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Jedes Jahr das gleiche Ritual. Wie Wunderkerzen und Luftschlangen gehören die guten Vorsätze zum Jahreswechsel dazu. Absichtserklärungen haben Hochkonjunktur, Optimismus ist angesagt. Auch für die Schuhbranche hat am 1. Januar ein neues Jahr begonnen. Doch vielen Akteuren fällt es schwer, zuversichtlich auf die nächsten Monate zu blicken. Zu schmerzhaft ist der Blick auf die Zahlen der H/W-Saison, als dass die vergangenen Monate einfach ausgeblendet werden könnten. Kaum Frequenz, leere Kassen, April-Wetter im Dezember. Der milde Winter sei wie ein Tsunami über die Modebranche hereingebrochen, sagte kürzlich Thomas Rasch vom Verband der deutschen Modeindustrie GermanFashion. Die miese Umsatzentwicklung der vergangenen Monate hat die Ausgangslage der Branche für 2016 in der Tat dramatisch verschärft. Die Gefahr, vom Markt abgehängt zu werden, ist nochmals gestiegen.
Einfache Lösungen? Fehlanzeige!
Bedrohlich aus Sicht der Branche ist vor allem das zunehmende Desinteresse vieler Kunden an Schuhen und Mode. Als Statussymbol haben Schuhe vorerst ausgedient. Für das neue Smartphone oder Reisen in nahe und ferne Länder wird gerne und viel Geld ausgegeben. Geld, das an anderer Stelle eingespart wird, etwa im modischen Handel. Der Anteil von Bekleidung und Schuhen an den privaten Konsumausgaben ist in den letzten Jahren massiv gesunken. Dies ist auch eine Folge der Expansion vertikaler Konzepte wie H&M und Zara, die gekonnt modisch-aktuelle Ware zum kleinen Preis vermarkten.
Hinzu kommt die stetige Entwertung des Produktes Schuh durch Rabattaktionen zur Unzeit. So entzieht sich die Branche selbst ihre Basis. „Wir haben das Vertrauen der Konsumenten weitgehend verspielt und damit auch die Lust auf das Produkt als solches gleich mit“, erklärte Lloyd-Geschäftsführer Andreas Schaller im Rahmen der schuhkurier-Umfrage zu den Aussichten 2016. Es fehle bei den Kunden das positive Gefühl, sich mit Mode und Schuhen etwas Gutes getan zu haben. Dagegen überwiege die Unsicherheit, möglicherweise zu viel für ein Produkt gezahlt zu haben, das eventuell nur wenige Tage später mit einem Preisnachlass von 30% und mehr angeboten wird.
Daraus folgt ein guter Vorsatz für 2016 und darüber hinaus: Mehr Wertschätzung und Wertschöpfung für Schuhe schaffen! Noch mal Andreas Schaller: „Das wird kein Prozess über eine Saison oder ein Jahr sein. Das wird einen längeren Zeitraum benötigen. Wenn wir jedoch nicht bald beginnen, wird es immer schwieriger, das Rad zurückzudrehen.“ Die zahlreichen Messen und Veranstaltungen der kommenden Wochen bieten viele Gelegenheiten für konstruktive Gespräche zwischen Handel und Industrie. Diese Chance gilt es zu nutzen. Schließlich müssen nicht alle guten Vorsätze zwangsläufig Ende Januar wieder in Vergessenheit geraten sein.