Viele Händler beklagen hohe Überhänge aus der aktuellen Saison. Das dürfte sich auf ihr Orderverhalten auswirken.
Das hören wir ebenfalls. Und wir wissen auch, dass oft gefragt wird: Was ist wirklich neu? Den Schuh mit Absatz vorne wird es auch diese Saison nicht geben. Entscheidend ist, was die Endkundin als neu empfindet. Dunkelbraun und Bordeaux sind beispielsweise wichtige Farbtrends. Aber wie stark wurden diese Themen bislang disponiert? Es geht darum, Begehrlichkeit zu wecken. Wer als Händler auf die angesagten neuen Farben oder auch Materialien setzt und diese entsprechend präsentiert, ist gefragter. Des Weiteren ist es aus meiner Sicht sehr wichtig, immer wieder aktuelle Anlassthemen über kreative Schaufenstergestaltung oder Fokustische zu spielen, um die Endverbraucherin zur richtigen Zeit zu begeistern. Als Unterstützung hierfür bieten wir zum Beispiel jede Saison kostenlose POS-Kampagnen zu Themen wie Holiday, Hochzeit, Muttertag etc. an. Dies richtig gespielt und beispielsweise kombiniert mit beliebten Persönlichkeiten wie Guido Maria Kretschmer oder Michelle Hunziker schafft Anreize und Begehrlichkeiten.
Kommen wir zum Thema Konditionen. Welche Stellschrauben haben Sie konkret gedreht?
Die Kaufzurückhaltung in Deutschland ist deutlich spürbar. Attraktive Preislagen werden immer wichtiger – besonders unter 100 Euro. Das spielt uns aktuell in die Karten. Wir haben den Bereich 59 bis 89 Euro ausgebaut und die Eingangskalkulation speziell in diesen Preislagen deutlich verbessert. Auch die Einstiegspreislage 49,95 Euro bleibt im Programm, weil manche Händler damit gut arbeiten können. Unser Ziel: In attraktiven Preislagen auch attraktive Margen bieten – bei gleichzeitig modischer Relevanz.
Wie entwickelt sich das Herrenschuhsegment?
Wir befinden uns in der siebten Saison – und sehen eine positive Entwicklung. Natürlich erfordert es Überzeugungsarbeit, doch wir kommen voran. Während deutsche Kunden tendenziell zurückhaltender sind, erleben wir in den Niederlanden, Belgien und Italien größere Offenheit. Für die Herrenkollektion – Marco Tozzi und Guido Maria Kretschmer by Marco Tozzi – haben wir ein eigenes Entwicklungsteam etabliert. Auch die Kalkulation haben wir für die kommende H/W 26 nochmals deutlich verbessert – von 2,5 auf 2,85. Die Preisspanne liegt bei 59,95 bis 99,95 Euro.
Was wünschen Sie sich vom Handel?
Dass wir gemeinsam alles dafür tun, unseren Endkundinnen und Endkunden ein positives Einkaufserlebnis im stationären Handel zu schaffen. Die Begeisterung muss über eine einladende Atmosphäre geschaffen werden, mit attraktiven und anlassbezogenen Produktpräsentationen und einem ausgeprägten Servicegedanken. Der Onlinehandel optimiert seit Jahren die Customer Journey – vom ersten Klick bis zum reibungslosen Checkout. Diese Optimierung der Customer Journey muss auch im stationären Handel höchste Relevanz bekommen, von der ersten Ansprache der Endkundin bis zum finalen Kauf. Hier darf es keine Störfaktoren geben, ansonsten ist der Kunde nicht nur online, sondern auch stationär sofort abgesprungen. Unsere Aufgabe hierbei ist es, unseren Händlern begehrliche Produkte mit aufmerksamkeitsstarken und anlassbezogenen Endverbraucherkampagnen zur Verfügung zu stellen.
Man könnte Ihnen entgegnen: Als Teil der Wortmann-Gruppe fällt es Ihnen leicht, viele innovative Dinge umzusetzen. Das kann ein einzelner Händler in einer schwierigen Umsatzsituation möglicherweise nicht. Was sagen Sie dazu?
Marco Tozzi ist ein eigenständiges Unternehmen innerhalb der Gruppe. Auch bei uns resultiert Erfolg nicht aus Selbstverständlichkeit, sondern wir müssen uns diesen jede Saison sehr hart erarbeiten, um in innovative Dinge investieren zu können. Entscheidend ist, sich permanent selbstkritisch zu hinterfragen, wo etwas verändert und verbessert werden kann – und das tun wir immer und immer wieder. Der große Sneaker-Hype flacht aktuell ab. Unsere Antwort: Wir setzen neue Schwerpunkte in der Kollektion. Etwa einen angezogeneren Sneaker-Look sowie einen Ausbau des eleganten, femininen Segments. Dabei bleiben Passform, Komfort, Frische im Design und Preisattraktivität zentrale Kriterien. Es geht darum, nicht passiv zu bleiben, sondern gezielt zu handeln.
Wenn Sneaker an Bedeutung verlieren – welche Warengruppen gewinnen an Relevanz?
Sneaker bleiben wichtig – aber in neuer Form. Modischere Varianten mit frischem Look sind gefragt. Gleichzeitig rücken andere Warengruppen stärker in den Fokus: Loafer erleben ein Comeback, Slings entwickeln sich gut. Für den Herbst sehen wir Absatzstiefeletten, die bereits im Spätsommer tragbar sind. Langschaftstiefel sind ein weiteres starkes Thema – online war die Nachfrage bereits im August hoch, als stationär vielerorts noch kein Angebot bestand. Wir haben den Anteil an Langschaftstiefeln daher leicht erhöht. Über alle Segmente hinweg ist Passform ein zentrales Kriterium – ob bei Sneakern oder eleganten Stiefeletten. Deshalb investieren wir verstärkt in weiche Materialien und Stretch-Komponenten. Farblich bleiben Brauntöne gefragt, ebenso Bordeaux, Dunkelgrün, Dunkelblau und Light Beige.
Was wäre für Herbst/Winter aus Ihrer Sicht ein neuer, trendiger Look?
Ein neuer trendiger Look ist für mich ganz klar der Minirock kombiniert mit Strumpfhose und Langschaftstiefeln. Auf einer Schaufensterpuppe inszeniert, ergibt das ein frisches, inspirierendes Outfit.
In wie vielen Märkten ist Marco Tozzi präsent?
Aktuell vertreiben wir Marco-Tozzi-Schuhe in 35 internationalen Märkten. Besonders dynamisch entwickeln sich die Niederlande, Belgien, Italien und Griechenland. Auch in Frankreich und den Balkanländern haben wir eine positive Entwicklung.