„Eine Chance werden wir nur haben, wenn wir unser Denken verändern. Wir werden nicht umhin kommen, Bestehendes kritisch zu hinterfragen, Vergangenes hinter uns zu lassen und Neues auszuprobieren.“ So leitete Althaus in seiner Rede auf das zentrale Thema der letzten Wochen über.
Man habe die geplante Veräußerung des Unternehmens Mücke zunächst als Beobachter begleitet, dann aber eine Nachfrage insbesondere im Bereich der Investoren, die nicht aus dem Schuhhandel kommen, festgestellt – einhergehend mit einer vorhandenen „Wachstumsphantasie“. Vor diesem Hintergrund habe man sich entschieden, „nicht als passiver Beobachter am Spielfeldrand zu stehen“. Man wisse um die durchaus umstrittene Position, die das Mücke-Konzept im Schuhhandel einnimmt. Allerdings liege der Erfolg des Modells Mücke nicht in erster Linie im Preiskonzept des Unternehmens. Dieses soll jedoch überarbeitet werden, um eine Anpassung des Mücke-Sortiments an marktübliche Preise zu vollziehen.
Eigener Retail keine Option
Es sei nicht geplant, mit Mücke eigenen Retail zu betreiben. Man habe ausschließlich den Ansatz, mit der Übernahme die Mitglieder zu stärken und von Anfang an dieses Ziel verfolgt. Aktuell werde an der Ausarbeitung von Beteiligungsmodellen gearbeitet. Dabei werden laut Althaus zwei Ansätze diskutiert: „Zum Einen die Beteiligung möglichst vieler Mitglieder mit Kapitalanteilen am Gesamtunternehmen oder aber die Veräußerung einzelner Standorte im Rahmen einer Standortbeteiligung.“ Weitere Ansätze seien in den letzten Wochen auch aus dem Kreis der Mitglieder vorgeschlagen worden und würden geprüft.
Aktuell läuft die Closing-Phase des Kaufprozesses, die noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird und an deren Ende Mücke rückwirkend zum 1. Januar von der ANWR übernommen wird. Anschließend sollen Regelungen zur Nachfolge von Thomas Mücke vor Ort getroffen werden – und erst dann soll die Beteiligung in eine konkrete Form gegossen werden. Man rechne mit einem Zeitraum von vier Jahren bis zu diesem Schritt. Innerhalb dieses Zeitraums ist eine weitere Expansion nicht vorgesehen – lediglich würden die Standorte eröffnet, die bereits jetzt geplant sind.
In 2018, wenn dann eine darüber hinaus gehende Expansion beginnen könne, soll Mücke nach dem Willen des ANWR-Vorstandsvorsitzenden nicht mehr der Verbundgruppe gehören, sondern bereits den Mitgliedern.
Breites Meinungsspektrum
Die Generalversammlung in Mainhausen brachte etliche Kritikpunkte, aber auch Zuspruch aus dem Kreis der Mitglieder zu Tage. Sorge bereitet den ANWR-Händlern eine mögliche Expansion, der aber seitens des Vorstands eine klare Absage erteilt wurde. Auch die Frage, ob nach Mücke weitere Übernahmen folgen könnten, beschäftigt die Mitglieder. Dieser Punkt wurde ebenfalls von Günter Althaus und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Hans-Jürgen Robers verneint. Die satzungsrechtliche Zulässigkeit des Prozesses sei geprüft worden. Lob gab es seitens mehrerer Händler für die Entscheidungen des Vorstands; dieser habe im Sinne der Mitglieder gehandelt, hieß es in verschiedenen Statements.
Eingebracht wurde von den Mitgliedern der Ansatz, für Entscheidungen dieser Tragweite künftig außerordentliche Generalversammlungen einzuberufen.
Weitere Details zur Generalversammlung sowie zur Diskussion über die Mücke-Übernahme lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier.