Mit Cads hat der HDSL vor Jahren eine Initiative gegründet, die den Unternehmen vor allem dabei helfen sollte, möglichst schadstofffreie Schuhe zu fertigen und Standards für eine saubere Schuhproduktion zu entwickeln.
Heute befasse sich Cads vorranging mit den Auswirkungen der EU-Lieferkettenverordnung und des EU-Greendeals und bereite die Unternehmen darauf vor, erläuterte der HDSL-Vorsitzende Carl-August Seibel am 24. Januar in Frankfurt.
Dabei stehe das Thema Nachhaltigkeit ohnehin ganz oben auf der Agenda des Verbandes: Beispielsweise werde der Komplex Kreislaufwirtschaft aktuell im Rahmen eines Forschungsprojekts, an dem auch das PFI und das ISC in Pirmasens beteiligt sind, vorangetrieben.
Insgesamt sieht sich der Verband einer zunehmenden Überregulierung ausgesetzt: „Es werden neue Verordnungen der EU kommen, von der Ökodesignverordnung über die Entwaldungsverordnung bis hin zur EU-Lieferkettenverordnung. Auch das steht uns bevor und das wird, das muss das Produkt verteuern“, so Seibel.
Das EU-Lieferkettengesetz, das aktuell kurz vor der Einführung steht, beschäftigt die Unternehmen der Schuhindustrie. Letzte Appelle von Industrieverbänden an die Politik würden wohl verhallen, so fürchtet man beim HDSL. Dann komme, so die einhellige Meinung beim Verband, ein Bürokratiemonster auf die Unternehmen zu.
Jens Beining (Wortmann) warb für die Position der Industrie: „Familiengeführte Unternehmen sind per se nachhaltig, weil sie sparsam mit Ressourcen umgehen.“ Die EU-Lieferkettenverordnung sei nicht zielführend im weltweiten Wettbewerb: „Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht total aus dem Business schießen und Shein und Temu das Business machen.“ Jeder Unternehmer in der deutschen Schuhindustrie halte sich an Menschenrechte, viele der aktuell diskutierten Themen würden von den Unternehmen bereits angegangen, auch ohne das möglicherweise kommende Gesetz.
HDSL-Hauptgeschäftsführer Manfred Junkert erläuterte, dass es zunehmend schwierig sei, in Brüssel für die Position der mittelständischen Unternehmen Gehör zu finden. Hinzu komme, dass sich Deutschland als größter EU-Markt bei entsprechenden Entscheidungen der EU oft enthalte, weil die Ampelkoalition keine klare Position finden könne. „Das ist fatal, wenn der größte Markt sich enthält“, so Junkert.