Es sind große Ziele, die die EU mit ihrer neuen Verpackungsverordnung (Packaging and Packaging Waste Regulation) verfolgt: Die Umweltauswirkungen von Kartons und Füllmaterial sollen reduziert werden. Zugleich sollen Handelshemmnisse und Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der EU aufgehoben bzw. verhindert werden. Das klingt alles gut. Aber die Realität ist, wie so oft, kompliziert.
„Ich werde keine Pakete mehr ins europäische Ausland verschicken“, klagte kürzlich eine Händlerin, die sehr erfolgreich Schuhe und Accessoires via Instagram verkauft. Sie habe keinen von der EU geforderten Bevollmächtigten in den betreffenden Märkten. Dieser ist im Rahmen der neuen Verordnung aber vorgesehen. Konsequenz für die Händlerin: „Ich werde erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen müssen. Wie ich diese kompensieren kann? Keine Ahnung.“ Auch aus Sicht des E-Commerce-Unternehmens Merkkur entsteht durch die neue Verordnung „ein zusätzlicher Aufwand, der Geld kostet und keinen Euro Ertrag bringt“, wie Geschäftsführer Christian Kernbichl schildert.
An den grundsätzlichen Zielen der Verordnung gibt es wenig Kritik. Die Umwelt schonen und überflüssige Verpackungen vermeiden – wer würde etwas dagegen haben? Aber die Unternehmerinnen und Unternehmer fühlen sich nun mit hohem auch bürokratischem Aufwand, steigenden Kosten und drohenden Umsatzverlusten konfrontiert. Sie haben nicht den Eindruck, dass sie als Akteure gestärkt und Handelshemmnisse reduziert werden. Denn weiterhin fluten täglich tausende Pakete aus Fernost den europäischen Markt – und setzen hiesige Unternehmen unter Druck.