Guido Maria Kretschmer zählt zu den bekanntesten Designern Deutschlands. 2004 gründete er sein eigenes Couture-Label ‘Guido Maria Kretschmer Couture’. Kretschmer entwirft außerdem Mode für u.a. Oper, -Theater- und Filmproduktionen und war als Juror in verschiedenen TV-Formaten zu sehen. Derzeit ist er Styling-Kritiker in der Sendung ‘Shopping Queen’. Kürzlich entwarf er zudem Modelle für Högl.
Auf einer Presseveranstaltung, zu der Ebay am 9. April in die Berliner Dependance des ‘Soho House’ lud, stellte das E-Commerce-Unternehmen seine Studie ‘Die Zukunft des Handels’ und die zukünftige Fashion-Strategie vor. Der nicht zuletzt aus der Vox-Sendung ‘Shopping-Queen’ bekannte Designer Guido Maria Kretschmer hat für Ebay eine sommerlich leichte – vorwiegend textile – Kollektion für den “perfekten Weekend-Look” entworfen, die ab dem 28. Juni limitiert und nur über Ebay erhältlich sein soll.
Die Entscheidung, welcher der Entwürfe es schließlich in den Verkauf schafft, können seit dem 10. April die Besucher der Website per Online-Voting auf www.ebay.de/gmk treffen. Crowd Sourcing nennt sich dieser neue Trend zur Mitbestimmung. Allerdings steht das Design von Kretschmers Kollektion bereits fest – soweit reicht die Mitbestimmung dann also doch (noch) nicht. Aus 19 der 20 Vorschläge können elf Lieblingsartikel ausgewählt werden – das Kernstück der Kollektion, eine Weekender-Tasche (‘Mr. Big’), steht bereits fest.
Carry & Co.
Die kreative Handschrift der Kollektion erweckt Assoziationen zu ‘Sex and the City’: Das casual-elegante Design in Weiß, Mint, Taupe und Anthrazit vermittelt das Feeling der Hamptons auf Long Island/NY. Auch die Namen der einzelnen Artikel, u.a. ‘Mr. Big’ oder ‘Carry’, erinnern an die Mädels der Fernsehserie.
Die Idee zu der Zusammenarbeit entstand auf einem Flug nach New York, bei dem sich Guido Maria Kretschmers Sitznachbarin als Leonie Bechtoldt, Head of Consumer PR Germany von Ebay, vorstellte. “Die Kooperation mit Ebay reizt mich sehr, da man mit dem Crowd Sourcing-Prozess innovative Wege gehen kann – ganz im Sinne einer ‘Democratic Couture'”, so der Designer.
Mode komme Menschen nahe und es sei schön, wenn Textilien ein “zweites oder gar drittes Leben” hätten. Nicht nur aus diesem Grund schätze er Ebay, so der Designer. Vielleicht finden auch die Entwürfe aus der Kollektion ‘Guido Maria Kretschmer for Ebay’ eines Tages ihren Weg auf Ebay zurück. Für ‘Fashionistas’ sei die Kollektion sicherlich spannend, da zwar in sehr begrenzter Stückzahl (Details wurden indes nicht verraten), aber in gewohnter Qualität in Europa produziert werde.
Wer die Serie ‘Sex and the City’ besser kennt, weiß um den hohen Stellenwert von Schuhen im Leben von Carrie Bradshaw & Co. Diesbezüglich geht man bei Kretschmers Kollektion allerdings leer aus.
Ebay als virtuelle Einkaufsstraße
Die Zeiten, in denen man unter Ebay nur ein virtuelles Pendant zum Trödel- oder Flohmarkt verstand, scheinen Vergangenheit. Der Online-Marktplatz versteht sich inzwischen als ‘Einkaufsstraße im Netz’. Um dies zu erkennen, bedürfe es nur eines Mausklicks. Zwar findet sich bei Ebay auch weiterhin allerhand Kurioses, Gebrauchtes und auch Kaputtes – nicht zu verkennen ist allerdings inzwischen die klare Ausrichtung auf das Thema Fashion.
Nicht nur, dass ‘Mode’ die erstgelistete Kategorie auf der Startseite ist – inzwischen bieten großen Brands aktuelle Markenartikel auf Ebay zum Festpreis an. So zählt die Fashion-Kategorie laut Ebay in Deutschland jeden Monat 7,8 Mio. Besucher und es seien durchschnittlich 4,5 Mio. Artikel in dieser Kategorie im Angebot. ‘Mode’ habe damit 2012 zu den Kategorien mit den meisten Verkäufen gehört. Alleine im 4. Quartal 2012 habe der Wert des weltweiten Fashion-Warenumschlags 3,9 Mrd. US-Dollar betragen, so Martin Barthel, Senior Director Buyer Ebay. Er schilderte, dass auf dem deutschen Ebay-Marktplatz beispielsweise alle 15 Sekunden ein Paar Herrenschuhe, alle 20 Sekunden ein Paar Damenpumps und alle 24 Sekunden eine Damentasche verkauft werden.
Ebay sieht sich dabei nicht als Konkurrent des Handels, sondern bewusst als dessen “starker Partner.” Für ein verbessertes Einkaufserlebnis plane man ein neues Erscheinungskonzept der Fashion-Kategorie, denn hier bestehe noch Nachholbedarf. Barthel betonte, dass auch Markenwelten in eigener Brand-Identity möglich seien. Hersteller bzw. Retailer könnten ihre Onlineshops “in eigenem Look und Feel” individuell gestalten. Es sei schließlich einfacher, von Ebays Infrastruktur zu profitieren, wie zum Beispiel der Zugriffsmöglichkeit von mobilen Endgeräten, als einen Onlineshop im Alleingang zu stemmen.
Studie ‘Zukunft des Handels’
Laut einer im Auftrag von Ebay vom Marktforschungsinstitut Innofact erhobenen Studie werden derzeit ca. 62,7% der Käufe von Kleidung, Schuhen und Accessoires stationär vor Ort im Ladengeschäft erledigt. 33% entfallen auf Einkäufe über Computer, Laptop etc. und 4,3% erfolgen über mobile Endgeräte. Dieses Verhältnis werde sich in der Zukunft sehr wahrscheinlich verschieben und “das Onlineshopping dem Ladengeschäft den Rang ablaufen.”
Die Befragten gaben an, dass in zehn Jahren vermutlich bereits 37,6% der Käufe per Computer etc. und 14,7% über mobile Endgeräte abgewickelt werden. Die Studie zeige, so Martin Barthel, dass Verbraucher neuen Trends im Bereich des Modeeinkaufs offen gegenüber stünden.
Zu diesen Trends zähle neben dem erwähnten Crowd Sourcing beispielsweise die ‘virtuelle Anprobe’ und das ‘Mass Customization’. Hierbei können Produkte individualisiert werden, bevor man sie erwirbt. Auf Interesse stoße auch das ‘Visual Tagging’ als unterstützende Suchfunktion, um anhand von Fotos von Kleidung, Schuhen oder Accessoires im Schaufenster oder der Straße diese leichter online zu finden.