Schuhhändler sprechen ungern über Herren. Oder über Herrenschuhe. Während es im Damensegment von Saison zu Saison zumindest ein bisschen Bewegung gibt, lässt sich zu den Männern oft wenig sagen. Sie sind die „Sorgenkinder“, sie sparen als erstes an den Schuhen. Sie kaufen das Sneakermodell, dass sie gerade durchgetragen haben, erneut.
Einige Händler entscheiden sich sogar dafür, die Herrenschuhe ganz aus dem Sortiment zu nehmen. Erst letzte Woche berichteten wir von der Münchner Schuh-Boutique Morgantini, die sich vor einigen Jahren von Herrenschuhen verabschiedete, obwohl es sich „anfühlte, als ob man sich den kleinen Finger abschneidet“, wie Inhaber Nikolaus Meyer eindrücklich beschrieb.
Deshalb möchte ich eine Lanze für den Mann als Schuhkunden brechen. Damit will ich nicht einmal darauf hinaus, dass es natürlich auch modisch bewusstere Herren gibt. Denn selbst der klischeehafte Modemuffel-Mann ist für den Schuhhandel ein wertvoller Kunde. Er weiß, was er will. Und wenn er weiß, dass er in einem Schuhgeschäft bekommt, was er braucht, kommt er gerne wieder. Bei einigen Händlerinnen und Händlern, die wir für diese Ausgabe gefragt haben, lief das Herrenschuhgeschäft daher besonders stabil.
Bos Group-Head of Sales Peter Frericks ist davon überzeugt, dass Männer weniger auf den Preis achten: solange sie das Gefühl haben, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und sie mit dem Schuh lange zufrieden sein werden. Der neue Lizenznehmer setzt bei den PME Legend-Schuhen auf höhere Preislagen. Auch Gola spricht mit den Made in England-Schuhen und der neuen, höherpreisigen Gola 1905-Linie gezielt Herren an.
Wenn Händler den Durchschnittspreis verbessern wollen, lohnt es sich bei diesen Aussichten vielleicht doch, die Herren nicht nur als Nebengeschäft zu betrachten.