3. Produkt
Die Voraussetzung für beides sind Produkte, die funktionell, qualitativ und optisch zu 100% überzeugen. „Wir brauchen wirklich viel Funktionalität“, sagt Falk Wöhrle. „Wechselfußbett, Klettverschluss vorn und bei Sandalen auch hinten, RV statt Schnürung, mehr Auswahl an Weiten, Stretchmaterial: Wir brauchen Produkte, die Probleme lösen und gut aussehen.“ Jedes noch so kleine Plus an Komfort kann bei der Kaufentscheidung das Zünglein an der Waage sein. Bei zwei gleichermaßen passenden Modellen greift die Kundin zum „noch bequemeren“ Schuh, und schließlich entscheidet noch die Optik. Und dabei war in dieser Saison bei Schnürschuhen und Sneakern einerseits Helligkeit erfolgreich, viele Kunden haben gezielt nach weißen und hellen Schuhen gefragt. Andererseits war auch Farbe ein Top-Thema. „Farbe brachte den richtigen Impuls“, sagt Mario Budich, „wir haben ganz viel Orange verkauft, aber auch Lila, viele Pastelltöne und Rotnuancen“.
Bei Hartlmaier ging „jede Farbe, die wir da hatten“, so Maximilian Bahner. „Dunkelblau stand an erster Stelle, gefolgt von Lila, Pink und Grün“, meldet Joachim Zuber von Schuh Zierl in Regensburg. Favoriten waren vielerorts Multicolor-Sneaker. „Sneaker im Material- und Farbmix und mit kontrastierenden Sohlen liefen sehr gut“, sagt Heidi Kraft-Gell, „der Renner war ein Sneaker mit pinkfarbener Sohle, Leoprint und goldener Ferse“. Apropos Gold: Wie sieht es mit Glitzer aus? „Es darf nicht zu viel sein. Shiny Materialien ja, aber bloß keine pompösen Steine oder Ketten.“ Neue Schuhtypen wie Mokassin oder Loafer sind bis dato nur hier und da ein relevantes Thema, in Pink oder Silber etwa, allerdings funktionieren sie eher in einem modisch orientierten Umfeld. Bleibt die Frage nach offener Ware: Sandalen & Co. haben sich bisher wetterbedingt schwergetan. „80% geschlossene/20% Falk und Fanni Wöhrle, Schuh Wöhrle in Singen offene Ware“, das ist das Verhältnis beispielsweise bei Budde Schuhe, häufig ist der Sandalen-Anteil noch geringer. Viele berichten noch Anfang/Mitte Juli, dass die offene Ware „wie Blei“ in den Regalen steht. Inwieweit die Nachfrage noch an Fahrt aufnimmt, steht in den Sternen. Wenn auch der Hochsommer noch in regelmäßigen Abständen von Wolken und Regen sabotiert wird, fehlt der zwingende Bedarf, und viele Kundinnen werden den Sandalenkauf aufs nächste Jahr verschieben. Sollte die offene Ware per 31.8. nicht noch in nennenswerten Stückzahlen abfließen, werden die zu erwartenden Bestände sich auf die Order in dieser Warengruppe spürbar auswirken. Ohnehin will mancher Händler noch stärker auf geschlossene Ware setzen. Doch ob geschlossene oder offene Ware, es scheint, dass Firmenkonjunkturen gerade in dieser betont bedarfsaffinen und preissensiblen Saison ein wichtiger Umsatz-Motor sind. Bestimmte Produkte werden auf die Frage nach den Bestsellern der Saison besonders häufig genannt. Dazu gehören aktuell insbesondere Waldläufer (Renner: der Multicolor-Sneaker) sowie TBS und Softinos, deren Leichtigkeit und Luftigkeit die Komfortschuh-Klientel besonders schätzt, nachfolgend Rolling Soft (nicht zuletzt auch bei Herren) sowie Rieker.
Durchweg positiv werden übrigens Barfußschuhe besprochen, unabhängig vom Fabrikat. „Wir sind sehr überrascht, wie gut das einschlägt“, berichtet Bettina Schwundeck-Schäfer, die sich für ein in Italien produziertes Produkt in den Preislagen 179/189 Euro entschieden hat. „Wir führen sie in der ersten Saison und haben bereits 40% Abverkauf.“ Dadurch würden auch ganz neue Kunden angelockt. Was zunächst als Test gedacht war, wird sie „auf jeden Fall fortsetzen und für nächstes Jahr das gleiche Volumen disponieren“.