Im März 2024 hatte Schuhhändler Ingo Hänel das 125-jährige Jubiläum des Schuhhauses Freitag in Crailsheim gefeiert. Auch der Oberbürgermeister war seinerzeit dabei. Jetzt steht fest: Das Geschäft wird im Juli 2026 schließen. Gegenüber einer Tageszeitung der Region schilderte der Händler die Hintergründe: „Es ist eine Abwägung, in welche Richtung sich ein Standort entwickelt und er auf die eigene mittel- und langfristige Strategie einzahlt und da mitgehen kann“, so formulierte es Hänel im Interview.
Man habe mit dem Schuhhaus einiges ausprobiert, was aber nicht die Wende zum Besseren gebracht habe. So habe er sich für die Kündigung des Standorts entscheiden müssen. Warum das alteingesessene Schuhgeschäft, das 1899 gegründet wurde und seit 2008 zu Schuh-Beck gehört, nicht mehr gut funktioniert hat, erklärt der Händler so: „Der Onlinehandel ist endgültig in der Mitte der Gesellschaft angekommen, auch bei älteren Zielgruppen. Gleichzeitig sind die Erwartungen gestiegen: Konsumenten wollen heute maximale Bequemlichkeit und schnelle Lieferung. Das Internet dient dabei nicht nur als Einkaufsort, sondern auch als Entscheidungsbasis.“
Er sei, ergänzt Hänel, „in mehrerlei Hinsicht enttäuscht vom Verbraucher. Einerseits bekennen sich viele stärker zu Nachhaltigkeit und Regionalität, andererseits zeigen die täglich fast 500.000 Sendungen asiatischer Billigplattformen einen ungehemmten und unreflektierten Konsum, unabhängig davon, ob die Produkte chemisch oder technisch hochgefährlich sind oder aus Kinder- oder Sklavenarbeit stammen, und auch egal, welch schlechten ökologischen Fußabdruck solche per Luftfracht importierten Wegwerfprodukte haben.“ Das mache ihn sprachlos, sagt Hänel und legt nach: „Dieses gewissenlose Billigst-Shopping ekelt mich offen gesagt an und macht mich traurig.“ Denn ein solches Verhalten produziere Müll und Gifte, vernichte deutsche Arbeitsplätze im Einzelhandel und bringe der Staatskasse keinerlei Einnahmen.
Darüber hinaus führt der Händler weitere Gründe für die Schwierigkeiten des Schuhhauses in Crailsheim an: Kaufzurückhaltung, das Konzept einer temporären Fußgängerzone im Ort, Beratungsklau – und „die ewige Suche nach dem Billigsten im Internet.“