Stefan Nicolai: Wir wurden mehrfach mit der Frage konfrontiert, welcher Lieferant welche Daten liefert. Das ist ein Dauerthema, aber bisher gab es keine richtige Maßeinheit dafür. Wir haben überlegt, wie man das Thema transparenter und messbarer bekommt. Es geht nicht darum, Bashing an einzelnen Lieferanten zu betreiben, sondern um eine Darstellung des Ist-Zustands und von Verbesserungsmöglichkeiten. Der Pass funktioniert so, dass alle vom Hersteller gelieferten Daten mit einem Kriterienkatalog abgeglichen werden. Dieser wurde im Vorfeld zusammen mit dem Arbeitskreis IT des HDS/L und ausgewählten Händlern definiert und enthält rund 80 Merkmale. Der Pass zeigt nur den Füllgrad an. Wir schauen uns also erst mal nur an, wie viele Felder überhaupt gefüllt sind. Weil nicht jedes Feld gleich wichtig ist, werden die Attribute gewichtet. Außerdem gibt es vier Säulen, nach denen die Attribute gruppiert werden: B2B, B2C, Marketplace-ready und EDI. Wenn sich ein Lieferant bewusst überhaupt nicht im B2C-Bereich bewegt, wird er die entsprechenden Inhalte nicht liefern. Das lässt sich dann transparent ablesen, damit dieser Lieferant nicht aufgrund seiner unternehmerischen Entscheidung einen schlechteren Score hat.
Die Debatte um die Datenqualität gibt es schon lange. Warum hat es vorher noch nicht so richtig funktioniert, die Daten zu standardisieren?
Stefan Nicolai: Wir erleben in der täglichen Praxis immer wieder, dass bei den Lieferanten kein Handlungsbedarf entsteht, wenn der Händler nicht nach einer Information fragt. Und mit einzelnen Nachfragen ist dieser oft allein. Um die Anforderungen zu bündeln, müssen diese erst einmal präzise festgelegt werden und das ist die große Herausforderung. Organisationen wie die GS1, die Standards definieren, haben viel Basisarbeit getätigt. Aber sie können bei der Breite des Feldes nicht alle Eventualitäten jeder Branche darstellen. Dadurch fehlt gegebenenfalls die Akzeptanz, um alle Parteien zu bewegen. Da sind wir jetzt näher dran an der Branche. Es gab in der Vergangenheit viele Roundtables, es ist aber nicht so viel passiert. Jetzt haben wir es geschafft, dass sich alle Parteien an einen Tisch gesetzt haben, und damit können wir auch gemeinsam bei diesem Thema weiterkommen.
Müsste es nicht relativ einfach möglich sein, auf Basis von so einem Katalog wie dem der GS1 mit ein paar Justierungen eine Lösung für den Schuhmarkt zu finden?
Stefan Nicolai: Das könnte man meinen, aber selbst in dem kleinen Arbeitskreis, in dem wir bei Marketplace-ready zusammengearbeitet haben, hat es zirka ein Dreivierteljahr gebraucht, um eine Auswahl zu treffen, auf die sich alle Parteien einigen können und mit der wir auf den Markt gehen können. Auch die verschiedenen Marktplätze haben verschiedene Spezialitäten, an die man sich anpassen muss. Wobei wir jetzt in der gemeinsamen Arbeit auch da die Überschneidungen finden und definieren konnten.