Bereits 2010 starteten Thomas Reichel und Dirk Zimmermann einen Onlineshop für vegane Schuhe. Die freie Ladenfläche neben Veganz bot schließlich optimale Bedingungen für die Umsetzung eines stationären Ladens.
Profitierte Avesu anfangs stark von der Laufkundschaft des Lebensmittel-Nachbarn, freut man sich mittlerweile über zahlreiche Stammkunden und Touristen, die den Schuhkauf bei diesem spezialisierten Einzelhändler auf ihre Berlin-To-do-Liste gesetzt haben. “Einige unserer Kunden tragen ihre Einstellung zu veganem Leben offensiv zur Schau, andere interessieren sich besonders für ökologische Gesichtspunkte, wieder andere haben zum Beispiel eine Allergie gegen Chromsalz oder bestimmte Farbstoffe”, erklärt Reichel, der seit vielen Jahren vegan lebt und gut in der Szene vernetzt ist.
Tatsächlich geht der Anspruch von Avesu weit darüber hinaus, nur lederfreie Produkte anzubieten. ‘Vegan’ ist das wichtigste Auswahlkriterium, zusätzlich legen die Macher Wert auf Recycling-Konzepte, nachhaltige Unternehmen und fair hergestellte Produkte. Schön aussehen sollen die Modelle natürlich auch. “Da wird die Auswahl schon deutlich geringer. Man muss suchen und genau recherchieren”, berichtet Reichel.
Genug Alternativmaterialien
Fast 30 Marken zählen heute zum Sortiment des längst aus der Nische entwachsenen Konzepts. “Der Markt wurde bislang sehr spärlich bedient und unsere Idee deshalb dankbar angenommen”, erklärt Reichel. “Unsere Kunden geben uns Tipps und auch die Marken aus diesem Bereich sind sehr offen für Anregungen.” Ob Hanf, recycelte Autoreifen, Kork oder PU – die Palette der Alternativmaterialien ist breit gefächert und auch ästhetisch bedient Avesu unterschiedlichste Geschmäcker.
Marken wie Veja, Grand Step Shoes oder Simple Shoes bieten Sneaker und Casual-Styles, Good Guys aus Frankreich setzt in diesem Sommer auf hippe Pastelltöne. Businessschuhe mit Brogue Details, Chelseas, Desert Boots oder Schnürstiefel liefert Vegetarian Shoes, ein Unternehmen aus England, das seit 1990 veganes Schuhwerk herstellt. Das modische Ende bedienen Wedges und Sandalen von Beyond Skin oder Highheels und Pumps von NAE. Mit dem Newcomer aus Portugal präsentierte sich Avesu im Rahmen der Berlin Fashion Week 2013 beim Lavera Showroom auf dem Laufsteg und erntete positives Feedback der Zielgruppe.
Kindersegment wird verstärkt
Zwischen 50 und 250 Euro kosten die Modelle, aktuell suchen die beiden Macher nach Accessoires und Marken, die das Kindersegment verstärken können. “Die Suche nach Kinderschuhen, die alle unsere Kriterien erfüllen, gestaltet sich schwierig. Vegan sind einige, aber die werden dann unter anderem in China produziert. Das kommt für uns nicht in Frage”, erklärt Reichel.
Konsequenz ist sicherlich ein wichtiger Aspekt für den Erfolg von Avesu. Ab Sommer werden Waren vom Lager in Pankow mit einem Lastenfahrrad in die Filiale transportiert. Das Ladenlokal befindet sich in einem Niedrigenergiehaus, man bezieht Ökostrom, der Webshop ist CO2-neutral, der Versand klimafreundlich. Auch bei der Einrichtung wurde nichts dem Zufall überlassen: Regale und Wandelemente stammen von Vollholzgut, einer Tischlerei, die sich auf die Verarbeitung regionaler Hölzer spezialisiert hat.
Besonders bei Zubehör wie Einlegesohlen und Pflegeprodukten gestaltete sich die Suche nach Lieferanten aber schwierig. “Viele haben uns belächelt, positiv hat uns dann Collonil überrascht. Der Chemiker des Unternehmens hat sich Zeit genommen und uns eine detailierte Liste der Zusatzstoffe geschickt”, erklärt Reichel. Seitdem findet man veganes Pflegemittel ohne Lanolin und Bienenwachs im Portfolio.
Zimmermann und Reichel sehen im Handel mit veganen Schuhen einen Markt mit enormem Wachstumspotential. Der Ausbau des Webshops von Deutschland und Österreich auf weitere europäische Länder steht auf der Agenda, außerdem sind zwei weitere Shops in Kooperation mit Veganz geplant. So eröffnet im Juni ein neues Store-Konzept in der Warschauer Straße 33, im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Dabei wird die erste Etage Food gewidmet, im zweiten Stock erwartet die Kunden ein erweitertes Schuhsortiment. Für den Spätsommer schließlich steht die Eröffnung eines Shop-in-Shop-Konzepts in den Phönixhöfen in Hamburg-Altona an.