In New York demonstriert der kanadische Schuhfilialist Aldo seit kurzem eindrucksvoll, wie stationärer und Onlinehandel sinnvoll und kundenfreundlich verknüpft werden können. Mitte August eröffnete im Westfield World Trade Center der so genannte Connected Store. ’Connected‘ – also ’verbunden‘ – wird in diesem Geschäft ebenso konsequent wie cool umgesetzt. Und zwar stets am Kunden orientiert. „Unser Ziel ist es, Kunden auf Kanälen anzusprechen, die sie als persönlich und relevant betrachten“, sagt Marketing Chef Erwin Hinteregger zur Philosophie. Es sei zur Normalität geworden, dass sich Kunden fließend zwischen stationär und online bewegen, fügt Grégoire Baret, Senior Director im Omnichannel Sektor bei Aldo, hinzu.
Vielleicht ist es gerade das, was Aldo so zukunftsweisend macht: Die vollkommene Orientierung am Kunden und dessen zunehmender Neigung, sich nun einmal ’hybrid‘ zwischen den Kanälen zu bewegen.
Egal wo sich die schuhinteressierte Dame beispielsweise gerade befindet und mit welchem Medium sie ausgestattet ist, der Kontakt zum Aldo-Store ist immer und überall möglich. Sie wird beim Betreten des Einkaufscenters per Pushmeldung auf die Aldo-App hingewiesen und, wenn sie mag, schon eine Vorauswahl treffen, die dann im Store für sie bereitgehalten werden. Touch Screens im Geschäft bieten die Möglichkeit, auf weitere Modelle zuzugreifen – Stichwort Regalverlängerung. Und man beschränkt sich nicht allein auf Schuhe, sondern bietet auch Outfits und Lifestyle-Themen zur Inspiration an.
Was hier so selbstverständlich, fast spielerisch klingt, ist in Wahrheit harte Arbeit und permanente Bewegung. Ein Omnichannel-Ansatz, wie Aldo ihn praktiziert, ist nicht einmal schnell erarbeitet und behält dann seinen Status Quo. Wer sich auf ein solches Konzept einlässt, muss flexibel bleiben und permanent auf neue Entwicklungen reagieren können. Nun könnte man abwinken und sich sagen, dass ein Filialist mit über 2.000 Geschäften in 95 Ländern weltweit wohl eine andere Hausnummer ist als der kleine Händler mit vielleicht zwei Geschäften am Niederrhein. Und sicher ist es auch richtig und sinnvoll, nicht im Digitalisierungswahn das Kind mit dem Bade auszuschütten, sprich Angebote aufzubauen, die der Kunde (noch) gar nicht will.
Die Aldo Story sollte aber dazu inspirieren, sich nicht nur Gedanken über Digitalisierungsthemen zu machen, sondern diese auch in konkrete Formen zu gießen. Praxis statt Theorie! Die Verbundgruppen ANWR und Sabu befassen sich derzeit intensiv mit diesen Zukunftsfragen. Und gehen dazu über, konkrete Konzepte und Lösungen anzubieten. Dafür sollte – nein, muss – man sich als Händler interessieren. Und auch den Kunden, sein Verhalten und seine Wünsche genau im Blick behalten. Die entscheidende Frage lautet nicht: Was bringt mir das? Sondern: Was will mein Kunde?
Kommentar aus schuhkurier 34/2016