Klima, Wirtschaft, Energie – alles befindet sich derzeit im Umbruch. Wie nehmen Sie vor diesem Hintergrund die Stimmung bei Ihren Kunden wahr?
Jutta Blocher: Wir hören schon einige Klagen über mangelnde Frequenz; und natürlich hat die Verunsicherung, die wir generell bei den Verbrauchern erleben, auch Auswirkungen auf die Storebetreiber. Manchmal nehme ich sogar eine gewisse Ratlosigkeit in Gesprächen über mögliche Maßnahmen, die in dieser Situation zu ergreifenden wären, wahr. Viele unserer Klienten blicken jedoch auch positiv in die Zukunft.
Wie erleben Sie die Investitionsbereitschaft?
Ich erlebe sie ebenso zwiegespalten, wie ich die Stimmung im Einzelhandel gerade beschrieben habe. Einerseits gibt es Unternehmen, die in der aktuellen Situation nicht über das Kapital verfügen, um Umbauten oder Renovierungen durchzuführen; auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Händler, die die Initiative ergreifen. Tatsache ist: Auch in diesen Zeiten werden ambitionierte Projekte umgesetzt, wie etwa die 200 qm große Herrenschuhabteilung, die wir für den Luxusmodehändler Braun Hamburg mit einem auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittenen und höchst innovativen Konzept gestaltet haben.
Was genau zeichnet den innovativen Ansatz aus?
Aufgabenstellung war nicht weniger als eine Revolutionierung des Einkaufserlebnisses für den Mann. Genießen, sich wohlfühlen, sich verwöhnen lassen sind die wesentlichen Aspekte. Vor diesem Hintergrund haben wir unter Einbeziehung der wohnlichen Elemente eines exklusiven Ankleidezimmers mit warmen und dunklen Blau- und Rottönen, anspruchsvollem Mobiliar und Paravents aus Nussbaumholz einen Wohlfühl-Raum geschaffen. Man kann dort Ruhe finden und, wenn man will, die Zeit vergessen, ohne den Fokus – der ganze Bereich ist ja ausschließlich dem Thema Schuhe gewidmet – aus den Augen zu verlieren.
Was halten Sie persönlich an dem Konzept für besonders gut gelungen?
Den mutigen Umgang mit Farbe! Die Farben der neuen Schuhabteilung, die ja eine Erweiterung des 1.100 qm großen Bestands ist, setzen einen markanten Kontrapunkt zur bestehenden Männermode-Fläche.
Worauf kommt es im anspruchsvollen Modehandel aus Ihrer Sicht generell an?
Grundsätzlich muss auf irgendeine Art und Weise Attraktivität erzeugt werden. An erster Stelle braucht man dafür gute Produkte mit hoher Begehrlichkeit. Das ist ausschlaggebend.