Blauer Engel, Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, EU-Entwaldungsverordnungen… Es gab reichlich Themen zu besprechen, und rund 100 Personen aus der Branche waren der Einladung von Cads nach Pirmasens gefolgt, um genau das zu tun.
Mehr als zehn Vorträge warfen Schlaglichter auf einzelne Aspekte des übergeordneten Themas Nachhaltigkeit in der Schuhbranche.
Die Rolle, die Cads für das Business rund um den Schuh spielt, wurde bei der Mitgliederversammlung in Pirmasens mehrfach betont. „Wir haben mit Cads die richtige Plattform gefunden, indem wir den Handel, die Industrie zusammengebracht haben, um gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Wir haben viele Projekte schon auf den Weg gebracht. Wir sind dabei, uns neu zu strukturieren und die aktuellen Herausforderungen anzugehen“, erklärte der Cads-Vorsitzende Andreas Tepest. Auch aus diesem Grund habe man viele Vorträge zu aktuellen Entwicklungen aus Brüssel geplant. Der Wille, nachhaltiger zu werden, sei da. „Was man aber der Politik ans Herz legen muss, ist, dass man ein T-Shirt und einen Schuh nicht gleich behandeln kann. Dafür brauchen wir Unterstützung fachlicherseits, aber auch über die Verbände, und daran sollten wir gemeinsam arbeiten.“
Zum Auftakt hatte es sich der Pirmasenser Oberbürgermeister Markus Zwick nicht nehmen lassen, die Gäste im Forum Alte Post zu begrüßen. Der Schuh habe Pirmasens groß gemacht; bis Mitte der 70er-Jahre habe man goldene Zeiten erlebt, blickte er zurück. Der Wegfall der Schuhproduktion aus Deutschland im Zuge der aufkommenden Globalisierungen habe aber auch Herausforderungen mit sich gebracht. Zehntausende Arbeitsplätze gingen verloren, es gab lange Zeit kaum Alternativen, und junge Menschen wanderten ab. Die Stadt schrumpfte um ein Drittel und musste sich neu erfinden. Heute habe sich die Stadt weitgehend erholt, es gebe einen breiteren Branchenmix und erfolgreiche Unternehmen – Champions – in der Region. Inzwischen wachse das Mittelzentrum Pirmasens wieder und überzeuge durch kurze Wege und eine attraktive Umgebung. „Pirmasens ist eine Stadt im Aufschwung“, so Zwick. Dabei sei das Thema Schuhe sei weiterhin zentral für Stadt und Region. „Das Wissen um die moderne Schuhproduktion wird auch hier weitergetragen“, durch die Deutsche Schuhfachschule, die Hochschule, das PFI und das ISC – und zahlreiche Unternehmen der Branche. „Wir haben den Schuh im Blut“, schloss Markus Zwick.
Andreas Tepest betonte, dass auch Cads eng mit der Schuh-Stadt verbunden ist: 2007 war in Pirmasens ein Leitfaden für die Lederhersteller erstellt worden, um die Chrom IV-Problematik in den Griff zu bekommen. Nach wie vor gebe es regelmäßige Veranstaltungen und Treffen in der pfälzischen Stadt.
Der HDS/L-Vorsitzende Carl-August Seibel war ebenfalls bei der Mitgliederversammlung dabei, denn viele HDS/L-Mitglieder engagieren sich auch bei Cads: Für uns ist Cads ein ganz wichtiges Tool.“ Themen wie Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft und alles rund um Schadstoffe nähmen an Bedeutung zu – „sie beschäftigen uns massiv“, so Seibel. Einfach Schuhe machen und schauen, was passiert, das sei angesichts gigantischer Müllberge nicht möglich. Der Verband arbeite daher an einer Studie, um das Thema Kreislaufwirtschaft anzugehen. Damit soll auch die Gesetzgebung im Sinne der Branche begleitet werden. Ziel müsse es sein, Nachhaltigkeit vernünftig und im Rahmen der Möglichkeiten in den Blick zu nehmen. Auch dafür sei Cads als Plattform wichtig.