Der BTE Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren appelliert an die Bundesregierung und die EU, umgehend wirksame und konsequente Maßnahmen gegen den massenhaften Import schadstoffbelasteter Billigware über asiatische Onlineplattformen wie Temu und Shein zu ergreifen.
Der stationäre Modehandel stehe infolge anhaltender Konsumzurückhaltung, dauerhaft hoher Energiepreise und einer stetig wachsenden Bürokratielast bereits unter erheblichem Druck, teilt der Verband mit. Hinzu kämen zunehmende Wettbewerbsverzerrungen durch Onlineplattformen aus Drittstaaten, die sich systematisch und folglich bewusst der Einhaltung europäischer Produkt-, Umwelt- und Verbraucherschutzstandards entzögen. Der regelkonform arbeitende Handel bleibe schutzlos zurück und werde faktisch von Politik und Aufsichtsbehörden im Stich gelassen.
Untersuchungen und Recherchen belegten, dass über Plattformen wie Temu und Shein Textilien, Schuhe und Accessoires mit erhöhten Konzentrationen gesundheitsgefährdender Chemikalien innerhalb der EU in Verkehr gebracht werden. Untersuchungen des Bremer Umweltinstituts zeigten, dass 25 von 31 geprüften textilen Produkten die Grenzwerte der EU-Chemikalienverordnung REACH überschritten.
„Es ist eine Farce, wenn Plattformen wiederholt Lippenbekenntnisse zur Einhaltung europäischer Produktstandards abgeben, während gleichzeitig erhebliche systematische Verstöße festgestellt werden“, äußert BTE-Präsident Mark Rauschen. Denn trotz wiederholter öffentlicher Kritik reagierten Onlineplattformen wie Temu und Shein erst nach dem Aufdecken erheblicher Produktmängel und unter öffentlichem Druck. „Dies ist ein Zustand, der nicht länger hingenommen werden kann – die Grenze ist überschritten und es stellt sich die Frage, wie oft solche Zusagen noch folgenlos bleiben sollen“, so Rauschen.
Die von den Plattformen mitunter angeführten Hinweise, beanstandete Produkte weltweit von ihren Verkaufsportalen entfernt zu haben, sowie die vermeintlichen Zusicherungen einer Stärkung der Mechanismen zur Durchsetzung von EU-Produktstandards blieben aus Sicht des BTE völlig wirkungslos. „Ein Geschäftsmodell, das ausschließlich nach öffentlichem Druck reagiert, kann keinen verlässlichen Verbraucher-, Gesundheits- sowie Umweltschutz – entsprechend den hohen EU-Standards – gewährleisten.“
Vor diesem Hintergrund begrüßt der BTE, dass die Europäische Kommission nach dem Skandal um rechtswidrige Produkte auf der Plattform Shein Konsequenzen gezogen hat. „Mit der Einleitung eines Verfahrens auf Grundlage des Digital Services Act wird das notwendige Signal gesetzt. Gleichwohl handelt es sich dabei nicht um einen Selbstläufer“, so Rauschen. Aus Sicht des BTE seien konsequente Kontrollen bei der Einfuhr von Waren auf den EU‑Markt und damit eine deutlich stärkere Marktüberwachung sowie die Schließung bestehender Regulierungs‑ und Vollzugslücken sowohl auf nationaler als auch auf europäischer Ebene erforderlich. Vor diesem Hintergrund setzte sich der BTE bereits für die frühzeitige Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze ein und fordert nun eine schnelle und konsequente Umsetzung ohne Ausnahmen.