marktveränderungen in einer Art Schockstarre. Stillstand ist Rückschritt, dies gilt 2026 mehr denn je. Und es reicht auch nicht, die EK-Preise anzupassen und dann zu sagen: Wir haben gehandelt.