40 % der an der HDS/L-Konjunkturumfrage teilnehmenden Unternehmen erwarten, dass ihre Umsätze im Jahr 2026 auf dem Niveau von 2025 bleiben werden. Für Stabilität sorgt das internationale Geschäft. Jedes zweite Unternehmen plant für 2026 im Exportgeschäft auf dem Niveau des Vorjahres. Die Unternehmen der Branche sehen sich mit einer Vielzahl von Geschäftsrisiken konfrontiert, die die Wirtschaftstätigkeit erschweren. Die Binnennachfrage wird von drei von vier Unternehmen als größtes Risiko genannt. Auch die Bürokratie spielt eine entscheidende Rolle: 70 % der Unternehmen betrachten die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens in den nächsten sechs Monaten. Darüber hinaus stellen steigende Arbeitskosten für die Hälfte der Unternehmen ein weiteres großes Geschäftsrisiko dar.
Gleichzeitig können sich für die Branche sowohl im Inland als auch international gute Chancen ergeben. Der Inlandstourismus setzt seinen Aufwärtstrend fort. Im Jahr 2025 verzeichneten die Beherbergungsbetriebe insgesamt 497,5 Mio. Übernachtungen. Dieser Wert liegt 0,3 % über dem bisherigen Rekord von 465,1 Mio. Übernachtungen im Jahr 2024. Auch im Luftverkehr setzte sich der robuste Wachstumskurs im Jahr 2025 fort. Von Januar bis November 2025 nutzten 204,06 Mio. Passagiere deutsche Flughäfen. Dies entspricht einem Anstieg von 3,5 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dennoch liegt das Passagieraufkommen weiterhin 12,5 % unter dem Niveau von 2019.
Geopolitische Unsicherheiten und zunehmende Handelskonflikte führen zu einer weiteren Zurückhaltung bei Käufen und Investitionen. Ein Drittel der befragten Unternehmen der Branche plant, in den nächsten zwölf Monaten keine Investitionen zu tätigen. Neue Impulse könnten Freihandelsabkommen mit dynamischen Wirtschaftsregionen der Welt wie Indien und Indonesien bringen. Diese Freihandelsabkommen seien wichtiger denn je. Nach dem politischen Abschluss der Verhandlungen zwischen der EU und Indien müssen nun zügig die nächsten Schritte unternommen werden, damit das Abkommen so schnell wie möglich in Kraft treten kann. Handelsabkommen können Unternehmen jedoch nur dann zugutekommen, wenn sie ausgewogen und fair sind.
Zahlreiche Initiativen im Rahmen des EU-Green Deal hätten praktische Mängel sowie massive bürokratische Auflagen offenbart. Die Verschiebung der EU-Entwaldungsverordnung sei ein notwendiger Schritt, um kurzfristig Entlastung zu schaffen. „Unternehmen brauchen endlich Planungssicherheit, praktikable Regeln und eine Reduzierung auf das absolut Notwendige“, fordert HDS/L-Hauptgeschäftsführer Torben Schütz. Die Schuh- und Lederwarenindustrie formuliert klare Erwartungen an die europäischen und deutschen Entscheidungsträger: Der Bürokratieabbau dürfe nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben, sondern müsse entschlossen umgesetzt werden. Auf Bundesebene in Deutschland müssten endlich konkrete Maßnahmen auf die Ankündigung des nicht realisierten „Reformherbstes“ folgen, damit Unternehmen neuen Handlungsspielraum gewinnen.
Trotz der angespannten Wirtschaftslage drängten bestimmte asiatische Unternehmen weiterhin ungehindert über Online-Plattformen in den Binnenmarkt. Ihre Produkte gelangen oft ohne behördliche Kontrollen zum Endkunden. Für lokale Unternehmen gibt es keine gleichen Wettbewerbsbedingungen. Um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten, müsse eine rechtliche Verantwortung für Unternehmen geschaffen werden, die Produkte direkt an Verbraucher innerhalb der EU verkaufen, und es müssten auch Haftungs- und Versicherungsanforderungen für Unternehmen aus Drittländern eingeführt werden. Vor kurzem hat die EU-Kommission eine Untersuchung gegen Shein im Rahmen des Digital Services Act (DSA) eingeleitet. Das Verfahren der Europäischen Kommission im Rahmen des DSA müsse zügig abgeschlossen werden.