…über die Schuhbranche
„Es finden große Umbrüche statt. Zunächst einmal der große Strukturbruch durch die Online-Pure Player, die durch ihre nahezu unbegrenzte Auswahl viele, viele Fachgeschäfte sehr unter Druck gesetzt haben. Das war die erste wirklich große Bedrohung. Dann kam Corona. Da sind meines Wissens nach gerade die Kleineren vom Staat gut aufgefangen worden. Das war richtig und wichtig. Aber dann gab es eine Inflation, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht erlebt haben. Das hat dazu geführt, dass die Menschen noch genauer aufs Geld gucken. Dies hat vor allem den mittleren Preisbereich im Textil- und Modehandel sehr stark getroffen – eine Riesenherausforderung. Wir bedauern auch, dass das Leben in den Innenstädten trister wird. Es ist eine Herausforderung generell für den Handel in den Innenstädten. Es wäre sehr bedauerlich, wenn immer mehr Innenstädte leblos würden, wie wir das in den USA kennen. Wir glauben, dass die Verantwortlichen der Städte einiges tun können. Und wir glauben, dass heute gemischte Nutzungen der richtige Weg sind. Der Handel allein kann die Innenstädte nicht beleben. Es müssen Kunst, Kultur, Gastronomie und auch Wohnen dazu kommen. Dann besteht eine Chance. Alle müssen sich anstrengen, damit die innerstädtische Lebensqualität, zu der auch der Einzelhandel gehört, erhalten bleibt. Man sieht im Übrigen, dass auch online die Bäume derzeit nicht in den Himmel wachsen.
…über das Trading up von Deichmann
Es ist richtig, dass wir versuchen, wie das jeder Händler tut, unsere Umsätze auch flächenbereinigt weiter zu steigern. Dazu gehört, dass wir auch die Kundenbasis erweitern wollen. Gerade im für uns oberen Preisbereich ergeben sich Möglichkeiten. Wir haben unser Markenportfolio deutlich erweitert, wir haben die Lizenz von Esprit und Bench, wir haben ein riesiges Wachstum mit den Sportmarken, haben teilweise Exklusivitäten und kreieren eigene Werbekampagnen. Und wir sind in der Tat dabei, im mittleren Segment mehr Marktanteile zu gewinnen. Diese brauchen wir, um für uns weiter Wachstum zu generieren.
…über Herausforderungen
Uns treffen die globalen Herausforderungen. Wir schauen mit einer gewissen Sorge auf die politische Situation in Asien. Insbesondere ein militärischer Konflikt zwischen China und den USA könnte schlimme Auswirkungen haben, gerade für den Schuhhandel, weil China nach wie vor ein wichtiges Produktionsland ist. Eine weitere Herausforderung ist sicherlich die politische Stabilität an verschiedenen Stellen in Europa. Die Menschen wollen Sicherheit und sich nicht sorgen müssen. Der Krieg in der Ukraine ist zwar weit weg, aber je nachdem, wie es dort weitergeht, werden wir in Westeuropa viel mehr für unsere Verteidigung ausgeben müssen. Das heißt, der Staat muss an anderer Stelle sparen. Das muss politisch durchgesetzt werden, und das kann sicher auch eine gewisse Unruhe erzeugen. Die gesamtpolitischen Konstellationen sind im Moment auch nicht erfreulich. Wenn man in die USA blickt und sieht, dass derzeit Donald Trump die Umfragen anführt… was es für Europa bedeutet, wenn er wieder Präsident wird, wie viel Unterstützung wir dann noch bekommen, das sind alles Dinge, die mich beunruhigen.