Das Wetter und der Schuhhandel – ein Abhängigkeitsverhältnis der besonderen Art. Für jede Wetterform, ob Regen, Schnee, Sonnenschein, Kälte oder Wärme, gibt es einen Wunschtermin und genaue Vorstellungen zu Intensität und Dauer. Das Problem: Nur in Ausnahmefällen hält sich das Wetter daran – siehe 2010. Im laufenden Jahr erlebt die Schuhbranche bislang das exakte Gegenteil. Laut der ERIX-Marktdatenbank lag der deutsche Schuhhandel nach der 3. März-Dekade bei aufgelaufen -15,48%.
Einer der längsten Winter in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen hat den Start in die Frühjahr/Sommer-Saison bis Mitte April verschleppt. „Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt hatten die Leute kein Interesse an Frühjahr/Sommer-Ware“, erklärt Insa Up-hoff, Schuhhändlerin aus Aurich. Leere Innenstädte und leere Geschäfte haben tiefe Löcher in den Kassenständen des Modehandels hinterlassen. „Das Minus im März war historisch. Wir haben bislang einen noch nie da gewesenen Hunger-Frühling erlebt“, sagt Fritz Terbuyken. Allerdings habe sich die Lage an den vergangenen Verkaufstagen entspannt. „Die Saison ist noch nicht verloren, durch einen guten April können wir noch einiges aufholen“, ist der Warenvorstand der ANWR überzeugt. Bereits aufgrund der beiden zusätzlichen Verkaufstage sollte eine Umsatzsteigerung möglich sein.
„Samstag war der erste gute Tag des Jahres, wir hatten bei dem schönen Wetter erfreulich viel Frequenz am Vormittag. Nachmittags war es aber zu schön, da zog es die Kunden raus in die Natur“, berichtet der Rosenheimer Schuhhändler Karl-Georg Reindl. Lange Wochen hatten die Schuhhändler auf den dringend notwendigen Kaufimpuls in Form von Wärme und Sonnenschein gewartet, endlich war er da.
Aus diesem Grund gibt auch Ralph Hanus Entwarnung. „Seit dem vergangenen Freitag läuft es im Handel. Es geht ein Ruck durch die Handelslandschaft“, sagt der Sabu-Geschäftsführer. Auch aus seiner Sicht sei es noch deutlich zu früh für eine abschließende Bewertung der Saison. „Man sollte die drei Monate März, April und Mai als Einheit betrachten. Auch in der Vergangenheit waren hier mal ein Ausreißer nach unten dabei.“ Man müsse angesichts der angespannten Lage im Handel ruhig bleiben, empfiehlt Karl-Georg Reindl. „Die Welt ist noch nicht untergegangen, aber es trennt sich die Spreu vom Weizen.“
Die Lage ist angespannt
„Nach den ersten Monaten 2013 ist die Situation im Handel ohne Zweifel sehr ernst“, hat auch Matthias Reichwald, General Manager DACH von Ecco, festgestellt. „Solche witterungsbedingt schwierigen Phasen hat unsere Branche in den zurückliegenden Jahren schon mehrfach erlebt. Ich habe aber den Eindruck, diesmal sitzt der Stachel tiefer“, sagt er. Es sei bereits ein vergleichsweise langer Zeitraum mit problematischer Umsatzentwicklung vergangen. Und es stelle sich die Frage, wie diese Entwicklung in 2013 weiter geht. „Die Vorgaben aus 2012 scheinen machbar, trotzdem sind jetzt alle Marktteilnehmer gefragt, gemeinsam Kräfte zu mobilisieren.“
Das bedeute auch für Industrieunternehmen wie Ecco, im partnerschaft-lichen Sinne Lösungen zu definieren. Dazu zählt Matthias Reichwald vor allem markenrelevanten Aktivitäten, die Frequenz – und einen Mehrwert für den Endkonsumenten schaffen. „Denjenigen Händlern, die sowieso wirtschaftliche Probleme haben, haben die vergangenen Wochen doppelt weh getan“, sagt Stefan Frank, Geschäftsführer von Kennel & Schmenger. „Ein gesundes Unternehmen muss eine solche Phase wegstecken können.“
Die Ware ist richtig
Weitgehend Einigkeit herrscht in der Branche, dass der extrem schlechte Start in das Jahr 2013 keine strukturellen Ursachen hatte. „Die geringe Nachfrage war allein der Wetterlage geschuldet. An den wenigen Tagen, an denen das Wetter gestimmt hat, lief das Geschäft sehr gut“, so Peter Schöler. Dies zeige, dass es kaum noch Kunden gebe, die Schuhe „auf Vorrat“ kaufen. „Die Menschen sind es heute gewöhnt, alles sofort zu bekommen“, so Peter Schöler.
Die Ware im Handel sei richtig, bestätigt Stefan Frank, dies zeigten die Abverkäufe an den bislang wenigen sonnigen Tagen. „Es kristallisieren sich derzeit einige Themen heraus, in denen noch viel Potenzial steckt“, ergänzt Fritz Terbuyken. Dazu zählten Leinenschuhe, Sneaker sowie das Thema Farbe im Allgemeinen. Anzeichen für einen Strukturwandel in der Branche sehe er nicht. „Es war nicht allein der stationäre Handel betroffen, auch bei Zalando & Co. wurden keine Schuhe gekauft.“ Der Start in den Frühling sei einfach „super-unglücklich“ verlaufen. Rückschlüsse für die kommenden Saisons lassen sich für Fritz Terbuyken nicht erkennen: „Wir können alles planen, nur das Wetter nicht.“
Der Ausblick von Peter Schöler auf den Rest der Saison fällt nüchtern-realistisch aus: „Mehr als ein ausgeglichenes Ergebnis ist nicht mehr drin.“ Auch Insa Uphoff hat die Frühjahr/Sommer-Saison noch nicht abgeschrieben. „Wir hoffen, dass die reguläre Saison um die Wochen, die uns zum Start gefehlt haben, verlängert und wir so im Mai und Juni das dicke Minus wieder rausholen können.“ Karl-Georg Reindl sieht es dagegen kritischer: „Wir machen uns nichts vor, die Zahlen werden wir bis Ende des Jahres nicht mehr nachholen können. Spannend wird es sein, ob wir die Ware im Haus komplett verkauft bekommen. Ich bin da aber guter Hoffnung.“
Auch laut Ralph Hanus wird es zweifellos noch einige Wochen dauern, bis der Rückstand aufgeholt ist. „Die wichtigste Botschaft an den Handel lautet jetzt: Das Interesse ist da! Daher: Volle Konzentration auf die Leute, die in die Geschäfte kommen.“