Thomas Zumnorde, Schuhhändler aus Münster, will die Entscheidung des Lieferanten rational betrachten. „Die Art und Weise, uns als Händlern mit einem pauschalen Schreiben mitzuteilen, die Produktkategorie ’Merino Runners‘ künftig nicht mehr ordern zu können, hat mich sehr erschrocken. Die Kommunikation ist eine Katastrophe und der Zeitpunkt ein absolutes Unding. Wir streben weiter eine Zusammenarbeit mit dem Unternehmen an und halten es für möglich, dass hier das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Denken wir an den Kofferhersteller Rimowa. Das Unternehmen ist vor einigen Jahren ähnlich vorgegangen. Dennoch führen heute auch einige stationäre Händler weiter das Fabrikat.“
Einen empörten Beitrag formuliert Schuhhändler Ingo Hänel aus Römerstein: „Es ist an Frechheit wohl kaum zu überbieten, was sich da Schwarz auf Weiß auf unseren Schreibtischen eingefunden hat. Mit Plattitüden wird politisch korrekt umschrieben, wie man ab sofort (!) den großen Reibach ohne den Einzelhandel machen wird. Ohne den Einzelhandel, der das Produkt dieses Herstellers über Jahre konsequent aufgebaut und einen großen Teil zu dem Erfolg beigetragen hat. Der Handel hat in dieses Produkt investiert, hat es breit und tief in die Regale gestellt, hat eigene Werbung auf allen Kanälen für das Produkt gemacht, hat Verkaufspersonal geschult und gegebenenfalls auch mit eigenem Zuschuss das Verkaufspersonal mit diesen speziellen Sneakern ausgestattet, damit das Produkt am POS noch sichtbarer und glaubhafter ist. Der Handel hat dem Produkt eine hohe Exklusivität gewährt und andere – bestimmt nicht schlechtere, vergleichbare – Produkte aus den eigenen Regalen ferngehalten. Der Handel hat ’die Story erzählt‘, hat den Endkunden mit dem sehr ungewohnten Material zusammengebracht, hat Emotionen rübergebracht und Begehrlichkeiten geweckt.
So, und jetzt kommt dieser Hersteller und nimmt das Produkt dem Einzelhandel ausnahmslos mit einer Frist von wenigen Tagen weg – aus fadenscheinigen Gründen, die keine Sekunde einer genaueren Prüfung standhalten. Ehrlich wäre: „Es ist einfach: Ich streiche Eure Handelsspanne ein und kann davon (und damit) gut leben. Danke für’s Aufbauen und Bekanntmachen!“ Aber nein, es werden tollste Floskeln bemüht, um diese Entscheidung mit hohlen Phrasen als notwendig darzustellen.
Was dem Ganzen noch die Krone aufsetzt: Der gleiche Hersteller hofft auf ’satte‘ Vororder in einem anderen Segment. So kann und darf nicht mit dem Einzelhandel umgegangen werden! Egal ob in schlechten oder guten Zeiten. Diese bodenlose Geringschätzung für den Einzelhandel gehört in den Orderbüchern beantwortet. Ein jeder möge für sich entscheiden, wen er als verlässlichen Partner ansieht. Ich für meinen Teil würde mir wünschen, dass der deutsche Schuhhandel hier mit einer Stimme spricht. Ich jedenfalls sehe ab sofort ein sehr ’ovales Limit‘ vor.“