Schuhhersteller aus Neustadt/Wied

Birkenstock will Amazon nicht mehr beliefern

Der Schuhhersteller Birkenstock aus Neustadt/Wied sowie die mit ihm verbundenen Unternehmen haben ihren Vertrag mit dem Onlineshop Amazon EU S.à.r.l. gekündigt. Ab dem 1. Januar wird Birkenstock keine Produkte mehr an Amazon liefern. schuhkurier fragte bei dem Schuhanbieter nach.

In Schreiben an Mitarbeiter und Handelspartner teilen die Birkenstock-Chefs Oliver Reichert und Markus Bensberg mit: „Wir haben beschlossen, zum 1. Januar 2018 die direkte Belieferung von Amazon in Europa komplett einzustellen.“

Damit folgt ein weiterer Schritt des Schuhherstellers, nachdem man bereits, wie schuhkurier berichtete, im Sommer 2016 eine Beendigung der Geschäftsbeziehung zu Amazon in den USA angekündigt hatte. In Kraft getreten war diese Maßnahme im Januar 2017. „Der Amazon Marktplatz, der als ’offener Markt‘ operiert, schafft eine Umgebung, in der wir inakzeptable Geschäftspraktiken, die unsere Marke gefährden, beobachten“, erklärte 2016 David Kahan, CEO von Birkenstock USA.

Auch jetzt argumentiert der Schuhhersteller, dass Amazon nicht genug für den Schutz der Marke Birkenstock unternehme. Auf dem von Amazon betriebenen Marketplace sei es zu einer Reihe von Rechtsverstößen gekommen, die der Plattformbetreiber nicht aus eigenem Antrieb verhindert habe. Man habe mehrfach beanstandet, dass dort wiederholt minderwertige Produktfälschungen angeboten wurden, die Markenrechte von Birkenstock verletzten und Verbraucher über die Herkunft der Waren täuschten. Das „Angebot von Produktfälschungen“ bei dem Onlineanbieter widerspreche einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Es habe seitens Amazon jedoch keine verbindliche Erklärung dahingehend gegeben, dass Nachahmungen künftig nicht mehr auf dem Online-Marktplatz angeboten werden. Stattdessen sei es in den letzten Monaten zu weiteren, „anders gearteten Rechtsverstößen“ gekommen, die Amazon nicht proaktiv verhindert habe, so Birkenstock weiter.

Auf Nachfrage von schuhkurier erklärte Jochen Gutzy, Head of Communications bei Birkenstock: „In einer normalen Geschäftsbeziehung wäre spätestens nach dem Schritt von Birkenstock in den USA der Punkt gekommen, an dem Amazon sein Verhalten überdenkt, reagiert und auf den bisherigen Vertragspartner zugeht. Dem war aber nicht so. In den USA hat Amazon im Sommer versucht, unseren Lieferstopp zu umgehen und sich bei anderen US-Händlern mit Ware einzudecken, anstatt die von uns beanstandeten Rechtsverstöße ursächlich zu beseitigen.“

Amazon: „Wir dulden keine gefälschten Produkte“

Gegenüber schuhkurier erklärte Amazon, die Beziehungen zu seinen Geschäftspartnern nicht kommentieren zu wollen. Man dulde keine gefälschten Produkte „und deren Angebot auf Amazon Marketplace ist laut unseren Teilnahmebedingungen nicht erlaubt“, so das Unternehmen. „Erlangen wir Kenntnis über eine Ware, die gegen unsere Teilnahmebedingungen verstößt, entfernen wir das Produkt umgehend und ergreifen entsprechende Maßnahmen gegenüber dem Verkäufer.“ Man arbeite eng mit Herstellern zusammen, um den Schutz ihrer Marken weiter zu stärken.

Weitere Informationen zum Thema sowie Statements von Birkenstock lesen Sie in der kommenden Ausgabe von schuhkurier. 

 
Petra Salewski / 10.12.2017 - 09:19 Uhr

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