Unterm Strich war die Stimmung auf den zahlreichen Messen, die sich unter dem Überbegriff der Fashion Week inzwischen angesiedelt haben, gar nicht schlecht. Bei weitem nicht so schlecht jedenfalls, wie das tatsächlich phasenweise niederschmetternde Jahr 2016 dies nahe gelegt hätte. Nach Angaben der Veranstalter zogen einige der Informations- und Orderplattformen in der Hauptstadt sogar noch mehr Publikum an als die Messen vorheriger Saisons. Das ist ein gutes Zeichen. Ein Zeichen des Interesses, des Mutes und, ja, auch der Zuversicht. Wo sonst soll man sich schließlich in Richtung Zukunft orientieren, wenn nicht auf internationalen Bühnen der Branche, auf denen die Kreativen ihre Entwürfe für die kommende Saison präsentieren?
Längst hat auch der Schuhhandel die Messen zwischen Gleisdreieck und ExpoCenter für sich entdeckt. Immer mehr Einkäufer nutzen die Gelegenheit, sich Inspirationen aus der Oberbekleidung zu holen, vielleicht auch das eine oder andere zu ordern, und gezielt die Schuhe dazu zu sichten. Das erscheint gerade vor dem Hintergrund der jüngsten Nachrichten rund um die GDS verständlich. Zwar wird es in wenigen Tagen noch eine – die letzte – Schuhmesse in bewährter Form am Rhein geben. Aber wie sich die Orderveranstaltungen mit Schwerpunkt Schuhe entwickeln, muss abgewartet werden – derweil die wichtigen Fragen nach den Trends für H/W 2017/18 schon jetzt Antworten brauchen. Berlin bietet sich also an. Gerade der Angebots-Mix auf den Messen erwies sich für viele Einkäufer als positiv. Nicht nur, weil der Modehandel den Schuh längst für sich entdeckt hat. Sondern auch, weil die Mode im Schuhhandel eine immer wichtigere Rolle spielt – als Inspirationsquelle, aber auch als fester Bestandteil des Sortiments. Vor diesem Hintergrund äußerten sich einige Besucher und Aussteller auf der Panorama enttäuscht. Zwar stimmte allerorten die Frequenz und viele freuten sich über neue Kontakte und Kunden. Dass der Schuh aber eher als Appendix der Mode, konzentriert in zwei Messehallen und ohne rechte inhaltliche Sortierung, präsentiert wurde, kritisierten Hersteller und auch Händler – und wünschten sich den Mix mit der Mode. Neben der teils hochemotionalen und aufwändigen Gestaltung der Fashion Hallen wirkten die Schuh- und Accessoires-Stände zudem auch eher ’pragmatisch‘. „Ein Unterschied wie Tag und Nacht“, echauffierte sich ein Besucher. „Warum bleibt unsere Branche hinter ihren Möglichkeiten zurück?“ Aus verschiedenen Warenwelten ist längst eine geworden. Bluse, Hose, Tuch, Schmuck, Schuh: Alle Elemente gehören gleichwertig auf eine – emotional aufgeladene – Bühne. So kauft der Verbraucher. Und daran orientiert sich auch der Einkäufer. Vielleicht ist das einen Gedanken wert.