Der Schritt von Wortmann, jetzt mit Vollgas in die Stärkung einer weiteren hauseigenen Marke zu gehen, ist nur auf den ersten Blick verwunderlich. Auf den zweiten erscheint er sinnvoll.
15.06.2016
Petra Salewski
2 Minuten
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Marco Tozzi soll wachsen. Die Detmolder Wortmann KG kündigt an, einen mehrstelligen Millionenbetrag in den Ausbau der Marke zu investieren. Ab F/S 2017 soll der Bekanntheitsgrad von Marco Tozzi mit Hilfe eines Relaunchs und langfristig angelegter Kampagnen deutlich erhöht werden. Neben Tamaris wolle man dem Handel eine weitere starke Endverbrauchermarke anbieten, heißt es aus Detmold.
Wer in der Vergangenheit die entsprechenden Maßnahmen Revue passieren lässt, die man seinerzeit zur Stärkung der Marke Tamaris ergriff, weiß, dass die jetzt kommunizierte Ankündigung zügig Früchte tragen wird. Es ist gerade mal gut vier Jahre her, als Wortmann ein Budget von beachtlichen 100 Mio. Euro aufrief, um Tamaris zu pushen. Im selben Jahr noch kündigte Firmenchef Horst Wortmann an, die Marke „in jedem Winkel Europas“ positionieren zu wollen. „Marken werden auf der Straße gemacht“, so die Devise. Und auf diese Straße, mitten ins Herz der Konsumentinnen, zielte ein kraftvolles Strategiepaket, das für Tamaris umgesetzt wurde, vom Sponsoring über den Ausbau der Store-Partnerschaften bis hin zu TV-Werbung und einen eigenen Onlineshop der Marke.
2013 schaffte die Wortmann KG – nicht zuletzt auch dank des starken Wachstums von Tamaris – den Sprung über die Umsatz-Milliarde. Der Bekanntheitsgrad der Marke wuchs atemberaubend. Ende 2015 feierte man bereits zehn Jahre Systempartnerschaft; inzwischen gibt es das Tamaris Store-Konzept 2.0.
Konkurrenz belebt
Unterdessen hat der Siegeszug von Tamaris zumindest hierzulande sein Tempo verlangsamt. Wohin auch wachsen, wenn eine Marke bereits „in jedem Winkel“ zu finden ist? Gewisse Ermüdungserscheinungen im Markt sind spürbar. „Zuviel Tamaris überall“, heißt es hier und da aus dem Handel. Freilich läuft die Marke weiter ordentlich, ist hoch professionell aufgestellt und anderen Brands um Meilen voraus. Von den internationalen Wachstumspotenzialen, die noch zu heben sind, einmal ganz abgesehen. Aber es entspricht schlichtweg nicht der Wortmann-Philosophie, sich auf Erfolgen auszuruhen, die Dinge schleifen zu lassen. Darum ist der Schritt, jetzt mit Vollgas in die Stärkung einer weiteren hauseigenen Marke zu gehen und damit die Konkurrenz im eigenen Unternehmen anzuheizen, nur auf den ersten Blick verwunderlich. Auf den zweiten erscheint sie sinnvoll. Denn es gibt kaum eine effizientere Methode zur Motivation als diese. Wenn Wortmann Ernst macht, wird man sich im Segment der konsumigen Damenschuhe Gedanken machen müssen. Wo Marco Tozzi in einem ohnehin gesättigten Markt wächst, müssen andere weichen. Und auch die für Tamaris Verantwortlichen dürften den Entwicklungen kaum tatenlos zusehen.
Es ist also reichlich ’Bewegung‘ zu erwarten. Und die kann bekanntermaßen Energie erzeugen.