So argumentieren auch Unternehmen in Deutschland und sorgen sich um ihre Wettbewerbsfähigkeit im Vergleich zu Unternehmen beispielsweise aus Asien.
In Deutschland müssen die Unternehmen etwa in der Modeindustrie die Herkunft der Produkte ausweisen. Es steht also im T-Shirt oder in der Jeans „Made in Bangladesch“ oder „Made in China“. Das ist in Italien nicht verpflichtend. Und in Europa auch nicht.
Auch die Schuhindustrie Italiens will das „Made in Italy“ als Qualitätsmerkmal verstehen und schützen…
Es ist eine eigene Marke geworden, die international anerkannt und relevant ist. Ich habe einen chinesischen Hersteller getroffen, der mir gesagt hat, er müsse in Italien produzieren, weil seine Konsumenten das „Made in Italy“ als vorteilhaft ansehen.
Wie viele Schuhe werden in Italien produziert?
148 Mio. Paar im vergangenen Jahr.
Wir sehen aktuell eine Veränderung von Sneakern hin zu Brown Shoes. Nehmen Sie diese Entwicklung in Italien ebenfalls wahr?
Die Statistik in Italien sagt, dass Sneaker weniger als 9% ausmachen. Aber wenn Sie auf die Straße schauen, sehen Sie jede Menge Sneaker. Im Restaurant oder bei Abendveranstaltungen ist das anders. Die Sneaker sind während der Pandemie aufgekommen, als alle zuhause geblieben sind. Aber jetzt wollen viele Frauen wieder eine Veränderung, sie wollen feminine Schuhe tragen. Aber sie müssen bequem sein. Daran arbeiten die Hersteller mit großem Engagement.
In der italienischen Schuhindustrie haben viele Unternehmen in den zurückliegenden Jahren den Markt verlassen. Wird dieser Prozess weitergehen?
Tatsächlich ist es in vielen Fällen nicht klar, ob die Unternehmen tatsächlich schließen oder ob sie von einer größeren Firma übernommen wurden und nun nicht mehr die Produkte ihrer ursprünglichen Marke anbieten. Es sind 200 Fabriken im vergangenen Jahr als eigene Markenanbieter aus dem Markt gegangen, aber viele von ihnen produzieren heute für Chanel und andere internationale Marken. Sie sind also nicht wirklich verschwunden.
Glauben Sie, dass die Schuhproduktion zurück nach Europa kommt?
Viele große Unternehmen denken, ja. Das wird auch politisch unterstützt. Die Unternehmen bekommen Steuervergünstigungen, wenn sie Re-Shoring betreiben. Für sechs Jahre können sie davon profitieren. Und das nutzen die Firmen auch. Es ist eine gute Sache.
Noch eine Frage zur Micam: Sie scheint kleiner zu werden. Wie sehen Sie diese Entwicklung?
Man muss das im Jahresvergleich sehen. Im September hatten wir eine fantastische Messe. Im Februar letzten Jahres sahen wir eine gewisse Ruhe im Markt, die sich auch auf die Micam auswirkte. So verhält es sich auch in diesem Jahr. Die Zahl der Aussteller ist im Wesentlichen gleich geblieben. Bei den Besuchern sehe ich im Vergleich zur Februar-Messe wenig Veränderung.