Hier gilt es, die Prozesse möglichst zu automatisieren sowie brachliegende Umsatzpotenziale zu heben. Dabei helfen intelligente Warenversorgungskonzepte und die Nutzung von EDI, dem elektronischen Datenaustausch. Leider sind Informationen über EDI in der Branche noch immer nicht ausreichend durchgedrungen – weder auf der Handels- noch auch auf Industrieseite (Ausnahmen bestätigen die Regel).
Dabei liegen die Instrumente bereit: Bei den WWS-Dienstleistern des Einzelhandels, in den Verbundgruppen und in der Schuhindustrie. IT-Dienstleister und EDI-Clearingcentren (wie das European Clearing Center ECC) unterstützen die Schuhbranche bei Datenkonvertierung und Automatisierung von Abläufen. Trotz dieser technischen Weiterentwicklung wird noch immer überwiegend der sog. ‘H2-Datensatz’ verwendet.
Offenbar sind die neuen, leistungsfähigeren Alternativen zu wenig bekannt. Zu viele Unternehmen auf beiden Marktseiten bewegen sich in eingefahrenen Gleisen und beschäftigen sich nach Meinung des BDSE nur unzureichend mit den neuen Chancen der integrierten Geschäftsprozesse auf Basis internationaler Datenstandards.
BDSE-Empfehlung: Der Einzelhandel sollte auf seine Lieferanten zugehen und zeitgemäße EDI-Lösungen einfordern. Diese basieren auf dem internationalen EANCOM-Format (gemäß ECR-Anwendungsempfehlung Schuhe), wie er zwischen den Marktpartnern jüngst unter der Federführung von GS1 Germany entwickelt wurde. Maßgebliche Markenhersteller arbeiteten bei der Entwicklung dieses Standards mit und sollten zwischenzeitlich in der Lage sein, ihn auch in der elektronischen Kommunikation mit Handelskunden umzusetzen.
Große Kunden wie beispielsweise Warenhäuser, aber auch größere Modehäuser mit Schuhabteilungen fordern dies seit einiger Zeit schon mit Nachdruck ein. Sie kennen den hohen Nutzen EDI-gesteuerter Prozesse aus anderen Sortiments-bereichen, insbesondere dem Bekleidungssektor. Wie die Erfahrung zeigt, ist EDI in der Schuhbranche noch immer nicht an der Schnittstelle zwischen ‘Vertrieb Lieferant’ und ‘Einkauf Handel’ angekommen. Dort herrscht weitgehende Unkenntnis und/oder mangelnde Motivation, sich mit diesen eher technisch-organisatorischen Fragen zu beschäftigen. Das Thema EDI bzw. Integrierte Geschäftsprozesse muss aber aus den IT-Abteilungen herauswachsen und über die Geschäftsleitung an die Entscheider-Schnittstelle Industrie/Handel geführt werden. Nur so erhält die Branche ausreichend vertikale Schubkraft.
Hinweis: Informationen zu EDI und Integrierten Geschäftsprozessen sind u.a. über die Verbundgruppen und IT-Dienstleister zu erhalten. Wer über den Branchenrand schauen möchte, findet anwendungsorientierte Informationen und Fallbeispiele aus dem Bekleidungsmarkt in der BTE-Fachdokumentation ‘EDI in der Modebranche’, erhältlich über www.bte.de, Rubrik ‘Veröffentlichungen/Fachdokumentationen’.