Der Anfang, sagt Sarah Schubert, sei nicht leicht gewesen. Einige Monate hatte sie mit dem langjährigen Geschäftsführer zusammengearbeitet, bevor dieser in den Ruhestand ging. „Ich habe viel zugeschaut und zugehört. Und als ich dann als Geschäftsführerin verantwortlich war, bin ich an die Umsetzung meiner Ideen gegangen.“ Natürlich, sagt sie, habe es Bedenken gegeben: „Da geht ein fast 60-Jähriger Herr von Bord und nun steht da eine junge Frau und sagt, wie sie Dinge verändern will – das hat schon einige irritiert.“ Mancher hatte anfangs Vorbehalte und lotete die Lage aus. Es gab auch Gespräche und sie habe sich im Alltagsleben erst einmal beweisen müssen. „Ich lege Wert auf Höflichkeit, Freundlichkeit und Respekt. Ich versuche es gerne erst einmal mit Charme. Aber man braucht als Geschäftsführerin auch ein gewisses Durchsetzungsvermögen“, sagt Schubert.
Heute gebe es keine Vorbehalte mehr. Im Team sei vielmehr eine „feminine Kraft“ spürbar: Sympathie mit den Schwachen, das Kümmern und Rücksichtnahme. Niemand müsse stark sein. Wenn mal was nicht gut laufe, seien die anderen zur Stelle. „Es ist wie ein warmes Nest“, ist die Geschäftsführerin überzeugt. Sie legt Wert auf Offenheit: „Es ist mir wichtiger, miteinander zu reden als übereinander.“
Sie will den Mitarbeitenden auch Raum geben, sich zu entwickeln, sie ermutigen, mehr Verantwortung zu übernehmen. Trotzdem, ist die Geschäftsführerin überzeugt, müssen gewisse Hierarchien sein. „Ich bin diejenige, die die Verantwortung trägt, und im Zweifel auch diejenige, der ein Problem auf die Füße fällt. Darum ist mir wichtig, dass ich Bescheid weiß und man meine Entscheidungen respektiert.“
Hoher Frauenanteil
Bei Florett arbeiten traditionell viele Frauen. Der Anteil weiblicher Beschäftigter in der Produktion liegt bei mehr als 90%; es sind Frauen, die in der Stepperei die Schäfte der Florett-Schuhe nähen. Einige Arbeiten, die körperlich anstrengend sind, werden von Männern ausgeführt. In der Verwaltung liegt der Frauenanteil bei mehr als 80%. Und auch die Kollektionsentwicklung ist in weiblicher Hand. Trotzdem ist Sarah Schubert klar, dass die Schuhbranche insgesamt sehr von Männern geprägt ist. Für sie liegt das auch daran, dass die so genannten MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) nach wie vor nicht sehr beliebt bei jungen Frauen sind. Und Schuhe seien zwar ein schönes und emotionales, aber eben auch ein technisches Produkt.
Sarah Schubert – zur Person
Alter: 37 Jahre
Beruflicher Background: Betriebswirtin mit Erfahrung im Einzelhandel und in der Unternehmensberatung.
Position: Geschäftsführerin des Schuhherstellers Florett seit 2020. Das Unternehmen hat 70 Beschäftigte.