„Klein und flexibel“
Beim Blick zurück muss man über Corona sprechen – die Pandemie war für Florett eine Zäsur und zugleich auch eine Chance. Als der Schuhhandel schließen musste, die Sanitätshäuser aber weiterhin ihre Kunden und Patienten versorgen konnten, zeigte sich, dass die Ausrichtung auf mehrere Standbeine goldrichtig war. „Gerade im Sanitätshausbereich sehen wir viel Potenzial“, betont Geschäftsführerin Sarah Schubert. Als Vorteil erwies sich, dass Florett, so Schubert, „klein und flexibel“ ist und überwiegend in Deutschland produziert. Man habe dadurch schnell auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren können.
Für den Blick in die Zukunft hat die Geschäftsführerin und ihr Team klare Konzepte vor Augen. Der Vision „Jeder Mensch soll passende Schuhe tragen können“, fühlt man sich seit jeher verpflichtet. Und auch eine Mission erfüllt das Team: „Wir wollen Arbeit und Ertrag in Deutschland erhalten“, betont Sarah Schubert. Und neu einstellen würde sie auch gern – das Thema Personalmangel trifft den Schuhhersteller ebenso wie viele andere Betriebe. Keinen Zweifel lässt die Chefin an ihrer B2B-Ausrichtung. Für anspruchsvolle Nischenprodukte wie medizinische Schuhe benötige man persönliche Beratung, stellt sie klar. Aber auch darüber hinaus sieht sie den eigenen Onlineshop nicht als erstrebenswert an: „B2B macht einfach viel mehr Spaß!“ An seiner Messestrategie hat das Unternehmen unter Schuberts Führung – ganz im Sinne der drei Standbeine – gefeilt. Neben Schuhmessen, etwa der ANWR, stellt Florett unter anderem auch auf Altenpflegeund Endverbrauchermessen aus. „Dort bekommen wir viele wertvolle Hinweise für unsere Produkte“, erklärt Schubert.
Know-how in der Produktion
Schuhproduktionsstätten sind in Deutschland eine Besonderheit geworden. Selten hat man hierzulande Gelegenheit, Näherinnen über die Schulter zu schauen und den Rundläufer aus nächster Nähe zu beobachten. Im Florett-Werk in Cham ist das möglich. Hier stehen zwei Stanzen und ein Schneidetisch, zwei Rundläufer mit 24 bzw. 18 Stationen, Näh- und Strobelmaschinen. Die ausschließlich aus Europa bezogenen Materialien, darunter spezielle gepolsterte Gewebe und Gewirke, Stretchmaterialien und auch Leder, werden im Einschichtbetrieb zu Schuhen verarbeitet. Einige der Spezialistinnen, die hier Hand anlegen, sind schon seit über 40 Jahren im Unternehmen tätig. Vom Zuschnitt der Schaftteile bis zur aufwändigen Endkontrolle und Verpackung finden alle Arbeitsschritte in der Produktionshalle statt. In rostroten Kisten werden Schaftteile und Komponenten von Arbeitsschritt zu Arbeitsschritt transportiert. Was auf den Außenstehenden unstrukturiert und chaotisch wirkt, basiert auf einem ausgeklügelten System, bei dem jedes Element sitzt.